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🗞 4/2026

AD(H)S‑Medikationen steigen europaweit · Roboter lernt Lippenlesen – erstaunlich menschlich · Umweltstress macht krank · Bambus als mögliches Superfood · Ghostbots - Wenn die Toten weiterreden · Ausstellung “Anatomie der Fragilität · Wenn Segeln beim Heilen hilft

Mirjam Bauer Karl-Richard Eberle

📌 5 weekly picks

1 📌 📈🧠 AD(H)S‑Medikationen steigen europaweit – 💊📊 Neue Studie zeigt deutliche Verschreibungstrends

AD(H)S‑Diagnosen nehmen zu – und mit ihnen die Zahl der verschriebenen Medikamente. Eine neue Analyse aus dem Lancet Regional Health Europe zeigt, wie stark die Verordnungen in fünf europäischen Ländern seit 2010 gestiegen sind. Besonders auffällig: Erwachsene, Mädchen und Frauen erhalten heute deutlich häufiger AD(H)S‑Medikamente als noch vor wenigen Jahren. Untersucht wurden Deutschland, Spanien, Großbritannien, Belgien und die Niederlande. In allen Ländern zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend, am stärksten in Großbritannien, die höchsten Werte in den Niederlanden. Deutschland verzeichnet moderate Zuwächse – mit einem erneuten Anstieg seit 2017.

Fachleute sehen darin weniger ein Warnsignal als vielmehr eine Korrektur früherer Unterdiagnosen, vor allem bei Erwachsenen. Gleichzeitig bleibt die Behandlungskontinuität gering: Nur ein kleiner Teil der Betroffenen erhält nach einem Jahr noch Folgerezepte. Die Versorgung unterscheidet sich stark zwischen den Ländern – abhängig von Zugang zu Fachärzten, der Rolle psychosozialer Angebote und der gesellschaftlichen Haltung zu Psychopharmaka.

MINQ-Spezialistin Prof. Dr. Alexandra Philipsen vom Universitätsklinikum Bonn sieht die steigenden Verordnungen gelassen: Mehr Frauen erhielten Medikamente, „weil sich das Geschlechtsverhältnis bei Erwachsenen angleicht“. Gleichzeitig warnt sie vor einer „schlechten Behandlungskontinuität“ und einer „unzureichenden Versorgungssituation“ in Deutschland. Prof. Dr. Marcel Romanos vom Universitätsklinikum Würzburg spricht ebenfalls von einer „erheblichen Unterversorgung im Erwachsenenalter“, sieht aber in den steigenden Zahlen auch Fortschritte. Dass Erwachsene, Mädchen und Frauen häufiger Medikamente erhalten, zeige eine „Verbesserung der Versorgungssituation“. Für die kommenden Jahre erwartet er weitere Zunahmen, da die Diagnostik noch im Aufholprozess ist.

Für Kinder betonen Forschende die Bedeutung schulbasierter Interventionen, die nachweislich große Effekte erzielen. Medikamente können Symptome lindern, ersetzen aber nicht die Förderung der Selbstregulation – und heilen AD(H)S nicht.

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🎧 passend dazu der BR-Podcast AD(H)S bei Frauen - Unbekannt weil unerkannt 📻

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Zur Originalpublikation:
Differential working memory changes following methylphenidate in medication-naive and medication-experienced adults with ADHD. Shimizu M, Takagi S, Aoki R, Itahashi T, Shikauchi Y, Nakamura H, Sugihara G, Takahashi H, Nakamura M.PCN Rep. DOI: 10.1002/pcn5.70286

2 📌  🤖🎤 Roboter lernt Lippenlesen – und wird dabei erstaunlich menschlich🤖🗣️

Ein Forschungsteam der New Yorker Columbia University hat einen Roboter entwickelt, der nicht nur synchron zu gesprochenen und gesungenen Worten die Lippen bewegt, sondern auch passende Gesichtsausdrücke erzeugt. Ziel ist es, Maschinen natürlicher wirken zu lassen – und damit Vertrauen zwischen Mensch und Technik zu stärken.

