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🗞 27/2024

"GrĂŒne" MittelmeerdiĂ€t fĂŒhrt zu epigenetischen VerĂ€nderungen · Geschlechtsinkonkruenz nimmt zu · Selbsthilfe bei Ameisen · Training mit schweren Gewichten erzielt bessere Effekte · MINQs Choice: Prof. Dr. Thomas Wiegel · Dr. med. Olaf Brudler · Dr. med. Frerk Meyer

Mirjam Bauer Karl-Richard Eberle

📌 5 weekly picks

1 📌 "GrĂŒne" MittelmeerdiĂ€t fĂŒhrt nachweislich zu epigenetischen VerĂ€nderungen

Die gĂŒnstigen Auswirkungen der sogenannten Mittelmeerkost auf das Herz-Kreislauf-Risiko sind seit langem bekannt. Eine neue Variante, die sogenannte "GrĂŒne MittelmeerdiĂ€t" MED, die um grĂŒnen Tee, Matcha und Mankai (eine asiatische Wasserlinsenart) erweitert wird, erzielt noch bessere Effekte. Die positiven Effekte werden auf die FĂŒlle an pflanzlichen Polyphenolen zurĂŒckgefĂŒhrt, die in dieser DiĂ€tvariante enthalten sind.

Forscher:innen unter der Leitung von Dr. Maria Keller, am Helmholtz-Institut fĂŒr Metabolismus-, Adipositas- und GefĂ€ĂŸforschung (HI-MAG) von Helmholtz Munich, und Prof. Iris Shai (Ben-Gurion-UniversitĂ€t) untersuchten nun die durch die GrĂŒne MittelmeerdiĂ€t resultierenden epigenetischen VerĂ€nderungen an.

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In der epigenetischen Forschung werden VerÀnderungen in der GenaktivitÀt und Genexpression untersucht, die durch externe Faktoren wie ErnÀhrung, Stress und Umweltbelastungen entstehen und die Muster der Genexpression verÀndern können, wobei die zugrundeliegende DNA-Sequenz unverÀndert bleibt. Epigenetische Modifikationen wie DNA-Methylierung und Histonmodifikationen können die Genfunktion beeinflussen und langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung einer Person haben. Ein besseres VerstÀndnis von Epigenetik hat Auswirkungen auf diverse Bereiche wie Medizin, Genetik und Umweltwissenschaften, da so Einblicke in das komplexe Zusammenspiel zwischen Genen und der Umwelt gewonnen werden können.

Das Team konnte bereits in frĂŒheren Studien zeigen, dass die grĂŒne MED verschiedene gesundheitsfördernde Effekte hat, die von der Umgestaltung des Mikrobioms ĂŒber das Aufhalten von Hirnatrophie, der RĂŒckbildung einer Fettleber und einer viszeralen Adipositas bis zu einer reduzierten Steifigkeit der Aorta reichen. In der neuen Studie wurde nun erfolgreich nachgewiesen, dass epigenetische SchlĂŒsselfaktoren wie FolsĂ€ure die FĂ€higkeit der polyphenolreichen grĂŒnen MED zur Regulation des individuellen Epigenoms vermitteln. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit den Stoffwechselverbesserungen, die sich beispielsweise im Gewichtsverlust und einer Reduktion des tiefen subkutanen Fettgewebes zeigen.

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Die Wasserlinse, auch EntengrĂŒtze genannt, hat in SĂŒdostasien eine mehrhundertjĂ€hrige Geschichte. Die Pflanze enthĂ€lt sehr viel Proteine und Polyphenole wie PhenolsĂ€ure und Flavonoide, aber auch Eisen Zink und Vitamine. In Asien wird die Wasserlinse neben Smoothies auch in Form von Suppen, GemĂŒsebeilage oder Omelette verzehrt.

Quellen: Diabetiker-nds.de
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Polyphenole kommen ĂŒberwiegend im Ă€ußeren Bereich von GemĂŒse, Obst und Getreide vor. Besonders viel Phenole enthalten Kakao, NĂŒsse, Beeren, Kaffee, schwarzer und grĂŒner Tee. Neben Beeren enthalten vor allem Pflaumen, SĂŒĂŸkirschen, rote Zwiebeln, ChicorĂ©e, Artischocken und die GewĂŒrze Nelken, Pfefferminze und Sternanis viel dieser gesunden Stoffe.

