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đź—ž 37/2023

Gefährliche Sepsis schneller erkennen · 3D-Druck im OP - Frauenmilchbank-Initiative ·

Karl-Richard Eberle
Karl-Richard Eberle

đź“Ś 5 weekly picks

1 📌 Gefährliche Sepsis bleibt zu oft unerkannt

Sepsis gilt nach Angaben der Sepsis-Stiftung mit schätzungsweise jährlich über 100.000 Todesfällen allein in Deutschland als die häufigste vermeidbare Todesursache. Eine Sepsis ist immer ein Notfall, jede Stunde zählt; trotz ihrer Gefährlichkeit ist sie in breiten Teilen der Bevölkerung immer noch unbekannt und wird oft nicht rechtzeitig oder gar nicht erkannt. Zum jährlichen Welt-Sepsis-Tag am 13. September gibt es daher zahlreiche Aufrufe, die auf die heimtückische Erkrankung aufmerksam machen. Nützlich sind die Sepsis-Checklisten der Sepsis-Stiftung, die sowohl Pflegekräften als auch betroffenen Menschen eine schnelle Einschätzung bei Symptomen ermöglicht.

In dem DigiSep-Projekt wird seit drei Jahren untersucht, ob die Diagnostik einer Sepsis mit digital gestützten Methoden präziser durchgeführt werden kann und zu schnelleren Erkenntnissen führt. An dem Projekt sind zur Zeit 23 Kliniken beteiligt,  mit ersten  Ergebnissen ist erst im nächsten Jahr zu rechnen.

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Stichwort Sepsis: “Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion. Sie entsteht, wenn die körpereigenen Abwehrkräfte nicht mehr in der Lage sind, die Ausbreitung einer lokalen Infektion zu verhindern, und die Erreger in den Blutkreislauf eindringen. Der Körper reagiert mit einer Aktivierung der Abwehrsysteme, insbesondere des Immun- und Gerinnungssystems. Dadurch werden jedoch nicht nur die Erreger, sondern auch die körpereigenen Organe wie Lunge, Herz und Niere geschädigt. Es kommt zum Multiorganversagen und zum septischen Schock. Unbehandelt ist eine Sepsis immer tödlich.”
Quelle: Sepsis-Stiftung

2 📌 Innovation: Schädeldecke aus dem eigenen 3D-Drucker

Künstliche Schädeldecken aus dem 3D-Drucker gibt es schon seit mehreren Jahren. Neu ist nun, dass es dem Universitätsspital Basel nun gelungen ist,  im spitaleigenen 3D-Drucker eine künstliche Schädeldecke herzustellen und einem 46-jährigen Mann direkt zu implantieren. Der Patient hatte 2019 einen Schlaganfall und in Folge einer Operation seine natürliche Schädeldecke verloren.

Das Unispital plant, künftig auch komplexere Implantate beispielsweise für die Gesichtsrekonstruktion oder die Wirbelsäule, mittels 3D-Druck im eigenen Drucker herzustellen.

Zur Originalmeldung des Basler Uni-Spitals

3 đź“Ś Frauenmilchbank-Initiative

In Deutschland gibt es über 200 Perinatalzentren, die Frühgeborene behandeln, aber nur  vierzig Frauenmilchbanken, die an Kliniken angeschlossen sind. Diese sammeln, untersuchen, lagern und verteilten gespendete Milch an Frühgeborene und kranke Neugeborene, die keine oder nicht genügend Milch von der eigenen Mutter erhalten können. Nach Angaben der Frauenmilchbank-Initiative schützt menschliche Milch Frühgeborene vor schwerwiegenden, manchmal sogar tödlich verlaufenden, Darmerkrankungen. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass sich die Ernährung mit menschlicher Milch positiv auf die Hirnentwicklung auswirkt und in ihr enthaltene Abwehrstoffe vor Infektionen und der Frühgeborenenretinopathie, einer Augenerkrankung, schützen.

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“Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), der United Nations Children’s Fund (UNICEF), die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) und die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (AAP) empfehlen die Ernährung mit Spenderinnenmilch aus Frauenmilchbanken als die beste Alternative, wenn die Milch der eigenen Mutter nicht ausreicht.”
Quelle: https://www.frauenmilchbank.de/

Das Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl  hat kürzlich ebenfalls eine Frauenmilchbank eingerichtet. Mütter, die ihre Kinder am Ortenau Klinikum Ebertplatz entbunden haben und mehr Muttermilch produzieren, als sie für ihr eigenes Baby benötigen, können diese spenden. Die Spende erfolgt freiwillig und anonym und kommt insbesondere Frühchen oder kranken Säuglingen zugute.

Zur Ăśberblickskarte Frauenmilchbanken in Deutschland

4 đź“Ś Gute Pflege: Begehrte Dienstleistung am Menschen

Pflege ist eines der zentralen Zukunftsthemen, gute Pfleger:innen umso begehrtere Arbeitskräfte. Alle Aktivitäten, die geeignet sind, diesem wichtigen Berufsstand mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung zukommen zu lassen, sind deshalb sinnvoll und begrüßenswert.

Im Rahmen des Wettbewerbs um „Deutschlands beliebteste Pflegeprofis“ soll genau diese Aufmerksamkeit erzeugt werden.  Alle 2 Jahre können sich ambitionierte Pflegekräfte und –teams zur Wahl stellen. Zuerst auf Landesebene. Dann in einer bundesweiten Abstimmung zur Ermittlung eines Bundessiegers.

Das Team der Kindernotaufnahme im Olgahospital/Klinikum Stuttgart wurde beispielsweise zum Baden-Württemberg-Sieger gekürt. Das Team besteht aus über 60 Pflegekräfte der Notaufnahme in Deutschlands größtem Kinderkrankenhaus und versorgen über 40.000 kleine Patienten im Jahr.

Eine Ăśbersicht ĂĽber die anderen Landessieger und die Teilnehmer am Wettbewerb finden Sie hier.

Die Abstimmung des Bundessiegers läuft vom 1. bis 31. Oktober 2023. Abstimmen kann jeder über die Webseite  www.pflegeprofis.de.

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Unsere Meinung: Jede Teilnahme kann ein kleines Stück Wertschätzung gegenüber den Pflegenden ausdrücken, auch wenn die eigenen Favorit:innen nicht (mehr) zur Wahl stehen. Also: Mitmachen!

Zum Wettbewerb

Zur Abstimmung

5 📌 UK Dresden: Schnelle Hilfe für suizidgefährdete Menschen

An der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hat in diesem Jahr eine spezialisierte Ambulanz für suizidgefährdete Menschen ihre Arbeit aufgenommen. Eine Arbeitsgemeinschaft Suizidforschung setzt sich darüber hinaus dafür ein, die Öffentlichkeit für das Thema Suizid zu sensibilisieren. „Diese Aktivität und der Schritt in die Öffentlichkeit sind extrem wichtig, denn die Suizidzahlen der vergangenen Jahre weisen eine steigende Tendenz auf“, sagt PD Dr. med. Ute Lewitzka, Leiterin der AG Suizidforschung.

Um eine bessere Datengrundlage zu schaffen, ruft das Werner-Felber-Institut alle Psychiatrischen und Psychosomatischen Kliniken im deutschsprachigen Raum dazu auf, eine zentrale Erhebung von Kliniksuiziden und -Suizidversuchen durch Eingabe ihrer Daten zu unterstĂĽtzen.

Zur Originalmeldung des UK Dresden

Zum Werner-Felber-Institut

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