Der Weg dorthin ist komplex: Realistische Lippenbewegungen erfordern eine flexible künstliche Gesichtshaut, die von vielen kleinen Motoren präzise gesteuert wird. Regelbasierte Animationen wirken schnell künstlich oder sogar unheimlich. Die Ingenieur:innen setzten deshalb auf Lernen durch Beobachtung. Zunächst übte der Roboter vor einem Spiegel – ausgestattet mit 26 Motoren, die seine künstlichen Muskeln bewegen. Wie ein Kind, das Grimassen schneidet, verzog er tausendfach zufällig sein Gesicht und lernte so, welche Motorenkombination welche Mimik erzeugt.

Im nächsten Schritt trainierte die KI mit Videos von sprechenden und singenden Menschen, um die Bewegungen menschlicher Lippen bei verschiedenen Lauten nachzuahmen. Perfekt ist das Ergebnis noch nicht, besonders bei Lauten, die ein Spitzmachen der Lippen erfordern. Doch laut Projektleiter Hod Lipson wird der Roboter mit jeder Interaktion besser.

Die Arbeit zeigt, wie weit humanoide Robotik inzwischen ist – und wie viel Feinarbeit nötig bleibt, um Maschinen wirklich natürlich wirken zu lassen.

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Zur Originalpublikation:
“Learning Realistic Lip Motions for Humanoid Face Robots”, Yuhang Hu, Jiong Lin, Judah Allen Goldfeder, Philippe M. Wyder, Yifeng Cao, Steven Tian, Yunzhe Wang, Jingran Wang, Mengmeng Wang, Jie Zeng, Cameron Mehlman, Yingke Wang, Delin Zeng, Boyuan Chen and Hod Lipson, DOI: 10.1126/scirobotics.adx3017

3 📌 🌍🚨 Umweltstress macht krank – DGIM fordert konsequentere Prävention ❤️ 💨🔥

Weltweit sterben jedes Jahr rund 20 Millionen Menschen an Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen – und etwa jeder fünfte dieser Todesfälle geht laut internationalen Herzgesellschaften auf Umweltverschmutzung zurück. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) unterstützt den neuen globalen Appell, Umweltstressoren endlich als zentrale Gesundheitsgefahr ernst zu nehmen.

Denn: Luftverschmutzung, Hitze, Lärm und andere Umweltfaktoren beeinflussen das gesamte Spektrum internistischer Erkrankungen – von Herz‑Kreislauf‑Leiden über Krebs bis Diabetes und Adipositas. DGIM‑Vorsitzende und MINQ-Spezialistin Dagmar Führer‑Sakel betont, dass Prävention nur funktionieren kann, wenn äußere Lebensbedingungen systematisch mitgedacht werden. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, chronisch Kranke und sozial Benachteiligte. Für DGIM‑Generalsekretär Georg Ertl ist klar: Umwelt‑ und Klimaschutz sind keine Randthemen, sondern Grundpfeiler moderner Gesundheitsvorsorge.

Die DGIM arbeitet seit Jahren daran, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Hitze, Luftqualität und weiteren Umweltfaktoren aufzubereiten – mit dem Ziel, Prävention und Versorgung an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

🔗 Zur Pressemitteilung der DEGIM
🔗 Zum gemeinsame Statement der European Society of Cardiology (ESC), das American College of Cardiology (ACC), die American Heart Association (AHA) und der World Heart Federation (WHF)

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Zur Originalpublikation:
Thomas Münzel, Thomas Lüscher, Christopher M Kramer, Keith Churchwell, Amam Mbakwem, Sanjay Rajagopalan, Environmental stressors and cardiovascular health: acting locally for global impact in a changing world: A statement of the European Society of Cardiology, the American College of Cardiology, the American Heart Association, and the World Heart Federation, European Heart Journal, 2026, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf915

4 📌 🎋✨ Bambus als mögliches „Superfood“? – Neue Analyse zeigt verblüffende Effekte 🎋🔥

Bambus könnte weit mehr sein als ein asiatisches Grundnahrungsmittel: Eine neue Studie zeigt, dass die Sprossen erstaunliche gesundheitliche Vorteile bieten – von besserer Blutzuckerkontrolle bis hin zu entzündungshemmenden Effekten. Forschende der Anglia Ruskin University haben erstmals alle verfügbaren Human- und Laborstudien ausgewertet. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Bambus ist proteinreich, fettarm, liefert Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine. In Studien verbesserten die Sprossen die glykämische Kontrolle und das Lipidprofil – beides wichtige Faktoren für Diabetes- und Herz-Kreislauf-Risiken. Auch die Darmfunktion profitierte, ebenso antioxidative und antiinflammatorische Prozesse.

