đ 3/2026
Wie stark wirkt ErnĂ€hrung (wirklich) aufs Herz? · Wie das Gehirn Erinnerungen trennt und verbindet · PflegekrĂ€fte-Abwanderung erhöht Sterblichkeit · Adipositas: Leopoldina fordert Umdenken · Psychotherapie per App zeigt Wirkung · Stimmliche PrĂ€zision - Wenn Nachtigallen âzurĂŒckredenâ
đ 5 weekly picks
1 đ đ§â Weniger gesĂ€ttigte Fette â wie viel bringt das wirklich fĂŒrs Herz?đ„â€ïž
Butter und Wurst reduzieren â macht das fĂŒrs Herz einen Unterschied? Eine neue Metaanalyse zeigt: Ja, aber der Effekt ist kleiner als viele hoffen. Eine ErnĂ€hrung mit weniger gesĂ€ttigten FettsĂ€uren senkt das Cholesterin messbar, wenn auch deutlich schwĂ€cher als moderne Medikamente. Im Durchschnitt sank das Gesamtcholesterin um 13 mg/dl, das LDLâCholesterin um knapp 6 mg/dl.
Ersetzt man gesĂ€ttigte durch ungesĂ€ttigte FettsĂ€uren, etwa aus NĂŒssen, Pflanzenölen oder Fisch, fĂ€llt der RĂŒckgang mit 17 mg/dl etwas stĂ€rker aus. FĂŒr die Gesamtbevölkerung zeigte sich in den Studien jedoch kein klarer Schutz vor Herzinfarkt oder Schlaganfall â vermutlich auch, weil die Beobachtungszeit von fĂŒnf Jahren relativ kurz war. Anders sieht es bei Menschen mit hohem Ausgangsrisiko aus: In dieser Gruppe könnten durch eine fettbewusstere ErnĂ€hrung innerhalb von fĂŒnf Jahren pro 1.000 Personen bis zu 6 TodesfĂ€lle, 12 nichtâtödliche Herzinfarkte und 8 SchlaganfĂ€lle verhindert werden.
Besonders wirksam war der gezielte Austausch: Werden gesĂ€ttigte Fette durch mehrfach ungesĂ€ttigte ersetzt, sinkt das Risiko fĂŒr nichtâtödliche Herzinfarkte um rund 25 %. FĂŒr Hochrisikopatient:innen könnte das bis zu 21 zusĂ€tzliche verhinderte Herzinfarkte pro 1.000 Personen bedeuten.
Die Botschaft der Forschenden: ErnĂ€hrung allein ersetzt keine Therapie â kann aber ein sinnvoller Baustein im Gesamtpaket zur HerzâKreislaufâPrĂ€vention sein.

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Jeremy P. Steen, Kevin C. Klatt, Yaping Chang, et al. Effect of Interventions Aimed at Reducing or Modifying Saturated Fat Intake on Cholesterol, Mortality, and Major Cardiovascular Events: A Risk Stratified Systematic Review of Randomized Trials. Ann Intern Med. DOI:10.7326/ANNALS-25-02229
2 đ âïžAdipositas nimmt weiter zu â Leopoldina fordert Umdenken đđœïžđ
Trotz unzĂ€hliger Kampagnen, Ratgeber und Gesundheitsprogramme steigt die Zahl der Stoffwechselerkrankungen weltweit weiter an. HerzâKreislaufâErkrankungen gehören laut WHO nach wie vor zu den hĂ€ufigsten Todesursachen â ein deutliches Zeichen dafĂŒr, dass bisherige PrĂ€ventionsstrategien nicht ausreichen.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina nimmt diese Entwicklung zum Anlass, AdipositasâPrĂ€vention grundlegend neu zu bewerten. Eine Arbeitsgruppe erarbeitet derzeit Empfehlungen, die ĂŒber klassische AnsĂ€tze hinausgehen und sowohl gesellschaftliche als auch medizinische Faktoren stĂ€rker berĂŒcksichtigen. Im Fokus steht die Frage, welche MaĂnahmen tatsĂ€chlich wirksam sind â und wie Politik, Gesundheitswesen und Forschung gemeinsam handeln können. Denn Adipositas ist lĂ€ngst nicht nur ein individuelles Problem, sondern beeinflusst Arbeitswelt, Bildung, soziale Teilhabe und die langfristige StabilitĂ€t des Gesundheitssystems.
