🗞️ 51/25
Graue Haare - Schutzprogramm der Zellen? · Telemedizin bei Stuttgarter Geburtskliniken · Stärkt Tee bei Frauen die Knochen· Licht statt Sinne: wie das Gehirn gesteuert werden kann · Riesige Lebensmitteldatenbank jetzt kostenfrei zugänglich · Wenn der Pfleger selber zum Spender wird
📌 5 weekly picks
1 📌 🧬 Ein Schutzprogramm der Zellen? Wenn das Haar grau wird
Graue Haare gelten als klassisches Zeichen des Alterns. Doch hinter diesem sichtbaren Wandel verbirgt sich möglicherweise ein biologischer Mechanismus, der eher eine Schutzmaßnahme zu sein scheint. Forschende um Emi Nishimura an der Universität Tokio haben beobachtet, dass Pigmentstammzellen in den Haarfollikeln bei DNA-Schäden eine bemerkenswerte Strategie wählen: Sie beenden ihre Stammzellfunktion. Anstatt sich weiter zu teilen – und damit das Risiko fehlerhafter oder mutierter Nachkommenzellen einzugehen – differenzieren sie sich vorzeitig aus. Damit geht ihre regenerative Kapazität verloren, und das Haar wächst fortan grau. Der Verlust von Farbe ist somit die Folge zugunsten der genetischen Stabilität, eines zellulären Selbstschutzprogramms.
Während die Konsequenz äußerlich sichtbar wird, folgt die Logik einem Muster, das auch in verschiedenen Stammzelltypen des Körpers wiederkehrt. Hämatopoetische Stammzellen etwa reagieren auf Strahlung oder chemischen Stress, indem sie in einen reversiblen Ruhemodus (Quieszenz) übergehen. Über Signalachsen wie p53 und p21 stoppen sie ihren Zellzyklus, um DNA-Schäden zu reparieren oder – wenn die Reparatur scheitert – den programmierten Zelltod einzuleiten. Mesenchymale Stammzellen im Knochenmark zeigen unter ähnlichen Bedingungen eine Tendenz zur Seneszenz, einem dauerhaften Wachstumsstopp, der unkontrollierte Teilung unterbindet. Auch im zentralen Nervensystem lassen sich solche Schutzstrategien beobachten: Nervenvorläuferzellen reagieren auf oxidativen Stress, indem sie ihre Aktivität drosseln oder sich selbst deaktivieren – ein Prozess, der als Schutz vor Tumorbildung dient, aber möglicherweise zur Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen beiträgt.
2 📌 Geburten in Stuttgart: Telemedizin macht den Start ins Leben noch sicherer 🍼🤰👩💻
Rund 6.200 Kinder werden jedes Jahr in den Stuttgarter Kliniken geboren – die meisten ohne Komplikationen. Doch wenn es kritisch wird, etwa bei Frühgeburten oder unerwarteten Anpassungsstörungen, entscheidet oft jede Minute. Genau hier setzt ein neues telemedizinisches Netzwerk an, das die Geburtshilfe in der Landeshauptstadt auf ein neues Sicherheitsniveau hebt. Das Perinatalzentrum des Klinikums Stuttgart am Olgahospital – Deutschlands größte Kinderklinik – ist nun rund um die Uhr telemedizinisch mit dem Marienhospital Stuttgart und dem Robert Bosch Krankenhaus verbunden. Geburtshilfliche Teams können bei komplexen Fällen sofort auf die Expertise spezialisierter Neonatolog:innen zurückgreifen. Über hochauflösende Videoübertragungen, Live-Vitaldaten und Laborwerte werden Neugeborene gemeinsam beurteilt – in Echtzeit und ohne Zeitverlust.
