🗞 21/2026
KI lernt, wie unser Gehirn Relevanz erkennt · Tumorzellen könnten nachhaltiger bekämpft werden · Pilzinfektionen und Resistenzen sind ein unterschätztes globales Gesundheitsproblem · Lunge mit Selbstheilungskräften · Wie stark soziale Lebensumstände die Prävention und Früherkennung beeinflussen
📌 5 weekly picks
1 📌 Wie unser Gehirn Relevanz erkennt – und KI davon lernt 🧠 👀
Das menschliche Gehirn ist ständig von Reizen umgeben und filtert dennoch erstaunlich präzise, was gerade wichtig ist: die rote Ampel, ein Kind am Straßenrand, eine Stimme im Stimmengewirr. Genau diese Fähigkeit der visuellen Aufmerksamkeit haben Forschende der TU Berlin und der University of Pennsylvania nun in einem KI-Modell nachgebildet.
Das Modell orientiert sich stärker an der Funktionsweise des Gehirns als klassische neuronale Netze und verbindet mehrere Formen von Aufmerksamkeit in einer gemeinsamen Architektur: räumliche, objektbasierte und merkmalsbezogene Aufmerksamkeit. Es kann sich also nicht nur auf einen bestimmten Ort konzentrieren, sondern auch auf Objekte oder Eigenschaften wie Farbe, Form oder Bewegung.
Damit greift die Arbeit eine zentrale Frage der Wahrnehmungsforschung auf: Wie verbindet das Gehirn einzelne Sinneseindrücke zu sinnvollen Objekten und Handlungen? Das neue Modell kombiniert Objekterkennung mit einem top-down gesteuerten Aufmerksamkeitspfad und verarbeitet Informationen nicht nur in eine Richtung, sondern stärker bidirektional. In Experimenten löste das System Aufgaben wie Orientierung, Filterung und visuelle Suche in komplexen Szenen. Besonders spannend: Es reproduzierte auch bekannte Wahrnehmungsphänomene des Menschen, darunter Aufmerksamkeitsblindheit und Effekte kognitiver Belastung.
Die Studie zeigt damit, wie KI von Psychologie und Neurowissenschaft profitieren kann – und liefert zugleich neue Hinweise darauf, wie menschliche Aufmerksamkeit funktioniert. Mögliche Anwendungen reichen von der Erforschung visueller Aufmerksamkeitsstörungen bis zur Entwicklung adaptiver KI-Systeme, die flexibler auf komplexe Situationen reagieren.
🔗 Weiterlesen auf den Seiten der TU Berlin
Salehi, S., Lei, J., Benjamin, A.S. et al. Modeling attention and binding in the brain through bidirectional recurrent gating. Nat Commun 17, 4072 (2026). https://doi.org/10.1038/s41467-026-72146-9
2 📌 🛡️ CAR-T-Zellen: Neue Stärke für Immunzellen im Kampf gegen Tumoren 🧬 🛡️
CAR-T-Zelltherapien gelten als wichtiger Fortschritt der personalisierten Krebsmedizin, stoßen bei soliden Tumoren aber bislang häufig an Grenzen. Ein internationales Forschungsteam der Columbia University und des Universitätsklinikums Tübingen hat nun einen Ansatz identifiziert, der diese Immunzellen widerstandsfähiger machen könnte.
Im Zentrum steht das Protein NFIL3, das offenbar dazu beiträgt, dass CAR-T-Zellen im Verlauf der Behandlung ermüden und ihre Wirkung verlieren. In einem systematischen Screening untersuchten die Forschenden rund 400 Transkriptionsfaktoren – also Proteine, die steuern, welche Gene in einer Zelle aktiv sind. Dabei zeigte sich: Wird NFIL3 ausgeschaltet, bleiben CAR-T-Zellen länger funktionsfähig, vermehren sich besser und können Tumorzellen nachhaltiger bekämpfen. Möglich wurde dies mithilfe der CRISPR/Cas9-Technologie, mit der das entsprechende Gen gezielt deaktiviert wurde. In mehreren Mausmodellen konnten CAR-T-Zellen ohne NFIL3 Tumore effektiver angreifen und das Überleben der Tiere verlängern.