Die Expertinnen und Experten wollen daher Strategien identifizieren, die PrÀvention und moderne TherapieansÀtze verbinden. Dazu gehören neue Erkenntnisse aus der Stoffwechselforschung, innovative Behandlungsoptionen und politische Rahmenbedingungen, die gesundheitsfördernde Entscheidungen erleichtern.
Unter den Mitgliedern der Arbeitsgruppe sind auch einige MINQ-Spezialisten, wie Prof. Dr. med. Matthias BlĂŒher vom UK Leipzig, Prof. Dr. Oliver Mann vom UKE in Hamburg oder Prof. Dr. Michael Roden vom UKD DĂŒsseldorf.
đ Zur Meldung der Leopoldina-Akademie
3 đ đ§ âš Wie das Gehirn Erinnerungen sortiert â und im richtigen Moment verbindet đ§©âš
Warum erinnern wir uns an Erlebnisse klar getrennt â und können sie trotzdem mĂŒhelos miteinander verknĂŒpfen? Eine neue Studie im Fachjournal Nature liefert eine grundlegende Antwort. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der UniversitĂ€t Bonn zeigt erstmals direkt am Menschen, dass das Gehirn Inhalte und Kontexte in zwei getrennten Gruppen von Nervenzellen speichert. Mitbeteiligt: Johannes Niedieck vom BIFOLD der TU Berlin.
Die Analyse von mehr als 3.000 Neuronen bei Epilepsiepatient:innen offenbart ein prĂ€zises Zusammenspiel: InhaltsâNeurone reagieren auf das âWasâ, KontextâNeurone auf das âIn welchem Zusammenhangâ. Erst wenn beide Gruppen sich dynamisch koppeln, entsteht eine stabile Erinnerung â oder wird zuverlĂ€ssig abgerufen. Im Alltag verhindert dieses System, dass wir Erlebnisse durcheinanderbringen, und ermöglicht gleichzeitig schnelle VerknĂŒpfungen. Ein einzelner Hinweis kann den gesamten Kontext reaktivieren â ein Prozess, den Forschende als âMustervervollstĂ€ndigungâ bezeichnen.
Niedieck trug mit seiner Expertise an der Schnittstelle von Neurowissenschaften und datengetriebener Analyse wesentlich zur Auswertung der komplexen neuronalen Signale bei. Die Ergebnisse erklĂ€ren, warum das episodische GedĂ€chtnis so flexibel ist: Inhalte lassen sich in immer neuen Situationen nutzen, ohne dass das Gehirn jede Kombination einzeln speichern muss. KĂŒnftige Studien sollen klĂ€ren, ob auch Orte, Stimmungen oder andere Alltagskontexte nach denselben Prinzipien verarbeitet werden â und was passiert, wenn diese neuronale Abstimmung gestört ist.
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Bausch, M., Niediek, J., Reber, T.P. et al. Distinct neuronal populations in the human brain combine content and context. Nature (2026).
DOI: https://doi.org/10.1038/s41586-025-09910-2
4 đ đ„âĄïžđšđ Neue Studie alarmiert: Abwanderung von PflegekrĂ€ften erhöht Sterblichkeitđ©ââïžđ
Wenn PflegekrĂ€fte in SĂŒdbaden zur Arbeit ĂŒber die Grenze wechseln, lohnt sich das finanziell â doch fĂŒr deutsche Kliniken hat es dramatische Konsequenzen. Eine neue Studie des ZEW â Leibniz-Zentrum fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung in Mannheim und des IfoâInstituts zeigt: In KrankenhĂ€usern nahe der Schweizer Grenze ist die Sterblichkeit um 4,4 Prozent gestiegen, seitdem viele FachkrĂ€fte ab 2011 in die Schweiz abgewandert sind.
