Foto der Woche Mika Ruusunen

🗞 2/2026

Ein Gelenkersatz ist kein Reifenwechsel · ChatGPT warnt selbst vor medizinischer Beratung · Wie behält das Gehirn im Chaos den Überblick? · Own-Age Bias – warum Jüngere ältere Gesichter schlechter erkennen· Gespräche am Steuer - gefährlicher als gedacht

Mirjam Bauer Karl-Richard Eberle

Willkommen zurück im Neuen Jahr! Wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr und freuen uns, wenn Sie uns mit Ihrer Lektüre weiterhin begleiten!

📌 5 weekly picks

1 📌 ⚠️ Professor warnt: "Ein Gelenkersatz ist kein Reifenwechsel"🦵💬

Der Orthopädie-Professor und langjährige MINQ-Experte Professor Dr. Joachim Grifka warnt vor einem "neuen Trend" beim Gelenkersatz: der gleichzeitigen Implantation von zwei künstlichen Gelenken während einer einzigen Operation. Was nach Effizienz klingt, ist laut Grifka medizinisch hoch problematisch: „Das bringt für den Patienten nur Nachteile.“ Der Kern des Problems ist einfach – und wird trotzdem offenbar zunehmend ignoriert. Nach einem Gelenkersatz ist frühe Mobilisation entscheidend. Zwei bis drei Stunden nach der OP wieder stehen, gehen, belasten. Wer aber beide Beine gleichzeitig operiert bekommt, verliere genau diese Möglichkeit. Aus dem vermeintlichen Zeitgewinn kann schnell ein komplizierter Heilungsverlauf werden, im schlimmsten Fall mit dauerhafter Einschränkung.

Besonders brisant: das Infektionsrisiko. Während es bei einseitigem Gelenkersatz unter einem Prozent liegt, steigt es bei gleichzeitiger beidseitiger Operation nach Einschätzung des Professors auf rund vier Prozent. Grifka kritisiert grundsätzlich die oft übereilten chirurgischen Eingriffe und stellt dem einen anderen Ansatz entgegen: erst prüfen, ob überhaupt operiert werden muss. Moderne, gelenkerhaltende Verfahren – etwa verbesserte Fettstammzelltransplantationen, könnten Operationen oft jahrelang hinauszögern oder sogar ganz vermeiden. Wird der Gelenkaustausch dann doch unausweichlich, setzt Grifka auf minimalinvasive, schmerzarme Eingriffe. Vorbereitet durch eine Prähabilitation, bei dem der Patient vor der Operation Verhaltensmaßnahmen für nach der Operation erlernt und ein detailliertes Physiotherapieprogramm absolviert. Das kommt auch den Patienten zugute, die nach der Operation einige Tage im Krankenhaus bleiben.

Grifkas Rat an Patient:innen ist deshalb einfach:

👉 Holen Sie eine Zweitmeinung ein.

👉 Wählen Sie einen Arzt, der auch konservativ behandeln kann.

👉 Lassen Sie sich nicht von vermeintlicher Effizienz blenden.

2 📌  Wie ChatGPT selbst vor medizinischer Beratung durch KI warnt☝️🩺🤖

Darf und sollte man sich von ChatGPT medizinisch beraten lassen? Die Diskussion ist schon lange entfacht. ChatGPT selbst zieht eine klare Grenze. In den Nutzungsbedingungen und begleitenden Hinweisen stellt OpenAI unmissverständlich klar: “Die Antworten von ChatGPT ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.” Wer gesundheitliche Entscheidungen trifft, soll – so die offizielle Linie – immer qualifiziertes Fachpersonal konsultieren. Eine KI hat keine Anamnese, keinen Blickkontakt, keine Haftung – und genau deshalb darf sie nicht als Arzt auftreten. Wer sich trotzdem von ChatGPT medizinisch „beraten“ lässt, geht ins Risiko. Die Nutzungsbedingungen sind vor allem eine Haftungs- und Verantwortungslinie, denn das Risiko wandert komplett zum Nutzer.