Besonders relevant ist dieser Befund, weil CAR-T-Zelltherapien bei bestimmten Blutkrebserkrankungen bereits erfolgreich eingesetzt werden, bei soliden Tumoren aber noch deutlich weniger wirksam sind. „Das Ausschalten von NFIL3 könnte ein entscheidender Schritt sein, um die anhaltende Stärke von CAR T-Zellen deutlich zu verbessern“, erläutert Professor Dr. Judith Feucht vom Universitätsklinikum Tübingen. Noch handelt es sich um präklinische Forschung, nicht um eine unmittelbar verfügbare Therapie. Doch die Ergebnisse zeigen einen möglichen Weg, Immunzelltherapien robuster zu machen – und damit perspektivisch auch schwer behandelbare Tumorarten besser zu erreichen. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal Cancer Discovery
🔗 Weiterlesen auf den Seiten des UK Tübingen
Nayan Jain, Yuzhe Shi, Celina May, Sneha Mitra, Philip Bucher, Anton Dobrin, Zeguo Zhao, Sophie Hanina, Vinagolu K. Rajasekhar, Yonghong Yao, Jorge Mansilla-Soto, Josef Leibold, Christina S. Leslie, Francisco J. Sánchez-Rivera, Judith Feucht, Michel Sadelain; Integrated Chronic In Vivo and In Vitro Screens Uncover NFIL3 as a Driver of T-cell Dysfunction. Cancer Discov 2026; https://doi.org/10.1158/2159-8290.CD-25-1524
3 📌 🌍 Pilzinfektionen und Resistenzen: Ein unterschätztes globales Gesundheitsproblem 🍄 ⚠️
Resistente Pilze rücken zunehmend in den Fokus der Infektionsmedizin – und zwar nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in der Umwelt. Eine internationale Gruppe von 50 Forschenden warnt jetzt in Nature Medicine, dass sich Pilze in Landwirtschaft und Viehwirtschaft immer häufiger gegen Wirkstoffe behaupten, die medizinischen Antimykotika ähneln.
Was auf Feldern beginnt, kann für vulnerable Patienten zum Problem werden: Resistente Pilzsporen verbreiten sich über die Luft und können schwere Infektionen auslösen. Besonders kritisch sind Erreger wie Candida auris, der in Kliniken gefährliche Blutstrominfektionen verursachen kann, oder Aspergillus fumigatus, der die Lunge schwer schädigen kann. Für gesunde Menschen bleibt das oft unbemerkt, für immungeschwächte Patienten können solche Infektionen lebensbedrohlich werden. Das Problem: Gegen Pilze gibt es deutlich weniger Therapieoptionen als gegen viele bakterielle Infektionen. Neue Antimykotika zu entwickeln ist schwierig, weil Pilzzellen menschlichen Zellen biologisch vergleichsweise ähnlich sind.
Die Forschenden fordern deshalb einen globalen Fünf-Punkte-Plan: mehr Aufmerksamkeit, bessere Überwachung, konsequentere Infektionsprävention, einen gezielteren Einsatz von Wirkstoffen und mehr Investitionen. Im Kern geht es um einen One-Health-Ansatz, der Humanmedizin, Landwirtschaft, Umwelt und Tierhaltung zusammendenkt. Denn Resistenzen entstehen nicht an einer einzigen Stelle – und lassen sich auch nicht isoliert lösen.
Antimykotische Resistenzen sollten damit ähnlich ernst genommen werden wie Antibiotikaresistenzen.
🔗 Weiterlesen auf den Seiten des Ärzteblatts
Verweij, P.E., Alastruey-Izquierdo, A., Amilon, K. et al. Closing the gap on antifungal resistance. Nat Med 32, 1586–1591 (2026). https://doi.org/10.1038/s41591-026-04334-5
4 📌 Selbstheilungskraft: Wenn die Lunge ihre Reparaturkräfte zurückgewinnen könnte 🛠️ 🛡️
Lungenfibrosen zählen zu den schwerwiegendsten Komplikationen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, etwa bei systemischer Sklerose oder rheumatoider Arthritis. Dabei vernarbt das Lungengewebe zunehmend, die Atmung wird immer stärker eingeschränkt. Bisherige Therapien können diesen Prozess meist nur verlangsamen.
