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🗞 25/2024

Diabetesrisiko: Gewichtsabnahme allein reicht nicht · Gesundheit von MÀnnern vor der Zeugung · Impfung bei LeukÀmie · MINQs Choice diese Woche: Prof. Dr. med. Rudolf Seufert · Prof. Dr. med. Lars-Olof Hattenbach · PD Dr. Michael Adolph

Karl-Richard Eberle
Karl-Richard Eberle

📌 5 weekly picks

1 📌 Bei Diabetesrisiko: Gewichtsabnahme allein reicht nicht

Menschen mit einem Diabetesrisiko wird regelmĂ€ĂŸig empfohlen, ihr Gewicht zu reduzieren, um einer Diabeteserkrankung vorzubeugen. So steht es auch in den entsprechenden Leitlinien. Eine neue Studie konnte nun zeigen, dass es zusĂ€tzlich zur Gewichtsabnahme einer weiteren Maßnahme bedarf, um das Risiko deutlich abzusenken, nĂ€mlich auch die Absenkung und Normalisierung der Blutzuckerwerte als Therapieziel festzuschreiben. Durch diese sogenannte „Lebensstilintervention“ könnte man, so die Erwartung, die Entstehungsraten des Diabetes insgesamt reduzieren.

„In der Gruppe mit zusĂ€tzlicher Remission des PrĂ€diabetes kam es in den ersten knapp 4 Jahren nach der Lebensstilintervention sogar zu ĂŒberhaupt keiner Erkrankung an Typ-2-Diabetes“, berichtet Letztautor Andreas Birkenfeld. „In der Gruppe, die ‚nur‘ abgenommen hatte, entwickelten in diesem Zeitraum dagegen schon einige Studienteilnehmende einen manifesten Diabetes.“

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Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg, Elsa Vazquez Arreola, Arvid Sandforth, Robert L. Hanson, Andreas L. Birkenfeld, 2024: Role of weight loss‑induced prediabetes remission in the prevention of type 2 diabetes: time to improve diabetes prevention. Diabetologia, DOI: 10.1007/s00125-024-06178-5

2 📌 Gesundheit von MĂ€nnern beeinflusst Gesundheit der Kinder

ErnĂ€hrung und Übergewicht von MĂ€nnern beeinflussen die Gesundheit ihrer Kinder – schon vor der Zeugung. Das sind die Ergebnisse der Untersuchung von Helmholtz Munich und dem Deutschen Zentrum fĂŒr Diabetesforschung. Sie sollen nun dazu dienen, Maßnahmen fĂŒr die Gesundheitsvorsorge von MĂ€nnern mit Kinderwunsch zu entwickeln. Die Erkenntnis - vielleicht nicht ganz ĂŒberraschend: Je gesĂŒnder die ErnĂ€hrung der werdenden VĂ€ter, desto geringer ist das Risiko der von ihnen gezeugten Kinder, im Lauf ihres Lebens Übergewicht oder Erkrankungen wie Diabetes zu entwickeln. FĂŒr ihre Studie verwendeten die Forschenden Daten von mehr als 3000 Familien der LIFE-Child-Studie der UniversitĂ€t Leipzig. Die Analysen zeigten, dass das Körpergewicht des Vaters das Gewicht der Kinder und ihre AnfĂ€lligkeit fĂŒr Stoffwechselkrankheiten beeinflusst. Dieser Einfluss besteht unabhĂ€ngig von anderen Faktoren wie dem Gewicht der Mutter, der elterlichen Genetik oder Umweltbedingungen.

„Unsere Hypothese, dass im Laufe des Lebens erworbene Eigenschaften wie Diabetes oder Adipositas ĂŒber Generationen mittels epigenetischer Mechanismen weitergegeben werden, wird durch diese Studie bestĂ€rkt. Die Epigenetik dient hierbei als molekulare Schnittstelle zwischen Umwelt und Genom, auch ĂŒber Generationengrenzen hinweg. Dies geschieht nicht nur ĂŒber die mĂŒtterliche, sondern auch ĂŒber die vĂ€terliche Linie“, erklĂ€rt Prof. Martin Hrabě de Angelis, Ko-Autor der Studie und Forschungsdirektor Helmholtz Munich.