Die Laboranalysen zeigen zusätzlich probiotische Eigenschaften und eine mögliche Reduktion toxischer Stoffe wie Furan und Acrylamid beim Braten oder Rösten. Ganz ohne Risiko ist Bambus allerdings nicht: Einige Arten enthalten roh giftige cyanogene Glycoside, und einzelne Studien weisen auf mögliche Effekte auf die Schilddrüse hin. Beides lässt sich durch korrektes Vorkochen vermeiden.

Die Forschenden sehen großes Potenzial für eine nachhaltige, gesunde Ernährung – betonen aber, dass mehr hochwertige Humanstudien nötig sind, bevor Bambus offiziell als „Superfood“ gelten kann.

🔗 Weiterlesen auf den Seiten der ARU Cambridge

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Zur Originalpublikation:
Damiano Pizzol, Tobia Zampieri, Robert MacKinnon, Dong Keon Yon, Fiona Richardson, Guillermo F. López Sánchez, Susanna Caminada, Alessandro Bertoldo, Laurie Butler, Nicola Veronese, Pinar Soysal, Jae Il Shin, Lee Smith, Bamboo consumption and health outcomes: A systematic review and call to action, https://doi.org/10.1016/j.bamboo.2025.100210.

5 📌 🩺🔍 Studie: Krebsüberlebende am Land leiden häufiger chronisch 🌆🧑‍⚕️🌾

Eine neue Analyse aus den USA zeigt deutliche Unterschiede in der Schmerzbelastung von Krebsüberlebenden je nach Wohnort. Auf Basis von Daten aus dem National Health Interview Survey wurden 5.542 Personen untersucht, deren Krebsdiagnose höchstens fünf Jahre zurücklag. Das Ergebnis: 43 Prozent der Betroffenen in ländlichen Regionen berichten über chronische Schmerzen – deutlich mehr als die 33,5 Prozent in städtischen Gebieten. Auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Einkommen, Bildung oder Begleiterkrankungen blieb der Unterschied bestehen.

Die Forschenden um Hyojin Choi von der University of Vermont sehen mögliche Ursachen in strukturellen Defiziten: In ländlichen Regionen gibt es weniger Unterstützungsangebote, weniger spezialisierte Schmerzexpert:innen und häufiger versicherungsbedingte Hürden bei der Therapie. Die statistische Auswertung zeigt ein signifikant erhöhtes Risiko für chronische Schmerzen bei ländlich lebenden Krebsüberlebenden.

Die Autor:innen betonen, dass weitere Studien nötig sind, um Versorgungslücken zu identifizieren – und gezielt zu verbessern, damit Krebsüberlebende unabhängig vom Wohnort Zugang zu wirksamer Schmerzbehandlung erhalten.

🔗 Weiterlesen auf den Seiten der University of Vermont und des Ärzteblatts

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Zur Originalpublikation:
Choi H, Hallgren E, Reblin M, Tracy JK, Ziller E. Rural-Urban Differences in the Prevalence of Chronic Pain Among Adult Cancer Survivors. JAMA Netw Open. 2025;8(12):e2549972. DOI:10.1001/jamanetworkopen.2025.49972

PLUS …

💬 Über unseren Tellerrand

1️⃣🕯️🤖 Wenn die Toten weiterreden – Ghostbots verändern die Trauerarbeit 🕊️💬

Anett Bommer hört die Stimme ihres verstorbenen Mannes, klar und warm, als würde er im Raum stehen. Michael Bommer starb 2024 an Darmkrebs – doch ein Ghostbot, den er kurz vor seinem Tod mit persönlichen Geschichten und Sprachaufnahmen fütterte, lässt ihn digital weiterleben. Entwickelt vom US‑Start‑up Eternos, imitiert die KI Tonfall, Charakter und Antworten erstaunlich präzise.

Ghostbots markieren einen möglichen Wendepunkt in der Trauerkultur. Statt sich nur zu erinnern, können Hinterbliebene nun mit digitalen Abbildern Verstorbener interagieren. Forschende wie Katarzyna Nowaczyk von der Universität Cambridge warnen jedoch vor psychischen Risiken und fehlenden Regeln. Wer darf einen Ghostbot erstellen? Was passiert bei technischen Störungen oder wenn Anbieter verschwinden?