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Universitätsklinikums Heidelberg hat nun einen neuen immunologischen Ansatz identifiziert. Im Mittelpunkt stehen sogenannte seneszente Fibroblasten – dauerhaft geschädigte Zellen, die Entzündung fördern, Vernarbung vorantreiben und sich zugleich der natürlichen Immunabwehr entziehen. Die Forschenden zeigen, dass diese Zellen natürliche Killerzellen über eine Art „Immunbremse“ blockieren. Wird diese Bremse gelöst, etwa über den Antikörper Monalizumab, können NK-Zellen wieder aktiv werden und krankhaft veränderte Fibrosezellen gezielt beseitigen.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die natürliche Fähigkeit der Lunge zur Regeneration möglicherweise wiederherstellen lässt“, sagt Studienleiter Dr. Wolfgang Merkt. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie bewertet die Ergebnisse als wichtigen innovativen Impuls.
Besonders relevant ist der Ansatz für fibrotische Lungenerkrankungen bei rheumatischen Patienten, denn gerade bei systemischer Sklerose gehört Lungenfibrose zu den häufigsten Todesursachen. Noch handelt es sich um präklinische Forschung, nicht um eine etablierte Therapie. Doch die Studie eröffnet eine neue Perspektive: Künftig könnten immunologische Strategien helfen, Vernarbungsprozesse nicht nur aufzuhalten, sondern sie möglicherweise teilweise wieder rückgängig zu machen.
🔗 Weiterlesen auf den Seiten des UK Heidelberg und der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologieund Klinische Immunologie e.V.
Merkt W, Rodon L, Deicher FS, Freitag M, Claus M, Lister R, Han H, Zhou Y, Horne A, Stütz A, Li YN, Kreuter M, Kahn N, Schneider MA, Egea-Zorrilla A, Blasco-Iturri Z, Nikulina N, Turkowski K, Ruppert C, Guenther A, Rizzo R, Rizzo S, Ferraresi M, Hübschmann D, Haas S, Blank N, Watzl C, Tykocinski LO, Lorenz HM, Savai R, Pardo-Saganta A, Lagares D. Natural killer cell immunotherapy reverses lung fibrosis by eliminating senescent fibroblasts. Sci Transl Med. 2026 May 13;18(849): eadq5442. doi: 10.1126/scitranslmed.adq5442. Epub 2026 May 13.
5 📌 🔬 Ehestand und Krebsrisiko: Was soziale Faktoren mit Prävention zu tun haben könnten 💍 💍
Krebsrisiko ist nicht nur Biologie – auch soziale Faktoren zählen: Eine große populationsbasierte Analyse aus den USA zeigt einen auffälligen Zusammenhang zwischen Ehestand und Krebsinzidenz: Erwachsene, die nie verheiratet waren, erkrankten häufiger an Krebs als Menschen, die verheiratet waren oder früher verheiratet waren.
Ausgewertet wurden Daten aus dem SEER-Programm aus zwölf US-Bundesstaaten; einbezogen waren Erwachsene ab 30 Jahren und Krebsfälle aus den Jahren 2015 bis 2022. Besonders deutlich zeigte sich der Unterschied bei Krebsarten, die mit Infektionen, Rauchen, Alkohol oder reproduktiven Faktoren in Verbindung stehen. Männer, die nie verheiratet waren, hatten laut Analyse eine höhere Krebsinzidenz als jemals verheiratete Männer; bei Frauen fiel der Unterschied sogar noch etwas stärker aus. Besonders große Abstände fanden die Forschenden etwa bei Analkrebs bei Männern und Gebärmutterhalskrebs bei Frauen – beides Tumorarten, die stark mit HPV-Infektionen verbunden sind.
Wichtig ist aber: Die Studie zeigt keinen Beweis dafür, dass Ehe an sich vor Krebs schützt. Vielmehr könnte der Ehestand ein Marker für soziale, gesundheitliche und strukturelle Faktoren sein: Unterstützung im Alltag, stabilere Lebensumstände, Vorsorgeverhalten, weniger Risikoverhalten oder bessere Anbindung an medizinische Versorgung.
Die Autoren ordnen die Ergebnisse entsprechend als Hinweis auf soziale und verhaltensbezogene Einflussfaktoren, die sich über die Lebenszeit summieren können. Gerade deshalb ist die Studie weniger als Plädoyer fürs Heiraten zu lesen – sondern als Hinweis darauf, wie stark soziale Lebensumstände mit Prävention und Früherkennung verbunden sein können. Auch unverheiratete Menschen in stabilen Partnerschaften wurden in der Analyse nicht gesondert erfasst, was die Interpretation einschränkt. Die eigentliche Botschaft liegt daher in der Public-Health-Perspektive: Wer weniger soziale Unterstützung hat, sollte bei Vorsorge, Beratung und Risikofaktoren gezielter erreicht werden.