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Tomar, Gomez-Velazquez, Gerlini et al. (2024): Epigenetic inheritance of diet-induced and sperm-borne mitochondrial RNAs. Nature. DOI: 10.1038/s41586-024-07472-3

3 📌  Studie untersucht Impfung bei LeukĂ€mie

Die Akute Myeloische LeukĂ€mie ist eine der hĂ€ufigsten bösartigen LeukĂ€mie-Erkrankungen im Erwachsenenalter. Besonders ein RĂŒckfall nach einer ersten erfolgreichen Therapie ist schwerer zu behandeln. Die Klinische Kooperationseinheit (KKE) Translationale Immunologie am UniversitĂ€tsklinikum TĂŒbingen erforscht nun, ob ein auf die LeukĂ€miezellen maßgeschneiderter Peptid-Impfstoff einen RĂŒckfall verhindern kann.

Bei Patient:innen mit akuter myeloischer LeukĂ€mie (AML) ist die erste Chemotherapie oft sehr erfolgreich. Nach ein paar Wochen ist die Erkrankung meist nicht mehr nachweisbar. Dennoch verbleiben hĂ€ufig einzelne LeukĂ€miezellen im Körper, aus denen sich spĂ€ter ein RĂŒckfall der Erkrankung entwickeln kann. Dieser ist meist um einiges schwerer zu behandeln.

In einer aktuellen Studie der Klinischen Kooperationseinheit (KKE) Translationale Immunologie untersuchen die TĂŒbinger Expert:innen nun, ob ein RĂŒckfall der AML durch eine Therapie mit einer Peptid-Impfung verhindert werden kann. Die Studie wird von der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Salih am UniversitĂ€tsklinikum TĂŒbingen durchgefĂŒhrt. Finanziert wird die Studie von der Medizinischen FakultĂ€t TĂŒbingen und der ForTra gGmbH fĂŒr Forschungstransfer der Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS).

Informationen zur Studienteilnahme und Kontakt

4 📌 Podcast ”Entstörungsmeldung”

Mit ‚Entstörungsmeldung – Wege aus der psychischen Krankheit‘ gibt es einen ambitionierten Podcast, in dem ehemals psychisch erkrankte Kinder und Jugendlichen ĂŒber ihre Erfahrungen in den psychotherapeutischen Behandlungen sprechen. Der Podcast wendet sich besonders an Eltern, Jugendliche, Fachpublikum sowie alle Interessierte. Er soll einen einfĂŒhlsamen, teils intimen Einblick in die Therapieprozesse geben und die Wirksamkeit unterstĂŒtzender Beziehungen zeigen

Hörer:innen erfahren von den Höhen und Tiefen des Therapieprozesses und bekommen auch Einblicke in die Lebenswege und einen Überblick ĂŒber die Behandlung am Hamburger Kath. Kinderkrankenhaus Wilhelmstift. Es wird ĂŒber die Entstehung von psychischen Symptomen, die HĂŒrden der Behandlung und den Weg zurĂŒck zu einem selbstbestimmten Leben gesprochen.

Hörtipp: Der Podcast ist unter anderem auf Spotify und Google Podcasts verfĂŒgbar.

5 📌 HPV-Viren: STIKO empfiehlt Imfung auch fĂŒr Jungen

Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) gehören zu den hĂ€ufigsten sexuell ĂŒbertragbaren Infektionen. Die meisten Menschen infizieren sich mindestens einmal im Leben damit. Einige HPV-Viren können zu einer Krebserkrankung fĂŒhren. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft sind sie in ĂŒber 90 Prozent der FĂ€lle fĂŒr die Entstehung von GebĂ€rmutterhalskrebs verantwortlich. Es können aber auch andere Krebserkrankungen wie Vulva-, Penis- oder Analkarzinome und bösartige Neubildungen im Mund- und Rachenraum auftreten. Allein in Deutschland erkrankten 2018 rund 7.700 Menschen an HPV-bedingtem Krebs. Dabei kann man bereits im Kindesalter etwas dagegen tun, denn man kann sich impfen lassen. Die Impfung bietet einen weitreichenden Schutz und muss nicht erneuert werden.