Quellen: Diabetiker-nds.de

Zur Originalmeldung des Hemholtz Munich

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Originalpublikation

Hoffmann et al. (2023): A polyphenol-rich green Mediterranean diet enhances epigenetic regulatory potential: the DIRECT PLUS randomized controlled trial. Metabolism.

DOI:10.1016/j.metabol.2023.155594

2 📌 Geschlechtsinkonkruenz nimmt zu

Immer hĂ€ufiger wird bei meist jĂŒngeren Menschen die Diagnose “GeschlechtsidentitĂ€tsstörung” oder “Geschlechtsinkongruenz” gestellt. Nach einer aktuellen Studie der Studie der Klinik fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des UniversitĂ€tsklinikums Ulm (UKU) hat diese Diagnosestellung innerhalb von 10 Jahren um das Achtfache zugenommen. Besonders stark vertreten sind 15- bis 19-jĂ€hrige, weibliche Jugendliche und junge Erwachsene.

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Der Wunsch nach Auflösung des Leidensdrucks durch die Geschlechtsinkongruenz fĂŒhrt bei betroffenen jungen Menschen nicht selten zur Inanspruchnahme geschlechtsangleichender medizinischer Behandlungen, wie beispielsweise hormonelle und chirurgische Eingriffe. Die Behandlung und AufklĂ€rung dieser Personengruppe ist komplex und erfordert die Einbindung verschiedener Fachdisziplinen. An die Versorgung von minderjĂ€hrigen Betroffenen besteht zudem ein besonders hoher QualitĂ€tsanspruch, jedoch stehen hierfĂŒr bundesweit nur wenige Spezialzentren und Schwerpunktpraxen zur VerfĂŒgung. Die dadurch entstehenden langen Wartezeiten können den Leidensdruck der jungen Menschen zusĂ€tzlich erhöhen.

Nun soll eine Online-Plattform betroffenen Kindern und Jugendlichen eine umfassende AufklĂ€rung und individuelle Hilfe fĂŒr das Selbstmanagement im Alltag ermöglichen. Im Juni 2024 wurde dafĂŒr das Projekt „EMPOWER-TRANS*” gestartet. Bis erste jugendliche User allerdings auf die Plattform zugreifen können, wird es noch dauern; sie werden sich voraussichtlich noch bis zum Jahr 2026 gedulden mĂŒssen, um an den digitalen Schulungsterminen teilnehmen zu können.

Angesiedelt ist das Projekt bei der Sektion PĂ€diatrische Endokrinologie und Diabetologie der Klinik fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin am UniversitĂ€tsklinikum Ulm. Das bundesweite Projekt wird vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit einer Summe von 4,9 Mio. Euro finanziert.

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Zur Originalstudie

Bachmann CJ, Golub Y, Holstiege J, Hoffmann F.; Störungen der GeschlechtsidentitĂ€t bei jungen Menschen in Deutschland: HĂ€ufigkeit und Trends 2013–2022. Eine Analyse bundesweiter Routinedaten.
Deutsches Ärzteblatt 2024; 121:370–371.

DOI: 10.3238/arztebl.m2024.0098

Zur Originalmeldung der Uniklinik Ulm

3 📌 Selbsthilfe im Tierreich: Ameisen „amputieren“ verletzte Beine

Manche SĂ€ugetiere, z.B. Affen oder andere höhere Lebewesen, versorgen ihre Wunden mit Pflanzen oder fressen bestimmte Heilpflanzen bei Krankheiten. Auch Kleintiere wie Raupen, Bienen und Ameisen haben “therapeutische Kenntnisse”. Afrikanische Matabele-Ameisen behandeln beispielsweise verletzte Artgenossen mit einem körpereigenen antimikrobiellen Sekret, um Wundinfektionen zu verhindern, wie eine Studie aus dem vergangenen Jahr herausfand. Das Team um Dr. Erik Frank vom WĂŒrzburger Biozentrum und Dr. Laurent Keller aus Lausanne hat nun untersucht, ob auch andere Ameisenarten Verletzungen behandeln. FĂŒndig geworden sind sie bei der Rossameise: Camponotus floridanus. Laut Studie in „Current Biology“, werden Beinverletzungen bzw. deren Wunden entweder versorgt oder – wenn es nicht anders geht – das Bein durch Artgenossen „amputiert“ – d. h., mit Hilfe der Kiefer abgenagt. Befinden sich die Wunden am Unterschenkel, wird niemals amputiert. Stattdessen treiben die Ameisen in solchen FĂ€llen einen höheren Aufwand bei der Pflege der Verwundeten: Sie lecken die Wunden intensiv aus. Vermutlich sĂ€ubern sie sie damit auf mechanischem Weg von Bakterien. Auch diese Therapie ist mit einer Überlebensrate von rund 75 Prozent relativ erfolgreich.