🔗 Weiterlesen auf den Seiten des ASCO Post
Paulo S. Pinheiro, Amber N. Balda, Hannah M. Cranford, Tracy E. Crane, Erin N. Kobetz, Frank J. Penedo; Marriage and Cancer Risk: A Contemporary Population-Based Study Across Demographic Groups and Cancer Types. Cancer Research Communications 1 April 2026; 6 (4): 783–791. https://doi.org/10.1158/2767-9764.CRC-25-0814
PLUS …
💬 Über unseren Tellerrand
1️⃣ 📱🔎 Personalisierte Werbung: Wenn Relevanz zu nah kommt
Personalisierte Werbung soll Nutzern eigentlich relevantere Inhalte zeigen – doch genau diese Nähe löst bei vielen Unbehagen aus. Eine aktuelle YouGov-Studie zeigt: Fast jede zweite Person in Deutschland fühlt sich unwohl, wenn Unternehmen persönliches Online-Verhalten für Werbezwecke nutzen. 40 Prozent empfinden maßgeschneiderte Anzeigen sogar als „gruselig“. Besonders sensibel reagieren viele auf Werbung, die auf dem Browserverlauf oder dem Verhalten in sozialen Medien basiert.
Gleichzeitig ist das Verhältnis zur Personalisierung nicht nur ablehnend: Rund ein Drittel der Befragten findet personalisierte Werbung hilfreich, um neue Produkte zu entdecken. Vor allem jüngere Menschen sehen hier eher einen Nutzen als ältere Generationen. Für Marken entsteht damit ein schwieriges Spannungsfeld zwischen Relevanz, Datenschutz und Vertrauen. Wer personalisiert werben will, muss offenbar sehr genau erklären, welche Daten genutzt werden – und wofür. Besonders wichtig sind klare Möglichkeiten zur Ablehnung: Mehr als die Hälfte der Befragten würde sich mit personalisierter Werbung wohler fühlen, wenn Opt-out-Optionen verständlicher wären. Auch anonymisierte Daten, transparente Datenschutzregeln und minimale Datenerfassung erhöhen die Akzeptanz.
Die Studie zeigt damit weniger ein grundsätzliches Nein zu datenbasierter Werbung. Sie zeigt vielmehr eine Grenze: Personalisierung darf nicht das Gefühl erzeugen, beobachtet zu werden. Entscheidend wird deshalb nicht nur technische Präzision sein, sondern kommunikative Fairness.
🔗 Weiterlesen auf den Seiten von YouGov
2️⃣ 🌍 Wie Klimastress mikrobielle Gemeinschaften verändert 🌡️ 🦠

Steigende Temperaturen, Dürre und Überschwemmungen verändern nicht nur Landschaften und Ökosysteme. Sie können auch beeinflussen, wie Bakterien leben, sich anpassen und verbreiten. Genau das untersucht der neue Forschungsverbund BaKlimON in Hannover. Forschende der Leibniz Universität Hannover, der Medizinischen Hochschule Hannover und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover bündeln dafür ihre mikrobiologische Expertise.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Klimastress auf mikrobielle Gemeinschaften wirkt – im Boden, in Pflanzen, Tieren und im menschlichen Körper. Besonders relevant sind Temperaturstress und Wasserstress, weil sie unter anderem Sauerstoffverfügbarkeit, Salzgehalt und die Konzentration von Stoffen wie Schwermetallen oder Antibiotika verändern können. Das kann Folgen für Nährstoffkreisläufe, Infektionsrisiken und Antibiotikaresistenzen haben.
Die MHH untersucht dabei unter anderem, wie sich veränderte Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen auf das menschliche Mikrobiom, Infektionsmechanismen und bekannte Erreger wie Salmonellen, Listerien oder Escherichia coli auswirken. Die Tierärztliche Hochschule richtet den Blick zusätzlich auf Erreger, die für Mensch und Tier relevant sind.