💡
Auch die Wahrnehmung vieler Nutzer, die KI sei besonders “empathisch” und nehme sich viel Zeit, wird von ChatGPT eindeutig kommentiert:

1. KI zeigt Empathie, ohne Verantwortung zu tragen. Sie kann Sorgen spiegeln, Ängste validieren, Sicherheit ausstrahlen – aber sie haftet nicht für die Folgen. In der Medizin ist Empathie normalerweise gekoppelt an Pflicht, Sorgfalt und Konsequenzen. Bei KI ist sie entkoppelt. Das ist neu. Und riskant.
2. Vertrauensvorschuss durch Tonfall. Menschen bewerten Aussagen nicht nur nach Inhalt, sondern nach Wie. Ein empathischer Ton wirkt kompetenter, glaubwürdiger, richtiger. Selbst dann, wenn der Inhalt unvollständig oder für den Einzelfall ungeeignet ist. Die Gefahr: Emotion schlägt Evidenz.
3. Beruhigung statt Alarm. Besonders heikel wird es, wenn KI unbeabsichtigt beruhigt: Viele Sätze sind empathisch – können aber im falschen Moment dazu führen, dass echte Warnzeichen ignoriert werden.
4. Die Rollenverwechslung. Empathie ist ein zentrales Merkmal ärztlicher Beziehung. Wenn KI diese Rolle emotional überzeugend imitiert, verschwimmt die Grenze.
🔗 Quelle: ChatGPT

Die entscheidende Einsicht lautet deshalb:

👉 Empathie ohne klinische Verantwortung ist kein Ersatz, sondern ein Risiko.

KI kann zwar unterstützen, erklären, vorbereiten. Aber je „menschlicher“ sie wirkt, desto wichtiger wird die klare Einordnung: Sie fühlt nichts, sie haftet nicht, sie behandelt nicht. Oder zugespitzt: Nicht fehlende Empathie ist das Problem – sondern zu viel davon am falschen Ort.

👉 Vgl. auch zum Thema: ChatGPT als Arzt? Warum OpenAI medizinische Ratschläge jetzt offiziell verbietet

3 📌 🧠 Wie das Gehirn im Chaos den Überblick behält 🔎🌪️

Wie behält unser Gehirn in einer Welt mit ständig wechselnden Anforderungen die Kontrolle über unsere Entscheidungen und unser Verhalten? Wie behalten Menschen im Durcheinander des Alltags den Überblick, etwa wenn wir uns abrupt an eine neue Situation anpassen müssen und in Sekundenbruchteilen eine wichtige Entscheidung zu treffen haben?

Ein Forschungsteam um Prof. Dr. med. habil. Markus Ullsperger der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Brown University hat nun ein neues Modell zur kognitiven Kontrolle vorgestellt. Es erklärt, wie das menschliche Gehirn auch unter wechselnden, stressreichen Bedingungen flexibel bleibt, Fehler erkennt und Entscheidungen anpasst. Kern der Theorie sind sogenannte latente Abstraktionen – innere, dynamische „Landkarten“, mit denen das Gehirn Informationen je nach Situation neu ordnet. Inspiriert von KI-Modellen wie rekurrenten neuronalen Netzwerken verbindet die Forschung EEG-Daten von über 1.300 Personen mit künstlicher Intelligenz und gezielter Hirnstimulation. Das Ziel: ein einheitliches Erklärungsmodell für Verhalten, neuronale Signale und Anpassungsfähigkeit – mit langfristigem Potenzial für neue Diagnose- und Therapieansätze bei psychischen und neurologischen Erkrankungen wie ADHS, Depressionen oder Zwangsstörungen.