Amputationen retten Leben – auch bei Ameisen
Im Notfall beißen Ameisen verletzte Gliedmaßen von Artgenossinnen ab, um deren Überleben zu sichern. Ob sie diesen radikalen Schritt gehen, hĂ€ngt davon ab, wo sich die Wunde befindet.

Auf der Website gibt es ein Video mit "operierenden" Ameisen

„Unsere Studie belegt erstmals, dass auch Tiere im Zuge der Wundbehandlung prophylaktische Amputationen einsetzen. Und sie zeigt, dass die Ameisen die Behandlung an der Art der Verletzung ausrichten“, so Laurent Keller. Beide Behandlungen erhöhten die Überlebenschancen der Ameisen laut den Forschenden deutlich. Nach einer Amputation ĂŒberlebten bis zu 95 Prozent der betroffenen Insekten, nach der Reinigung der Schienbeinwunde waren es etwa 75 Prozent. Unbehandelt hĂ€tten im ersten Fall weniger als 40 Prozent, im zweiten nur 15 Prozent der Tiere ĂŒberlebt.

Originalmeldung der Uni WĂŒrzburg

4 📌  Training mit schweren Gewichten erzielt bessere anhaltendere Effekte

Wer sich fit halten und anhaltende Ergebnisse erzielen will, sollte mit schweren Gewichten trainieren und das Krafttraining regelmĂ€ĂŸig betreiben. Das sind die Ergebnisse einer dĂ€nischen Kohortenstudie: Nur diejenigen Teilnehmer, die ein Jahr lang mit schweren Gewichten trainierten (hohes Widerstandstraining), (HRT), konnten ihre Muskelleistung auch vier Jahre nach der Trainingsphase beibehalten, insbesondere ihre isometrische Beinkraft. Im Gegensatz dazu nahm die Muskelkraft und damit auch die FunktionalitĂ€t derjenigen Teilnehmer der Gruppe, die nur eine mittlere TrainingsintensitĂ€t (MIT) hatten, in den drei Jahren nach Beendigung der ĂŒberwachten Trainings-Basisstudie deutlich ab.

đŸ‹ïžâ€â™€ïž đŸ‹ïž Das Kraft-Trainingsprogramm

  • Die Trainingsgruppe fĂŒr „schweres“ Gewichtheben besuchte dreimal pro Woche ein kommerzielles Fitnessstudio
  • Die Teilnehmer ermittelten das maximale Gewicht, das sie auf einmal heben konnten. Dann berechneten sie 70 bis 85 Prozent davon; mit diesem Gewicht wurde dann das Training absolviert.
  • Sie trainierten dreimal pro Woche. Jede Übung wurde drei mal wiederholt. Jeder Satz umfasste 6 bis 12 Wiederholungen.
  • Die Routine umfasste eine Mischung aus neun Ober- und UnterkörperĂŒbungen, darunter Beinpresse, Kniestreckung, Beinbeugung, niedriges Rudern, Brustpresse und Übungen fĂŒr den unteren RĂŒcken.

    Quelle: Washington Post

Zur Originalstudie

5 📌 Milchprodukte sind KEIN Fleischersatz!

Sich Tieren zuliebe vegetarisch zu ernÀhren, klingt erstmal logisch. Doch die Milchindustrie erzeugt Àhnlich wie die Fleischindustrie eine Menge Tierleid. Deshalb spricht die Wissenschaft bei Vegetarismus von einem KÀseparadoxon.

Die Studie der Wissenschaftlerinnen Devon Docherty und Carol Jasper ist zwar nicht reprĂ€sentativ, qualitativ jedoch sehr ausfĂŒhrlich. Insgesamt zwölf Vegetarier:innen im Alter von 20 bis 30 Jahren wurden in Form eines ca. 45-minĂŒtigen Interviews zu ihren BeweggrĂŒnden einer fleischlosen ErnĂ€hrung und ihren Bedenken befragt.