Die StĂ€ndige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, MĂ€dchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren gegen HPV zu impfen. Impfstoffe gegen das Virus gibt es bereits seit 2006, trotzdem sind in Deutschland nur etwa 45 Prozent der 15-JĂ€hrigen MĂ€dchen vollstĂ€ndig geimpft. In Island, Schweden und Norwegen sind es hingegen 80 Prozent. Seit 2018 wird auch eine Impfung fĂŒr Jungen empfohlen. Die Impfquote von Jungen ist bedauerlicherweise noch deutlich niedriger als bei MĂ€dchen. Auch Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren, die noch nicht geimpft wurden, sollten möglichst frĂŒhzeitig gegen HPV geimpft werden. Bis zu einem Alter von 18 Jahren ĂŒbernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. In Deutschland stehen derzeit zwei HPV-Impfstoffe zur VerfĂŒgung.

Die Ausstellung, die vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg konzipiert wurde, ist vom 17. bis 27. Juni 2024 in der Westhalle des UniversitÀtsklinikums Göttingen zu sehen und zeigt Geschichten von Betroffenen.

Weitere Informationen zur HPV-Impfung unter: https://gccc.umg.eu/aktuelles/g-ccc-blog/hpv-impfung/

💬 Über unseren Tellerrand

Zufrieden mit dem Singleleben

Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren sind heutzutage mit ihrem Singleleben zufriedener als Gleichaltrige vor zehn Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die an der Johannes Gutenberg-UniversitÀt Mainz (JGU) erstellt wurde.

„Obwohl das Singleleben auf dem Vormarsch ist, war bislang nicht bekannt, ob die Menschen mit dieser Lebensform auch zufriedener sind“, erklĂ€rt Tita Gonzalez AvilĂ©s den Hintergrund der Studie, die das Fachmagazin Personality and Social Psychology Bulletin veröffentlicht hat. Die Ergebnisse zeigen, dass die Jugendlichen hĂ€ufiger Single sind und dass sie zufriedener mit ihrem Single-Dasein sind im Vergleich zu den Jugendlichen, die zehn Jahre frĂŒher geboren wurden. Unter den jungen Erwachsenen im Alter von 24 bis 30 Jahren und den Erwachsenen im Alter von 34 bis 40 Jahren war keine grĂ¶ĂŸere Zufriedenheit im Verlauf der Zeit zu beobachten.

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Tita Gonzalez AvilĂ©s, Janina Larissa BĂŒhler, Naemi D. Brandt, and Franz J. Neyer. Today’s Adolescents Are More Satisfied With Being Single: Findings From a German Cohort-Sequential Study Among 14- to 40-Year-Olds. Personality and Social Psychology Bulletin, 10. Juni 2024 DOI: 10.1177/01461672241257139

📣 AnkĂŒndigung

1ïžâƒŁ Deutsche Lebertagung - 20. HepNet Symposium am 28. und 29. Juni 2024

In der Special Session werden zwei hochaktuelle Themen prĂ€sentiert: die kĂŒnstliche Intelligenz in der Medizin und der Einsatz von digitalen Gesundheitslösungen bei Fettlebererkrankungen.

📅 Wann: 28. und 29. Juni 2024

📍WO: Medizinische Hochschule Hannover, GebĂ€ude J02

Zum Programm


🏆 MINQs Choice

Nach mehr als 25 Jahren aktiver Recherche und Erstellung der Ärztelisten, die seit 1997 regelmĂ€ĂŸig zuerst in der Zeitschrift FOCUS publiziert wurden und seit 2022 im Magazin stern erscheinen, haben wir uns entschlossen, unter dieser Rubrik - gewissermaßen in eigener Sache - jede Woche auf 3 besondere Mediziner:innen zu verweisen.


Prof. Dr. med. Rudolf Seufert - MINQ-Spezialist seit 2015

Prof. Dr. med. Lars-Olof Hattenbach - MINQ-Spezi

PD Dr. Michael Adolph (MBA) - MINQ-Spezialist seit 2012

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