Das Besondere: Die telemedizinische Beratung läuft parallel zur klinischen Versorgung vor Ort. Sollte sich ein Notfall zuspitzen, rückt zusätzlich innerhalb weniger Minuten ein neonatologisches Team aus dem Olgahospital an, während die digitale Abstimmung weiterläuft. In vielen Fällen kann jedoch bereits früh Entwarnung gegeben werden – ein großer Gewinn für Eltern und medizinisches Personal gleichermaßen. Ermöglicht wird die Vernetzung durch Förderungen der Eva Mayr-Stihl Stiftung. Die Anliegen der Stiftung sind eine gute Gesundheitsversorgung in der Region und bei seltenen Erkrankungen, starke Forstwissenschaften für nachhaltige Wälder in Deutschland sowie erlebbare Kunst und Kultur in Waiblingen und Umgebung. Die Stiftung investierte allein 2025 rund zwei Millionen Euro in den Ausbau der Telemedizin am Klinikum Stuttgart. Neben der Neonatologie liegt ein weiterer Schwerpunkt auf Tele-Intensivmedizin und digitalen Kooperationen in der Region.
👉 weiterstöbern bei der Eva Mayr-Stihl Stiftung
🔗 👉 Zur Originalmitteilung des Klinikums Stuttgart
3 📌 Neue Langzeitstudie: Tee stärkt bei Frauen die Knochen♀️💪 🔬
Tee oder Kaffee – für viele ist das mehr als eine Geschmacksfrage. Eine neue Langzeitstudie der australischen Flinders University zeigt nun, dass die Wahl des Lieblingsgetränks im Alter tatsächlich Auswirkungen auf die Knochengesundheit haben kann. Über einen Zeitraum von zehn Jahren begleiteten die Forschenden knapp 10.000 Frauen ab 65 Jahren und untersuchten, wie sich Kaffee- und Teekonsum auf die Knochenmineraldichte (BMD) auswirken – ein zentraler Marker für das Osteoporoserisiko. Das Ergebnis: Teetrinkerinnen hatten eine leicht, aber statistisch signifikant höhere Knochendichte an der Hüfte als Frauen, die keinen Tee tranken. Der Effekt ist individuell zwar klein, könnte sich aber auf Bevölkerungsebene deutlich bemerkbar machen. „Schon geringe Verbesserungen der Knochendichte können langfristig zu weniger Frakturen führen“, erklärt Studienautor Enwu Liu. Als möglicher Mechanismus gelten Catechine im Tee, die knochenaufbauende Prozesse fördern und den Knochenabbau bremsen.
Beim Kaffee fällt das Bild differenzierter aus. Ein moderater Konsum von zwei bis drei Tassen täglich zeigte keine negativen Effekte auf die Knochen. Erst bei mehr als fünf Tassen pro Tag fanden sich Hinweise auf eine geringere BMD. Besonders ungünstig wirkte sich hoher Kaffeekonsum bei Frauen mit erhöhtem Alkoholkonsum aus. Zwar kann Koffein die Kalziumaufnahme leicht hemmen – dieser Effekt lasse sich jedoch, so die Autoren, etwa durch Milch im Kaffee abmildern. Für ältere Frauen könnte eine tägliche Tasse Tee mehr sein als ein Ritual – nämlich ein einfacher, alltagstauglicher Beitrag zur Knochengesundheit. Kalzium und Vitamin D bleiben zwar entscheidend, doch offenbar spielt auch der Inhalt der Tasse eine kleine, nicht zu unterschätzende Rolle.
🔗 ‘Longitudinal Association of Coffee and Tea Consumption with Bone Mineral Density in Older Women: A 10-Year Repeated-Measures Analysis in the Study of Osteoporotic Fractures’ 👉 Zur Originalstudie
4 📌 Licht statt Sinne: Forscher erzeugen künstliche Wahrnehmung im Gehirn 🧠 💡
Ein Forschungsteam der Northwestern University, USA hat ein drahtloses, lichtbasiertes Neuroimplantat entwickelt, das gezielt neuronale Aktivitätsmuster im Kortex auslöst. Die Technik basiert auf einem flexiblen Array aus bis zu 64 winzigen Micro-LEDs, jede kaum dicker als ein menschliches Haar. Das Licht wird durch den Schädelknochen hindurch gesendet und aktiviert genetisch lichtempfindliche Nervenzellen – ganz ohne invasive Elektroden im Gehirn.