Vier GrĂŒnde, weshalb Vegetarier:innen an Eiern und Milchprodukten festhalten

  1. Gesundheitsaspekte: Aufgrund des hohen Proteingehalts werden HĂŒhnereier weiterhin gegessen. Da Fleisch als Eiweißquelle nicht infrage kommt, wird diese alternativ durch Eier, Milch und verarbeitete Milchprodukte ersetzt.
  2. VerfĂŒgbarkeit und Faulheit: Ein tierisches Produkt durch ein anderes zu ersetzen ist einfacher, vor allem da Molkereiprodukte im Supermarkt zahlreich vertreten sind.
  3. Geschmack: KĂ€se kann pflanzlich bisher nur mit erheblichen Geschmackseinbussen ersetzt werden - er spielt bei der ErnĂ€hrung aber eine große Rolle, sodass die Studie von einer Art „KĂ€sesucht“ spricht.
  4. Sozialer Druck: Veganismus als rein pflanzliche ErnÀhrung ist gesellschaftlich noch wenig anerkannt. Konflikte mit Freunden und Familie resultieren aus mangelndem VerstÀndnis und erzeugen einen stÀndigen Rechtfertigungsdruck. Generell werden Veganer:innen negativer wahrgenommen als Vegetarier:innen, weshalb man sich dem gesellschaftlichen Druck beugt.

Die Studie der schottischen Wissenschaftlerinnen bezieht die am weitesten verbreiteten Nicht-Fleisch-Tierprodukte (NMAPs) ein, darunter HĂŒhnereier und Kuhmilch. Dadurch, dass fĂŒr die Gewinnung dieser Produkte nicht der Tod der Tiere erforderlich ist, nehmen die Konsumenten laut Studie diese NMAPs hĂ€ufig als harmlose Nebenprodukte wahr, was als KĂ€separadoxon beschrieben wird.

Eine rein ethische Entscheidung zur vegetarischen ErnĂ€hrung, um Tierleben zu schĂŒtzen, ist nach diesen Erkenntnissen ein Trugschluss. Auch der Gedanke, damit die Umwelt zu schonen, entspricht nicht der RealitĂ€t. Fakt ist, dass die Milchindustrie zwar weniger schĂ€dlich als die Fleischindustrie ist, sie aber dennoch Tierleid erzeugt und die Umwelt belastet. Doch ĂŒber das PhĂ€nomen der kognitiven Dissonanz können sich viele Vegetarierinnen (und auch Nicht-Vegetarierinnen) vor den unangenehmen Fakten verschließen und ihre Entscheidungen ĂŒber das KĂ€separadoxon rechtfertigen.

Mehr Infos hierzu auf den Seiten des National Geographic

💬 Über unseren Tellerrand

Nepal Stroke Project - Heidelberg setzt sich fĂŒr Schlaganfallversorgung in Nepal ein

Wie in vielen westlichen LĂ€ndern ist der Schlaganfall auch eine der hĂ€ufigsten Todesursachen und Folgen schwerer GesundheitsschĂ€den in Nepal. In enger Zusammenarbeit mit Experten der World Stroke Organization und der Angels Initiative haben Dr. Christine Tunkl und ihr Ehemann Patrick das Projekt im Jahr 2020 als Kooperation zwischen der Neurologischen UniversitĂ€tsklinik Heidelberg und der Nepal Stroke Association initiiert, um die Schlaganfallversorgung zu verbessern. FĂŒr Ihr Engagement wurde die Ärztin mit dem Engagement-Preis des Bundesministeriums fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ausgezeichnet.

Das Nepal Stroke Project ist eine Kooperation zwischen der Neurologischen Klinik am UniversitĂ€tsklinikums Heidelberg (UKHD), und nepalesischen Kliniken fĂŒr die Verbesserung der Schlaganfallversorgung in Nepal. Schulungen und die EinfĂŒhrung standardisierter Behandlungsprotokolle verbessern die Schlaganfallversorgung in einem Land, in dem ein FĂŒnftel der 30 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze lebt. „In Nepal - so wie in den meisten LĂ€ndern der Welt - erleidet jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens einen Schlaganfall. Dennoch wurden hier SchlaganfĂ€lle bisher nur unzureichend behandelt. Der Engagement-Preis ist fĂŒr uns eine BestĂ€tigung und ein Ansporn, diesen Weg entschlossen weiter zu gehen“, so Tunkl.