Auslöser war das Jahr 2011: Der starke Schweizer Franken, hohe Nachfrage in Schweizer Kliniken und stagnierende Löhne in Deutschland machten den Jobwechsel fĂŒr examinierte PflegekrĂ€fte attraktiv. In der Folge verloren deutsche GrenzkrankenhĂ€user rund zwölf Prozent ihres Pflegepersonals â mit spĂŒrbaren Auswirkungen auf die Versorgung. Die Betreuungsquote sank, notwendige Operationen wurden seltener durchgefĂŒhrt. Besonders Ă€ltere Menschen und Notfallpatient:innen waren betroffen: Bei Sepsis stieg die Sterblichkeit um 11,6 Prozent, bei Herzinfarkt sogar um 17,7 Prozent. Die Kliniken reagierten mit Priorisierung nach medizinischer Dringlichkeit, reduzierten aber gleichzeitig nichtâakute Eingriffe. Dennoch verschlechterte sich die Versorgungssituation insgesamt â und die regionale Lebenserwartung sank um rund 0,3 statistische Lebensjahre.
Die Analyse basiert auf umfangreichen Daten aus Deutschland und der Schweiz ĂŒber einen Zeitraum von zwölf Jahren. Die Forschenden betonen, dass weiterer Forschungsbedarf besteht â etwa zu den Auswirkungen auf jĂŒngere Patientinnen und auf das ĂŒberlastete verbleibende Personal. Ihr Fazit: Der PflegekrĂ€ftemangel ist nicht nur ein Personalproblem â er kostet messbar Lebenszeit.
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5 đ đ±Therapie per App: Digitale KVT zeigt ĂŒberraschend starke Wirkungđ§ đŹđ
Kann eine Therapie auf dem Smartphone mit klassischer Behandlung mithalten? Eine neue Studie legt nahe: Sie kann â und zwar deutlich besser als gedacht. In einer randomisierten Untersuchung schnitt die Appâbasierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bei Angststörungen klar besser ab als reine Psychoedukation. Die KVT gehört zu den wirksamsten Behandlungen bei Angststörungen, doch TherapieplĂ€tze sind knapp. Digitale Programme könnten diese LĂŒcke schlieĂen und FachkrĂ€fte entlasten. In den USA ist die App DaylightRx bereits zugelassen. Sie begleitet Betroffene 90 Tage lang durch interaktive Lektionen und Ăbungen wie kognitive Umstrukturierung, Entspannung, Reizkontrolle oder Achtsamkeit.
Die GATEâStudie mit 351 Teilnehmenden zeigt deutliche Effekte: Zu Beginn lagen die Angstwerte (GADâ7) in beiden Gruppen im schweren Bereich. Nach zehn Wochen sank der Wert in der AppâGruppe auf 7,99 â in der Kontrollgruppe nur auf 11,68. Auch nach 24 Wochen blieb der Vorsprung stabil. Besonders eindrucksvoll: 71 % der AppâNutzenden erreichten nach zehn Wochen eine Remission, gegenĂŒber 35 % in der Kontrollgruppe. Nach 24 Wochen lagen die Werte bei 78 % versus 52 %.
Die Ergebnisse bestĂ€tigen frĂŒhere Studien und zeigen, dass digitale KVTâProgramme ein wirksamer Baustein in der Versorgung sein könnten.