Auch in Deutschland wird über Regulierung diskutiert. Die Osnabrücker Forscherin Nora Lindemann vom Institut für Kognitionswissenschaft plädiert dafür, Ghostbots als Medizinprodukte einzustufen – inklusive Wirksamkeits‑ und Sicherheitsnachweis. Andere, wie der Trauerforscher Professor Hansjörg Znoj (emeritierter Professor für Klinische Psychologie an der Universität Bern), lehnen das ab: Trauer sei keine Krankheit, der Umgang damit müsse frei bleiben.

Eine Studie von 2023 zeigt, dass Ghostbots Betroffenen durchaus helfen können. Einige Nutzerinnen und Nutzer beschrieben die Gespräche als „therapeutisch“ und emotional entlastend – eine Art weiche Landung im Kontakt mit dem Verlust. Doch die Technologie bleibt ambivalent. Sie kann Trost spenden, aber auch das Loslassen erschweren. Für Anett Bommer ist klar: „Das ist nicht mein Mann.“ Sie nutzt die KI selten – und greift lieber zu Fotos oder Musik. Gleichzeitig war das Erstellen des Bots für ihren Mann ein letzter Akt der Selbstbestimmung, fast wie elektronische Memoiren.

Wie Ghostbots künftig eingesetzt werden, hängt davon ab, ob sie als Erinnerungsbrücke, Trauerhilfe oder digitales Weiterleben verstanden werden.

🔗 Weiterlesen auf den Seiten des Ärzteblatts

2️⃣ 🧠🔍 Warum ein Klick reicht, um Falsches glaubwürdiger zu machen 💡📲

Je öfter wir eine Information sehen, desto eher halten wir sie für wahr – dieser sogenannte Truth‑Effekt ist seit Jahrzehnten bekannt. Forschende der Ruhr‑Universität Bochum zeigen nun: Der Effekt wird noch stärker, wenn wir die Information selbst ausgewählt haben. Schon das Anklicken einer Headline erhöht später die Glaubwürdigkeit ihres Inhalts.

In acht Online‑Experimenten mit fast 1.000 Teilnehmenden verglich das Team um Moritz Ingendahl (Social Cognition Lab), wie Menschen wiederholte versus neue Aussagen bewerten. Das Ergebnis: Wiederholte Informationen wirken überzeugender – und besonders dann, wenn sie zuvor aktiv ausgewählt wurden. Gerade in digitalen Medien hat das weitreichende Folgen. Wer bestimmten Accounts folgt oder gezielt Inhalte anklickt, verstärkt unbewusst die eigene Anfälligkeit für vertraut wirkende Botschaften. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, solche Inhalte zu teilen – und trägt damit zur weiteren Verbreitung bei.

Die Forschenden vermuten, dass aktive Informationssuche mehr Aufmerksamkeit bindet und Erinnerungen stärkt. Das macht selbst gewählte Inhalte besonders einprägsam. Dieser Mechanismus kann Fake News begünstigen – aber auch Faktenchecks stärken, wenn sie so gestaltet sind, dass Nutzerinnen und Nutzer sie bewusst auswählen.

🔗 Weiterlesen auf den Seiten der Ruhr Universität Bochum

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Zur Originalpublikation:
Moritz Ingendahl, Anna Schulte, Florian Weber, André Vaz, Johanna Woitzel, Hans Alves: Choosing to Believe: How Active Sampling Enhances the Truth Effect, in: Journal of Experimental Psychology: General, https://dx.doi.org/10.1037/xge0001888

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1️⃣ 🧫🚀 Forschung, die 2026 Schlagzeilen machen dürfte💡🩺

Weltweit starten jedes Jahr über 5000 klinische Studien – neue Therapien werden erprobt, vielversprechende Medikamente rücken näher an die Zulassung. Doch welche Projekte könnten 2026 besonders viel Aufmerksamkeit bekommen?