In Mausmodellen zeigte sich, dass die Tiere lernten, komplexe Lichtmuster als bedeutungsvolle Signale zu interpretieren. Ohne Sehen, Hören oder Tasten nutzten sie diese künstlichen Reize, um Entscheidungen zu treffen und Aufgaben korrekt zu lösen. Die Muster wirkten dabei wie codierte Botschaften direkt an mehrere Hirnregionen gleichzeitig. Besonders relevant ist nach Ansicht der Forschenden das Potenzial für die Medizin: Denkbar sind sensorische Rückmeldungen für Prothesen, neue Ansätze für Hör- oder Sehprothesen, die Steuerung robotischer Gliedmaßen, verbesserte Schlaganfall-Rehabilitation oder sogar eine medikamentenfreie Beeinflussung von Schmerz. „Wir schaffen neue Gehirnsignale und beobachten, wie das Gehirn lernt, sie zu nutzen“, sagt Studienleiterin Yevgenia Kozorovitskiy. Das System ist vollständig implantierbar, kabellos und beeinflusst das natürliche Verhalten der Tiere nicht messbar. Noch ist das Verfahren Grundlagenforschung, doch sie zeigt bereits, wie flexibel das Gehirn Information verarbeitet – und wie verloren geglaubte Sinneskanäle eines Tages künstlich ersetzt werden könnten.
5 📌 Daten zu mehr als 7.000 Lebensmitteln jetzt kostenfrei nutzbar 🍎 🥖 🥩
Welche Vitamine stecken in Äpfeln? Welcher Fisch enthält am meisten Jod? Über wie viel Ballaststoffe verfügen Erbsen im Vergleich zu Linsen? Die Antworten auf diese Fragen kann nun jede:r im Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) finden, der ab 15. Dezember für die freie Nutzung zur Verfüghung steht. Die aktuelle Datenbank enthält die durchschnittlichen Nährstoffdaten und Energiegehalte von mehr als 7.000 Lebensmitteln und Gerichten. Das Max Rubner-Institut (MRI) stellt die Daten zur Verfügung gestellt und aktualisiert regelmäßig aktualisiert.
Der BLS ist Deutschlands nationale Nährstoffdatenbank und wurde als Standardinstrument zur Auswertung von Ernährungsstudien entwickelt. Er dient als Datengrundlage für die Ernährungsberatung sowie für ernährungs- und gesundheitspolitische Maßnahmen. Zudem können Lebensmittelhersteller den BLS zur Berechnung der verpflichtenden Nährwertkennzeichnung nutzen.
🔗 Zugang zur Datenbank des BLS
PLUS …
💬 Über unseren Tellerrand
1️⃣ Mikroplastik ade? Bonner Forscher entwickeln Waschmaschinenfilter nach dem Vorbild von Fischkiemen 💭🐟
Waschmaschinen sind wahre Mikroplastik-Schleudern: Bis zu 500 Gramm Kunststofffasern pro Jahr kann ein Gerät in einem Vier-Personen-Haushalt freisetzen. Diese winzigen Partikel gelangen über das Abwasser in Kläranlagen, von dort in Klärschlamm – und schließlich als Dünger auf unsere Felder.
Forschende der Universität Bonn haben nun eine ebenso elegante wie effektive Lösung entwickelt: einen biologisch inspirierten Filter, der sich an der Natur orientiert und mehr als 99 Prozent der Mikroplastikfasern aus dem Waschwasser entfernt. Das Vorbild stammt aus dem Meer. Bestimmte Fischarten wie Makrelen oder Sardinen ernähren sich mithilfe eines hochentwickelten Kiemenreusensystems, das Plankton aus dem Wasser filtert, ohne zu verstopfen. Genau dieses Prinzip – eine Form der Querstrom-Filtration – übertrugen die Forschenden auf einen Waschmaschinenfilter. Statt dass Partikel frontal auf ein Sieb prallen, „rollen“ sie entlang einer trichterförmigen Struktur und sammeln sich kontrolliert am Ausgang. Das System reinigt sich dadurch quasi selbst.