BaKlimON folgt damit einem One-Health-Ansatz: Gesundheit wird nicht isoliert betrachtet, sondern als Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt. „Wir wissen noch erstaunlich wenig darüber, wie Bakterien auf den Klimawandel reagieren“, sagt Projektkoordinatorin Prof. Natalia Tschowri. Das dreijährige Projekt startet am 1. Juli 2026 und wird mit 3,2 Millionen Euro gefördert. Die zentrale Botschaft: Klimawandel ist auch ein mikrobiologisches Thema. Denn wenn sich Umweltbedingungen verändern, können sich auch Krankheitserreger, Übertragungswege und Resistenzrisiken verschieben
🔗 Weiterlesen auf den Seiten der MHH
📬 In unserer Mailbox
1️⃣ 🦴⚠️ Traumaversorgung 2030: Wenn mehr ältere Verletzte auf weniger Fachkräfte treffen
Die Unfallchirurgie in Deutschland steht vor einer doppelten Herausforderung: Bis 2030 werden deutlich mehr ältere Menschen nach Stürzen und Unfällen behandelt werden müssen, während gleichzeitig Fachkräfte knapper werden. Schon heute betrifft mehr als die Hälfte aller Knochenbrüche Menschen über 70 Jahre. Besonders häufig sind Verletzungen der unteren Extremitäten, etwa Becken- oder Schenkelhalsfrakturen. Dabei geht es bei älteren Patienten oft nicht nur um den Bruch selbst, sondern auch um Vorerkrankungen, eingeschränkte Belastbarkeit und die Frage, ob Mobilität und Selbstständigkeit erhalten bleiben.
Eine neue Studie der DGU mit dem RWI und dem Institute for Health Care Business zeigt zugleich strukturelle Risiken in der Krankenhauslandschaft. Rund 41 Prozent der Kreise in Deutschland gelten demnach als strukturell instabil, besonders in ländlichen Regionen und Teilen Ostdeutschlands. Spezialisierte Zentren können die Qualität komplexer Behandlungen verbessern, doch längere Wege können die Versorgung gefährden.
Schon heute ist die Erreichbarkeit von Traumazentren innerhalb von 30 Minuten nicht überall gesichert. Die DGU fordert deshalb eine verlässliche Finanzierung von rund 700 bis 800 Klinikstandorten mit unfallchirurgischer Versorgung. Parallel verschärft sich der Fachkräftemangel: Mehr als die Hälfte Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie ist bereits über 50 Jahre alt. Gleichzeitig entscheiden sich weniger junge Mediziner für die chirurgischen Fächer. Die Studie empfiehlt daher neue Versorgungsmodelle, integrierte Notfallzentren, mehr ambulante Operationsmöglichkeiten und digitale Erstberatungen. Nur wenn die Traumaversorgung neu organisiert werde, könne man sicherstellen, dass ältere und schwer verletzte Menschen weiterhin schnell, qualifiziert und wohnortnah behandelt werden.
🔗 Weiterlesen auf den Seiten der Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
2️⃣ 🎗️🌍 Kinderkrebs: Mehr Überleben – aber Unterschiede zwischen reich und arm
Die Überlebenschancen von Kindern mit Krebs haben sich weltweit deutlich verbessert. Eine neue Analyse in The Lancet zeigt: In vielen Ländern liegen die Fünf-Jahres-Überlebensraten inzwischen nahe am WHO-Ziel von 60 Prozent oder darüber. Ausgewertet wurden Daten von mehr als 600.000 Kindern aus 68 Ländern über einen Zeitraum von 1990 bis 2019. Die Forschenden nutzten dafür einen neuen Cancer Survival Index, der internationale Vergleiche besser ermöglichen soll. Die Entwicklung zeigt echten Fortschritt in der pädiatrischen Onkologie.
Zugleich bleiben die Unterschiede zwischen den Ländern groß. In vielen wohlhabenden Ländern überleben inzwischen mehr als 80 Prozent der betroffenen Kinder fünf Jahre oder länger. In Ländern mit niedrigerem mittlerem Einkommen liegen die Raten dagegen häufig nur bei etwa 50 bis 60 Prozent. Auch zwischen einzelnen Krebsarten unterscheiden sich die Überlebenschancen deutlich. Entscheidend sind frühe Diagnose, Zugang zu spezialisierter Behandlung, Medikamente, supportive Versorgung und verlässliche Krebsregister.