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Parsons EM, Ball T, Carl J, et al. Digital Cognitive Behavioral Treatment for Generalized Anxiety Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2025;8(12):e2548884. DOI:10.1001/jamanetworkopen.2025.48884
PLUS âŠ
đŹ Ăber unseren Tellerrand
1ïžâŁ Wie gut kennen wir unser Chatverhalten wirklich?đ±đŹ
Viele Menschen unterschĂ€tzen, wie schnell sie antworten â oder ĂŒberschĂ€tzen, wie aktiv sie in Chats sind. Eine neue Studie der UniversitĂ€t Bielefeld zeigt nun, wie groĂ diese Diskrepanz zwischen GefĂŒhl und RealitĂ€t sein kann. Erstmals nutzten die Forschenden anonymisierte WhatsAppâMetadaten, um SelbsteinschĂ€tzungen mit echten Nutzungsdaten zu vergleichen.
Um belastbare Einblicke in das tatsÀchliche Kommunikationsverhalten zu erhalten, entwickelten die Forscherinnen eine eigene Plattform zur Datenspende. Sie anonymisiert WhatsApp-Metadaten, also keine Chat-Inhalte, sondern Informationen wie Antwortzeiten oder NachrichtenlÀngen und bereitet sie in individuellen Visualisierungen auf. Die Teilnehmenden konnten so erstmals sehen, wie ihr eigenes Verhalten im Vergleich zu ihrer EinschÀtzung aussieht.
Die Studie zeigt, dass SelbsteinschĂ€tzungen zum eigenen Chatverhalten oft unzuverlĂ€ssig sind und durch datenbasierte Visualisierungen deutlich korrigiert werden können. Viele Teilnehmende bewerteten ihre Antwortgeschwindigkeit und ihren GesprĂ€chsanteil nach dem Feedback realistischer. Solche FehleinschĂ€tzungen können Beziehungen belasten, lassen sich aber durch prĂ€zises Feedback gut auflösen â ohne negative Auswirkungen auf die Stimmung. Die Ergebnisse bieten einen seltenen, datenbasierten Einblick in digitale Kommunikationsmuster und zeigen, wie Visualisierungen zu bewussterem Verhalten beitragen. Wer möchte, kann weiterhin an Studien teilnehmen und eigenes WhatsAppâ oder FacebookâFeedback erhalten. Die Ăbersicht der laufenden Studien mit der Datenspendeplattform Dona gibt es hier.
đ Mehr Informationen auf den Seiten der Uni Bielefeld
Olya Hakobyan, Hanna Drimalla: Know thyself through data: Improving WhatsApp interaction awareness with data-driven visualizations. Computers in Human Behavior. DOI: 10.1016/j.chb.2025.108867
2ïžâŁ Wenn Nachtigallen âzurĂŒckredenâ: Neue Einblicke in ihre stimmliche PrĂ€zision đ¶đŠ
Nachtigallen tun nachts, was Menschen im GesprĂ€ch ganz automatisch machen: Sie passen ihre Stimme blitzschnell an ihr GegenĂŒber an. Eine neue Studie des MaxâPlanckâInstituts fĂŒr biologische Intelligenz und des Institute of Science and Technology Austria zeigt, dass die Vögel in nĂ€chtlichen Gesangsduellen Tonhöhe und Timing ihrer Rivalen in Echtzeit spiegeln.
Das Nachahmen von Lauten ist im Tierreich selten und erfordert blitzschnelle Verarbeitung. Delfine und Papageien beherrschen es â und auch Nachtigallen nutzen diese FĂ€higkeit, um RevieransprĂŒche und StĂ€rke zu signalisieren. Besonders anspruchsvoll: Sie mĂŒssen Tonhöhe und SilbenlĂ€nge flexibel kombinieren, obwohl ihr Repertoire riesig ist. Die Forschenden konnten nun belegen, dass Nachtigallen nicht nur die Tonhöhe prĂ€zise anpassen, sondern auch die SilbenlĂ€nge variieren. Je nach Kombination des gehörten Gesangs entscheiden sie, ob sie eher die Dauer oder die Tonhöhe angleichen.