„Das Projekt dient neben der unmittelbaren Hilfe vor Ort aber auch wissenschaftlichen Zielen,“ ergĂ€nzt Professor Christoph Gumbinger, Leiter der Forschungsgruppe Versorgungsforschung an der Neurologischen UniversitĂ€tsklinik Heidelberg, der das Projekt wissenschaftlich begleitet. Die medizinische Fachgesellschaft vor Ort, die Nepal Stroke Association, hat erfolgreich ein Schlaganfall-Register etabliert, das einen Überblick ĂŒber Versorgungsbedarfe und die BehandlungsqualitĂ€t ermöglicht. „Die Prozessbegleitung und die dabei gewonnen wissenschaftlichen Daten sind eine wichtige Grundlage. Einerseits können damit lokale Gesundheitsbehörden die Versorgung effektiv verbessern, andererseits können auch weitere ressourcenarme LĂ€nder aus den Erfahrungen des Projektes profitieren“, so Gumbinger.

Mehr hierzu auf der Webseite des Nepal Stroke Projects sowie auf den Seiten der UK Heidelberg

📣 AnkĂŒndigungen

1ïžâƒŁ Starkes Übergewicht bei Kindern- und Jugendlichen - Behandlungsmöglichkeiten

Die steigende Anzahl von Kindern und Jugendlichen mit sehr starkem Übergewicht, ist ein besorgniserregender Trend. Deswegen lĂ€dt die Klinik fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin des UniversitĂ€tsklinikums Ulm zu einer Informationsveranstaltung ein. MINQ-Spezialist Prof. Dr. Martin Wabitsch, Leiter der Sektion PĂ€diatrische Endokrinologie und Diabetologie, erklĂ€rt aktuelle Behandlungsmöglichkeiten fĂŒr starkes Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen: "Mit dieser Informationsveranstaltung möchten wir fĂŒr mehr AufklĂ€rung und UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene und ihre Angehörigen sorgen. Außerdem stellen wir innovative Behandlungsmöglichkeiten vor, mit denen wir den Herausforderungen von starkem Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen effektiv begegnen können." Im Anschluss an den Vortrag besteht die Gelegenheit fĂŒr Fragen und einen gemeinsamen Austausch.

📅 Wann: Donnerstag, 11. Juli 2024 von 18.00 bis 19.00 Uhr im statt. Sie richtet sich an betroffene Kinder und Jugendliche,

📍Wo:  Konferenzraum der Klinik fĂŒr Kinder und Jugendmedizin (Beschilderung zum Konferenzraum findet sich ab dem Eingang der Klinik) / digital via Webex (Zugangsdaten werden nach Anmeldung per Email an sekretariat.pedu@uniklinik-ulm.de mitgeteilt)

đŸȘ‘Wer : Eltern, Großeltern, Ärztinnen, Therapeutinnen und alle Interessierten.

đŸ€• IchalsPatient

1ïžâƒŁ  Wenn aus Sucht Ernst wird

In Deutschland sind laut aktuellen Studiendaten der BZgA rund 430.000 Menschen von problematischem GlĂŒcksspielverhalten oder “GlĂŒcksspielsucht” betroffen. Junge mĂ€nnliche Erwachsene bis 25 Jahre sowie mit Migrationshintergrund oder einem eher niedrigen Einkommen gehören dabei zu den Risikogruppen. Forschende des UniversitĂ€tsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben das Online-Selbsthilfeprogramm â€žNeustart” fĂŒr Menschen mit GlĂŒcksspielsucht entwickelt. Das anonyme kostenlose Programm ist in mehreren Sprachen verfĂŒgbar und soll, ergĂ€nzt durch eine App, zur BewĂ€ltigung von emotionalen und spielbezogenen Problemen beitragen und das Suchtverlangen reduzieren. Die multimedialen zwölf Trainingsmodule basieren unter anderem auf kognitiver Verhaltenstherapie und achtsamkeitsbasierten Methoden und beinhalten Themen wie Selbstwert, soziale Kompetenz, Umgang mit Spieldrang und Schuldenmanagement. Akzeptanz und Wirksamkeit des Programms wurden von den Forschenden in einer Studie erfolgreich evaluiert. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler:innen im JamaNetworkOpen publiziert.