Das Fachmagazin Nature hat eine Auswahl jener Studien getroffen, die im kommenden Jahr das Potenzial haben, für Schlagzeilen zu sorgen. Die ARD stellt diese Auswahl in ihrem Podcast “Wissen aktuell“ vor

🎧  Zur neuen Folge: Neue Medikamente, neue Studien: Das wird 2026 in der Medizin wichtig

2️⃣ 🧬🛡️ Tübingen testet personalisierten T‑Zell‑Aktivator – starke Immunantwort bei CLL 🔬🧠

Forschende des Universitätsklinikums Tübingen melden einen wichtigen Fortschritt in der personalisierten Krebsmedizin. In einer Phase‑I‑Studie wurde erstmals ein individuell zugeschnittener T‑Zell‑Aktivator bei Patient:innen mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) getestet – mit beeindruckenden Ergebnissen. CLL ist die häufigste Form von Blutkrebs im Erwachsenenalter und schwächt über Jahre das Immunsystem. Der neue Ansatz nutzt kurze Peptide, die gezielt an Leukämiezellen binden und das Immunsystem wie eine Art Impfung aktivieren. Ergänzt wird dies durch einen in Tübingen entwickelten Immunstimulator.

Die 20 Studienteilnehmenden erhielten drei Injektionen über drei Monate. 95 Prozent entwickelten eine starke, anhaltende Immunantwort gegen die Leukämiezellen, 90 Prozent zeigten einen Rückgang der Krebszellen. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Für die Forschenden ist das ein möglicher Startpunkt für eine neue Ära personalisierter Immuntherapien – nicht nur bei CLL. Der Ansatz lässt sich standardisiert herstellen und könnte künftig auch bei anderen Tumorarten eingesetzt werden. Als nächster Schritt ist eine Phase‑II‑Studie geplant, um die Wirksamkeit weiter zu prüfen.

👉 Zur PM der UK Tübingen

📝
Zur Originalpublikation:
Heitmann, J. S., Maringer, Y., Jung, S. et al. Personalized multi-peptide-based T cell activator for chronic lymphocytic leukaemia: an open-label, single-centre, phase 1 study. Lancet Haematology (2026). DOI: 10.1016/S2352-3026(25)00323-0

📣 Ankündigungen

1️⃣ 🎨 Ausstellung “Anatomie der Fragilität” – Körperbilder in Kunst und Wissenschaft 🕰️ 🏺

Bildquelle: Frankfurter Kunstverein

Wie wir Körper sehen, deuten und darstellen, verändert sich seit Jahrhunderten – und genau diesen Wandel macht der Frankfurter Kunstverein jetzt in einer neuen Ausstellung sichtbar. „Anatomie der Fragilität“ führt die Besucher:innen durch ein faszinierendes Zusammenspiel aus antiken Artefakten, religiösen Votivgaben, spektakulären anatomischen Wachsmodellen des 18. Jahrhunderts und neuesten medizinischen Bildwelten, in denen man virtuell durch ein schlagendes Herz reisen kann.

Die Schau stellt diese historischen Perspektiven zeitgenössischen künstlerischen Positionen gegenüber, die ein neues Verständnis von Körperlichkeit und Menschsein formulieren. In Kooperation mit der Goethe‑Universität Frankfurt, der Universität Bologna, der Justus‑Liebig‑Universität Gießen sowie privaten Sammlungen entsteht ein vielschichtiger Blick auf den Körper – als wissenschaftliches Objekt, kulturelles Symbol und verletzliche Projektionsfläche.

Unter der Schirmherrschaft des Italienischen Generalkonsulats lädt die Ausstellung zu einem Streifzug durch Menschheitsgeschichte und Gegenwartskunst ein – und zeigt, wie eng Kunst und Wissenschaft miteinander verwoben sind, wenn es darum geht, den Menschen zu verstehen.

📅 Wann: bis 1. März 2026

📍 Wo: Antikensammlung und Skulpturensaal der Goethe-Universität Frankfurt + Klinik für Dermatologie, Venerologie u. Allergologie; Universitätsmedizin, Goethe-Universität Frankfurt

2️⃣ 🎗️💬 Weltkrebstag 2026: Digitaler Themennachmittag für Betroffene und Angehörige🎗️🤝🩺

Zum Weltkrebstag am 4. Februar laden die CCC Allianz WERA und das NCT WERA zu einem kostenfreien digitalen Themennachmittag ein. Die Veranstaltung richtet sich an Patient:innen, Angehörige sowie Interessierte.