Experimente mit kĂŒnstlich erzeugten, untypischen Silben zeigten, wie flexibel die Tiere reagieren: Selbst ungewöhnliche TonâDauerâKombinationen wurden stimmlich âbeantwortetâ. Computermodelle verdeutlichen, dass das Timing die Anpassung der Tonhöhe beeinflusst â ein Hinweis auf hochkomplexe neuronale Koordination. âDer Gesang der Nachtigallen gibt Aufschluss darĂŒber, wie das Gehirn komplexe LautĂ€uĂerungen spontan koordiniertâ, sagt Giacomo Costalunga, Erstautor und Doktorand am Max-Planck-Institut fĂŒr biologische Intelligenz. âDer GroĂteil dessen, was wir ĂŒber die neuronalen Schaltkreise fĂŒr die Stimmbildung wissen, stammt von Arten, die relativ feste, stereotype Lieder singen. Nachtigallen hingegen justieren ihren Gesang flexibel und in Echtzeit, um sich dem unglaublich groĂen Spektrum an GesĂ€ngen ihrer Konkurrenz anzupassen zu können. Zu verstehen, wie ihre neuronalen Schaltkreise diese schnelle Koordination ermöglichen, erlaubt uns auch besser zu verstehen, wie Tiere erlernte LautĂ€uĂerungen in sozialen Interaktionen modifizieren, welchen grundlegenden EinschrĂ€nkungen diese FĂ€higkeiten unterliegen und was wirklich nötig ist, damit Menschen sinnvolle GesprĂ€che miteinander fĂŒhren können.â

đ Weiterlesen auf den Seiten des Max-Planck-Instituts fĂŒr biologische Intelligenz
Interplay between syllable duration and pitch during whistle matching in wild nightingales Juan SebastiĂĄn CalderĂłn-GarcĂa1,Giacomo Costalunga,Tim P. Vogels, Daniela Vallentin
DOI: 10.1016/j.cub.2025.12.025
đŹ In unserer Mailbox
1ïžâŁ đ©ș Typâ2âDiabetes: Ein vermeidbares Milliardenproblem đ§Șđ°đž
Typâ2âDiabetes entwickelt sich weltweit zu einem der teuersten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Eine neue Analyse in Nature Medicine zeigt, dass die Erkrankung bereits heute rund 0,2âŻ% des globalen BIP kostet â inklusive informeller Pflege sogar 1,7âŻ%. FĂŒr die Jahre 2020 bis 2050 rechnen Forschende mit bis zu 78,8âŻBillionen USâDollar an wirtschaftlichen SchĂ€den. Rund 90âŻ% der Typâ2âDiabetesfĂ€lle wĂ€ren durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar, doch die Folgen reichen von teuren SpĂ€tkomplikationen bis zu massiven ArbeitsausfĂ€llen. Besonders stark belastet sind Tschechien, die USA und Deutschland, wĂ€hrend die höchsten ProâKopfâKosten in der Schweiz anfallen.
Die Pandemie hat die Belastung zusĂ€tzlich erhöht, da Menschen mit Diabetes ein höheres Risiko fĂŒr schwere COVIDâ19âVerlĂ€ufe hatten. Im internationalen Vergleich zeigt sich: Die ökonomischen Auswirkungen des Diabetes liegen in einer GröĂenordnung mit Krebs und Demenzen â und bleiben dennoch weitgehend vermeidbar.
đ Zur Meldung im Ărzteblatt
2ïžâŁ đ§ đ Neuer AlzheimerâWirkstoff: Erste Patientin in TĂŒbingen behandelt đ
Am UniversitĂ€tsklinikum TĂŒbingen hat erstmals eine Patientin den neuen AlzheimerâAntikörper erhalten, der die Erkrankung im frĂŒhen Stadium verlangsamen soll. Seit 2025 sind in der EU zwei Wirkstoffe zugelassen, die AmyloidâPlaques abbauen â jene Ablagerungen, die als zentraler Treiber des Nervenzellschadens gelten. FĂŒr die 59âjĂ€hrige Lehrerin, die zunehmend Worte und Zahlen verlor, ist die Therapie ein wichtiger Hoffnungsschritt.