Die Studie macht damit sichtbar, dass medizinischer Fortschritt allein nicht genügt. Er muss auch dort ankommen, wo Ressourcen, Infrastruktur und Versorgungslücken den Behandlungserfolg begrenzen. Die WHO hatte 2018 mit der Global Initiative for Childhood Cancer das Ziel formuliert, die weltweite 5-Jahres-Überlebensrate bei Kinderkrebs bis 2030 auf mindestens 60 Prozent zu steigern.
🔗 Weiterlesen auf den Seiten des Ärzteblatts und in Lancet
📣 Ankündigungen
1️⃣ 🚑🫀 Intensiv- und Notfallmedizin: Versorgung braucht Teamgeist
In der Intensiv- und Notfallmedizin entscheidet selten eine einzelne Maßnahme allein. Entscheidend ist, wie gut Wissen, Erfahrung und Berufsgruppen zusammenspielen. Genau diesen Gedanken stellt die 57. Gemeinsame Jahrestagung von Deutscher Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin und Österreichischer Gesellschaft für Internistische und Allgemeine Intensivmedizin und Notfallmedizin in den Mittelpunkt.
Die Tagung richtet den Blick auf ein Versorgungsfeld, in dem schnelle Entscheidungen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und belastbare Strukturen besonders wichtig sind. Im Fokus stehen aktuelle Leitlinien, Innovationen und klinisch relevante Empfehlungen aus der internistischen Intensiv- und Notfallversorgung. Das Programm beinhaltet zudem Themen, wie Gewalt gegen medizinisches Personal, Terror-, Pandemie- und Vergiftungsszenarien, rechtliche Fragen, Wissenschaftsbetrug und Fake Science.
👉 Zu Kongressseite und Wissenschaftlichem Programm
📅 Wann: 17. bis 19. Juni 2026
📍 Wo: Vienna House by Wyndham Andel‘s Berlin, Landsberger Allee 106, 10369 Berlin
2️⃣ 🩺 Österreichischer Chirurgiekongress: Wo sind die Grenzen? 🔪 🩺
Grenzen sind selten so eindeutig, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Genau diesen Gedanken stellt der Österreichische Chirurgiekongress 2026 ins Zentrum. Unter dem Motto „Wo sind die Grenzen?“ geht es nicht nur um anatomische Linien oder operative Techniken. Im Zentrum steht die Frage, wie sich moderne Chirurgie in Zeiten wachsender Möglichkeiten neu verortet. Denn die Grenze zwischen operabel und inoperabel ist heute oft weniger klar als früher.
Hochbetagte, multimorbide Patienten können heute Eingriffe erhalten, die vor wenigen Jahren kaum denkbar waren. Auch die moderne Onkologie verschiebt chirurgische Entscheidungen, weil fortgeschrittene Erkrankungen zunehmend anders behandelbar werden. Gleichzeitig verändern Robotik und künstliche Intelligenz den chirurgischen Alltag.
👉 Zu Kongressseite und Wissenschaftlichem Programm
📅 Wann: 17.–19. Juni 2026
📍 Wo: Salzburg Congress, Auerspergstraße 6, 5020 Salzburg
🤕 IchalsPatient
1️⃣ 🚌 🦴 Rheuma-Bustour 2026: Aufklärung direkt vor Ort 🚌 💬
Rheuma kann viele Gesichter haben – und wird deshalb oft nicht sofort erkannt. Dabei ist eine frühe und eindeutige Diagnose entscheidend, damit Betroffene rasch behandelt werden können. Mit der Rheuma-Bustour 2026 informieren Fachleute (zunächst nur) in Rheinland-Pfalz über rheumatologische Erkrankungen, Früherkennung und Versorgungsmöglichkeiten.
Die Aktion unterstützt zugleich die bundesweite Kampagne #rhmtlgy, die auf die Verbesserung der rheumatologischen Versorgung in Deutschland aufmerksam macht. Nach Stationen in Mainz, Pirmasens und Wittlich macht der Rheumabus am 21. Mai in Rhens und am 22. Mai in Bad Marienberg Halt – jeweils von 10.00 bis 15.30 Uhr.
Vor Ort stehen Experten für Information und Beratung bereit. Ziel ist es, Beschwerden wie steife Gelenke, Schmerzen an Knochen, Muskeln oder Sehnen ernst zu nehmen – und Betroffene schneller auf den richtigen Weg zu bringen
MINQ's weekly picks Newsletter
Melden Sie sich kostenlos an, um die neuesten Updates in Ihrem Posteingang zu erhalten