Unter dem Motto „Gemeinsam. Informiert. Gestärkt.“ bietet das Programm eine Kombination aus Fachwissen, Austausch und praktischen Impulsen. Zum Auftakt diskutiert eine Talkrunde, wie Betroffene aktiv an klinischen Studien mitwirken können. Im Anschluss folgen vier Workshops aus den Bereichen Bewegung, Energieaufbau, Ernährung sowie Achtsamkeit und Fatigue‑Bewältigung. Die Inhalte werden von Expert:innen der WERA‑Standorte vermittelt und sind auf den Alltag von Betroffenen zugeschnitten.

Zum Abschluss erläutert Studienkoordinatorin Dr. Carine Nguemeni vom UK Würzburg anhand konkreter Beispiele, welche Bedeutung klinische Studien für die Entwicklung neuer Therapien haben und wie Patientinnen und Patienten davon profitieren.

👉 Zur Veranstaltungswebseite

📅 Wann: 4. Februar 2026, 14:00 bis 17:15 Uhr

📍 Wo: Online via Zoom

💡
Die CCC‑Allianz WERA vereint die Krebszentren in Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg und wird von der Deutschen Krebshilfe als „Onkologisches Spitzenzentrum“ gefördert. Sie versorgt rund acht Millionen Menschen und ist gemeinsam mit den Münchner Standorten Teil des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung.
Seit 2023 gehört NCT WERA zum Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen – einem bundesweiten Verbund aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und führenden universitätsmedizinischen Partnern an Standorten wie Berlin, Dresden, Heidelberg, SüdWest und West.

🤕 IchalsPatient

1️⃣ ⛵💛 Wenn Segeln beim Heilen hilft – junge Krebspatient:innen finden neuen Halt⛵️⚓️

Eine Krebsdiagnose wirft junge Erwachsene aus dem Leben – medizinische Behandlung allein reicht dann oft nicht aus. Am LMU Klinikum unterstützt deshalb ein spezialisiertes Psychoonkologisches Zentrum Betroffene dabei, ihre Erkrankung zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln. Für Yannic begann dieser Weg mit Zurückhaltung. Erst auf Empfehlung seiner Psychoonkologin stieß er auf reSAILience – ein Segelprojekt für junge Menschen mit Krebs. Wenige Wochen später steht er in Griechenland am Steuer eines Segelboots, umgeben von sechs anderen Betroffenen.

An Bord entsteht eine Gemeinschaft, in der man sich versteht, ohne viel erklären zu müssen. Gespräche über Ängste, Therapien und Hoffnungen passieren ganz natürlich. „Wir alle kennen die Angst vor Kontrollterminen“, sagt Yannic. „Genau deshalb fühle ich mich so verstanden.“

Gegründet wurde reSAILience e.V. 2023 von Nele Lienhard und Dr. Philipp Seifert, die selbst in jungen Jahren an Krebs erkrankten. Segeln half beiden, nach der Diagnose wieder Zukunftspläne zu entwickeln – heute geben sie diese Erfahrung weiter. Im Rahmen von 7- bis 10-tägigen Hochsee-Segeltörns verbinden sich Abenteuer, Gemeinschaft und professionelle Begleitung zu einer besonderen Form der Rehabilitation. Für Seifert, inzwischen Assistenzarzt am LMU Klinikum, ist klar: Junge Krebspatient:innen brauchen mehr als Medizin. Gemeinschaft, Natur und Selbsterfahrung können entscheidend dabei helfen, Mut zu schöpfen und Schritt für Schritt ins Leben zurückzufinden.

👉 Weiterlesen auf den Seiten der LMU

⛵️Wer kann mitsegeln?⛵️⚓️

Das Angebot von reSAILience richtet sich an junge Erwachsene, von 18 bis 45 Jahren, die von einer Krebserkrankung betroffen sind – egal ob aktuell in Behandlung, direkt nach Therapieende oder bereits in Remission. Das Ziel ist es, Menschen in ähnlichen Lebenssituationen zusammen zu bringen. Zukünftig soll das Angebot auch für Betroffene anderer schwerwiegender Erkrankungen erweitert werden.

👉Weitere Infos zu den geplanten Törns, den Teilnahmebedingungen und zur Bewerbung

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