Der Weg zur ersten Infusion war komplex: MRTâTermine, Gentest, Logistik â nun erhĂ€lt sie alle zwei Wochen eine Behandlung unter enger Kontrolle. Obwohl das IQWiG dem Wirkstoff bislang keinen Zusatznutzen zuspricht, halten die TĂŒbinger Ărzte diese EinschĂ€tzung fĂŒr verfrĂŒht. Die Therapie sei aufwendig und teuer, aber an einem universitĂ€ren Zentrum verantwortbar. âWir haben bisher wenige Langzeitdatenâ, sagt Prof. Dr. Benjamin Bender aus der Abteilung fĂŒr Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie. Klar sei, es ist eine hochaufwendige, teure Therapie, die kaum flĂ€chendeckend angeboten werden könne. âFĂŒr niedergelassene Ărzte und Ărztinnen ist das kaum leistbar. Aber bei uns als universitĂ€res Zentrum ist es richtig lokalisiert. Es ist unsere Aufgabe auch solche Therapien durchzufĂŒhren, so lange es gehtâ, ergĂ€nzt Dr. Holger Hengel, wie Dr. Benjamin Röben Oberarzt mit einem Schwerpunkt fĂŒr neurodegenerative Erkrankungen.
In Deutschland leben rund 1,8âŻMillionen Menschen mit Demenz, viele potenziell geeignet fĂŒr eine frĂŒhe Therapie â doch die Diagnose kommt hĂ€ufig zu spĂ€t. Die TĂŒbinger Mediziner wollen dennoch weitere Betroffene behandeln. Ihr Ansatz: so frĂŒh wie möglich eingreifen, solange die Chance besteht, den Verlauf spĂŒrbar zu bremsen.
đ Zur Pressemeldung des UK TĂŒbingen
đŁ AnkĂŒndigungen
1ïžâŁ 40. JubilĂ€umstagung: NeuroâMedizin zwischen Wandel und Aufbruch đđ„đ©ââïžđ§ đšââïž
Die Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin (ANIM) feiert ihr 40. JubilĂ€um â und Dortmund bietet mit seiner beeindruckenden Transformation vom Industriestandort zur HightechâRegion den passenden Rahmen. Die Tagung widmet sich aktuellen Herausforderungen wie Krankenhausreform, geopolitischen VerĂ€nderungen und den Chancen der KĂŒnstlichen Intelligenz in der Medizin.
Drei Schwerpunkte prĂ€gen das Programm: Gender Equality, Nachwuchs und Ausbildung sowie KI in der (Neuro-)Medizin. Die Vielzahl hochwertiger SymposienvorschlĂ€ge verspricht eine exzellente wissenschaftliche QualitĂ€t. Gemeinsam mit der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft bietet die ANIM erneut den Kompaktkurs NeuroâIntensivmedizin, ENLSâFortbildung, Pflegesymposien und Postersessions. Auch die Zusammenarbeit mit der (Neuro-)Rehabilitation wurde weiter ausgebaut.
đ Weitere Infos zur Veranstaltung
đ Zum Wissenschaftlichen Programm
đ Wann: 5. bis 7. Februar 2026
đ Wo: Kongresszentrum Dortmund, Rheinlanddamm 200, 44139 Dortmund
2ïžâŁ đ Drei Tage Radiologie pur: Symposium & Kurse 2025 đĄđ
Ende Januar findet wieder das MĂŒncher Radiologie-Symposium statt. Inhaltlich reicht das Spektrum von kardiovaskulĂ€rer und onkologischer Bildgebung ĂŒber Lunge, Gehirn und Spinalkanal bis zu Womenâs Imaging und der muskuloskelettalen Radiologie, die in diesem Jahr mit zwei Sessions vertreten ist. Das erweiterte MTRâProgramm umfasst eine eigene Schwerpunktsession sowie einen neuen Kurs fĂŒr MTRâPraxisanleiter.