„Nur etwa zehn Prozent der Menschen mit GlĂŒcksspielsucht befinden sich in professioneller Behandlung. Grund dafĂŒr sind verschiedene Behandlungsbarrieren wie Scham, Problemleugnung und ein Mangel an spezialisierten Versorgungsangeboten. Internetbasierte Interventionen stellen hier eine vielversprechende und ressourcenschonende Alternative dar“, so Studienleiterin Dr. Lara Rolvien von der Klinik und Poliklinik fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie des UKE. In der Studie mit 243 Proband:innen mit selbstberichteten GlĂŒcksspielproblemen wurden fĂŒr die Interventionsgruppe bei einer Nutzung des Programms ĂŒber sechs Wochen unter anderem klare Verbesserungen hinsichtlich ihres GlĂŒcksspielverhaltens und depressiver Symptomatik festgestellt.

2ïžâƒŁ  Bitte fragen!

Wahlfreiheit und EinverstĂ€ndnis - etwas beim Umgang mit Patient:innen, aber auch im privaten Miteinander - wirkt sich deutlich auf das Wohlbefinden aus. Einfach gesagt: Wer zum Beispiel gefragt wird, bevor man ihn berĂŒhrt, empfindet die Interaktion als angenehmer. Das haben Forschende der LMU, der UniversitĂ€t der Bundeswehr MĂŒnchen und der TU Dresden in einer Studie herausgefunden. Selbst bei unbedeutenden BerĂŒhrungen entscheidet das vorherige EinverstĂ€ndnis der Betroffenen entscheidend darĂŒber, wie sie den Kontakt empfinden. Untersuchungen der PupillenaktivitĂ€t zeigten außerdem, dass die Entscheidungsfreiheit die physiologische Erregung der Menschen steigerte, wenn sie eine BerĂŒhrung erwarteten. „Es scheint, dass der bloße Akt des WĂ€hlens sich positiv darauf auswirkt, wie unser Körper und unser Geist auf intimen Kontakt reagieren", meint Lenka Gorman vom Cognition, Values, Behaviour Lab an der LMU. Die Möglichkeit zu wĂ€hlen und zuzustimmen sei damit eine Strategie, die mit geringem Aufwand das Erleben fĂŒrsorglicher BerĂŒhrungen verbessert. Nicht nur im privaten Umgang miteinander, sondern auch im klinischen Bereich.

Professorin Ophelia Deroy, Leiterin des LMU-Lehrstuhls fĂŒr Philosophy of Mind und eine der leitenden Forscherinnen, betont:

„Wahlfreiheit und EinverstĂ€ndnis sind nicht nur ethische Fragen, sondern auch von grundlegender Bedeutung dafĂŒr, wie wir Dinge erleben. Wir wissen, dass die Möglichkeit zu wĂ€hlen das gleiche Dopaminsystem anspricht wie Geld, Essen, Sex und andere Belohnungen, die wir aktiv suchen.“

Wie wichtig die Entscheidungsfreiheit selbst bei passiven Erfahrungen sei, zeige, wie wesentlich sie fĂŒr den Aufbau starker persönlicher Beziehungen ist.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin Attention, Perception & Psychophysics veröffentlicht.

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Originalpublikation

Lenka Gorman, Wenhan Sun, Jyothisa Mathew, Zahra Rezazadeh, Justin Sulik, Merle Fairhurst & Ophelia Deroy: Choice Enhances Touch Pleasantness. Attention, Perception, & Psychophysics (2024)

https://doi.org/10.3758/s13414-024-02887-6

Zur Pressemeldung der LMU


🏆 MINQs Choice

Nach mehr als 25 Jahren aktiver Recherche und Erstellung der Ärztelisten, die seit 1997 regelmĂ€ĂŸig zuerst in der Zeitschrift FOCUS publiziert wurden und seit 2022 im Magazin stern erscheinen, haben wir uns entschlossen, unter dieser Rubrik - gewissermaßen in eigener Sache - jede Woche auf 3 besondere Mediziner:innen zu verweisen.


Prof. Dr. Thomas Wiegel - MINQ-Spezialist seit 2007

Dr. med. Olaf Brudler - MINQ-Spezialist seit 2014

Dr. med. Frerk Meyer - MINQ-Spezialist seit 2017

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