Die Technologie ist bereits zum Patent angemeldet, eine EU-weite Anmeldung läuft. Nun hoffen die Forschenden, dass Hersteller den Ansatz aufgreifen und künftig serienmäßig in Waschmaschinen integrieren. Angesichts wachsender Hinweise auf gesundheitliche Risiken – Mikroplastik wurde bereits in Plazenta, Muttermilch und sogar im Gehirn nachgewiesen – wäre das ein wichtiger Schritt, um die unkontrollierte Verbreitung dieser Partikel zumindest deutlich zu reduzieren.
📬 In unserer Mailbox
1️⃣ nature veröffentlicht beste Wissenschaftsfotos 2025
Eine sehenswerte Auswahl bestechend schöner und besonderer Aufnahmen - Nanowelten, Tiere, Pflanzen, der Himmel über uns.

Zur Ausgabe von nature
2️⃣ Robotik-Programm in der Thoraxchirurgie
Der Klinikverbund Ortenau Klinikum hat in der vergangenen Woche die erste Roboter-Operation in der Thoraxchirurgie durchgeführt und damit ein Robotik-Programm der Lungenchirurgie gestartet.
Professor Dr. Philipp Diehl, Chefarzt des Departments Kardiologie, Pneumologie, Angiologie, Akutgeriatrie, Intensivmedizin & Thoraxchirurgie (DKPAAIT) setzt auf die Vorteile der robotergestützten Operationen auch in der Lungenchirurgie. Die Sektion behandelt jährlich rund 370 ambulante und 330 stationäre Patienten. „Durch den Einsatz der Robotik in der Lungenchirurgie können wir im Ortenau Klinikum eine medizinische Versorgung anbieten, die in vielen Fällen ansonsten nur von Universitätskliniken und Maximalversorgern angeboten wird und können dadurch die medizinische Versorgung in der Ortenau weiter verbessern“, sagt Dr. Peter Kraemer, Medizinischer Vorstand des Ortenau Klinikums.
Zur Pressemitteilung des Klunikums
🤕 IchalsPatient
1️⃣ Wie ein Lottogewinn – nur wertvoller
Eine schöne Geschichte stammt in diesen vorweihnachtlichen Tagen von der Universitätspressestelle der Universitätsmedizin Göttingen: “Mit dem Thema Stammzellspende hat David Kues täglich zu tun. In der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) kümmert sich der Medizinische Fachangestellte (MFA) um an Blutkrebs erkrankte Patient*innen, denen gespendete Stammzellen transplantiert werden sollen. Dass er selbst einmal als Spender ausgewählt und zum Lebensretter wird, hielt Kues für ähnlich wahrscheinlich wie einen Lottogewinn – bis es passiert ist.”
Eigentlich ist David Kues derjenige, der organisiert, beruhigt, erklärt. Als Medizinischer Fachangestellter in der Hämatologie der Universitätsmedizin Göttingen begleitet er seit Jahren Menschen mit Blutkrebs durch eine der schwersten Phasen ihres Lebens. Er kennt die Angst vor der nächsten Therapie, das Warten auf Werte, aber auch die leisen Momente der Hoffnung. Dass er selbst eines Tages Teil dieser Geschichte werden würde – daran hatte er nie ernsthaft gedacht.

Das glückliche Ende: Die Zellen sind angekommen. Der Körper des unbekannten Menschen nimmt sie an. Die Genesung verläuft gut. Namen, Alter, Gesichter – all das kennt David nicht. Vielleicht lernt man sich in zwei Jahren kennen. Vielleicht auch nicht. Wichtig ist etwas anderes. Manchmal sitzt der Lebensretter eben nicht am Krankenbett – sondern liegt selbst kurz auf der Liege.
👉 Lesen Sie die ganze Geschichte auf den Seiten der UMG
MINQ's weekly picks Newsletter
Melden Sie sich kostenlos an, um die neuesten Updates in Ihrem Posteingang zu erhalten