In diesem Jahr stehen besonders praxisnahe, fallbasierte Themen der Radiologie im Fokus. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Networking. Alle Teilnehmenden sind herzlich zum ersten MĂŒnchner RadiologieâStammtisch am Donnerstagabend eingeladen â eine Gelegenheit, sich in entspannter AtmosphĂ€re mit Referierenden, Kolleg:innen sowie Industriepartnern auszutauschen.
đ Zur Veranstaltungs-Homepage
đ Wann: 29. bis 31. Januar 2026
đ Wo: Alte Kongresshalle, Am Bavariapark 14, 80339 MĂŒnchen
đ€ IchalsPatient
1ïžâŁ đââïž Bewegung halbiert das Risiko: Neue Daten zu Demenz und Schlaganfall đ§ đââïž
Alzheimer und Schlaganfall gehören zu den gefĂŒrchtetsten neurologischen Erkrankungen â doch ein aktiver Lebensstil kann das persönliche Risiko deutlich senken. Eine neue Studie aus BMC Public Health zeigt: Bewegung, ausreichend Schlaf und weniger Sitzen schĂŒtzen sogar Menschen mit genetischer Vorbelastung.
Der Bedarf an PrĂ€vention ist groĂ. In Deutschland leben derzeit rund 1,8âŻMillionen Menschen mit Demenz, bis 2050 könnten es 2,7âŻMillionen sein. Auch die Zahl der Schlaganfallbetroffenen wird laut SAFEâPrognosen weiter steigen.
Die britische Kohortenstudie mit fast 475.000 Teilnehmenden belegt eindrucksvoll, wie stark Lebensstilfaktoren wirken: Wer drei der vier Kriterien â Bewegung, guter Schlaf, wenig Sitzen, hohe Muskelkraft â erfĂŒllt, senkt sein Schlaganfallrisiko um 29âŻ% und sein Demenzrisiko um 36âŻ%. Bei allen vier Kriterien steigt der Schutz auf 35âŻ% bzw. 57âŻ%. Besonders bemerkenswert: Die Effekte traten unabhĂ€ngig von der APOEâΔ4âGenvariante auf, die als wichtiger Risikofaktor fĂŒr Demenz gilt.
Eine weitere Studie in Nature Medicine bestĂ€tigt den Trend: Bereits 5.000 bis 7.500 Schritte tĂ€glich können den kognitiven Abbau um bis zu 51âŻ% verlangsamen.
đ Zur Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Neurologie
Chen LH, Chen CL, Hong Y, Yin X, Liu Z, Lu Y, Chen Z, Tan Y, Li FR, Li Y, Chen GC, Liu T, Tian H. Physical activity, muscle strength, sedentary behavior, sleep, and genetic risk of stroke and dementia: findings from a large cohort study. BMC Public Health. 2025 Dec 24;25(1):4305. DOI: 10.1186/s12889-025-25305-4. PMID: 41444571; PMCID: PMC12729355
đ§ Hörtipp: âWas hilft, was schadet den Gelenken?âđ€âĄïžđŠŽ
Wer wissen möchte, wie man Gelenkschmerzen wirksam vorbeugt oder lindert, kann in die aktuelle Folge des Bayernâ2âGesundheitsgesprĂ€chs reinhören. In der 44âminĂŒtigen Sendung erklĂ€rt Dr. Wajima Safi vom UK Brandenburg, warum Knie, Schultern oder HĂ€nde in so vielen Alltagssituationen schmerzen â und was man selbst tun kann, damit Beschwerden nicht chronisch werden. Ob morgendliche Anlaufschmerzen, Probleme nach dem Sport oder Verspannungen am Schreibtisch: Die Expertin ordnet ein, welche MaĂnahmen den Gelenken guttun und welche eher schaden
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