Seit den frühen 2000er-Jahren gilt der präfrontale Kortex als Schaltstelle für zielgerichtetes Verhalten“, so der Neuropsychologe Dr. Hans Kirschner von der Uni Magdeburg. „Aber bis heute fehlt eine Theorie, die Verhalten, neuronale Signale und flexible Anpassung unter einem gemeinsamen Mechanismus vereint. Genau hier setzen wir mit unserem Erklärungsmodell an.“

🔗 Zur Pressemitteilung der Universität Magdeburg

#zusammendieweltneudenken | Otto-von-Guericke University Magdeburg
Ein Forschungsteam der Uni Magdeburg und der Brown University (USA) hat eine neue Theorie darüber vorgelegt, wie unser Gehirn in einer Welt mit ständig wechselnden Anforderungen die Kontrolle über Entscheidungen und unser Verhalten behält. Dieser neue Ansatz für die Funktionsweise der sogenannten kognitiven Kontrolle unseres Gehirns soll erklären, wie Menschen im Durcheinander des Alltags den Überblick behalten, etwa wenn wir uns abrupt an eine neue Situation anpassen müssen, beim Autofahren plötzlich auf ein unerwartetes Hindernis reagieren oder im Beruf in Sekundenbruchteilen eine wichtige Entscheidung treffen. Das Forschungsprojekt Testing a task-general model of cognitive control / Entwicklung und Validierung eines aufgabenübergreifenden Modells der kognitiven Kontrolle von Prof. Markus Ullsperger und Dr. Hans Kirschner von der Universität Magdeburg und Prof. Matt Nassar von der Brown University wird im Rahmen der transnationalen Förderinitiative „Bilaterale Zusammenarbeit in Computational Neuroscience: Deutschland – USA“ vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR) und der amerikanischen Förderorganisation National Science Foundation (NSF) mit insgesamt rund 1,35 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre gefördert. Alle Infos: https://lnkd.in/dhQ_e4-A #zusammendieweltneudenken

4 📌 Uterusmyome – unterschätztes Risiko fürs Herz ❤️🚨

Uterusmyome gelten bislang als lästig, aber harmlos. Doch eine neue Analyse aus den USA stellt dieses Bild infrage. Forschende der Perelman School of Medicine haben Daten von rund 450.000 Frauen mit Myomen ausgewertet – und sie mit 2,25 Millionen Frauen ohne Myome verglichen. Das Ergebnis: Frauen mit Myomen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Innerhalb von zehn Jahren kam es bei ihnen fast doppelt so häufig zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen atherosklerotischen Erkrankungen (5,42 % vs. 3,00 %).

Die Myome scheinen entzündliche Botenstoffe freizusetzen, die das Endothel schädigen und langfristig die Atherosklerose fördern. Besonders auffällig war das Risiko für Angina pectoris, zerebrovaskuläre Erkrankungen und periphere arterielle Verschlusskrankheit. Interessant: Das Risiko steigt mit der Zeit weiter an – von einer geringen Differenz im ersten Jahr bis zu 2,4 Prozentpunkten nach zehn Jahren.

Die Studie liefert damit neue Argumente für eine operative Entfernung der Myome. Ob ein Eingriff das Herz-Kreislauf-Risiko tatsächlich senken kann, müssen jedoch erst randomisierte Studien klären.
🔗 Zur Meldung im Ärzteblatt

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Zur Originalpublikation:
Association Between Uterine Fibroids and Risk of Atherosclerotic Cardiovascular Disease Julia D. DiTosto, Jennifer Lewey,Jarcy Zee, Anuja Dokras, Kyle R. Busse, Snigdha Alur‐Gupta,Stefanie Hinkle, Enrique F. Schisterman, Sunni L. Mumford,Ellen C. Caniglia, https://doi.org/10.1161/JAHA.125.044014

5 📌 Own-Age Bias – warum Jüngere ältere Gesichter schlechter erkennen 👀 ⚖️ 👵

Foto: University of Exeter

Jüngere Menschen erkennen Gesichter ihrer eigenen Altersgruppe deutlich besser als die von Älteren – ältere Erwachsene hingegen haben dieses Problem nicht. Das zeigt eine neue Studie der University of Exeter, die den sogenannten Own-Age Bias genauer untersucht hat.

In einem Experiment mit 128 Teilnehmenden aus zwei Altersgruppen – 19 bis 30 Jahre (Gen Z) und 69 bis 80 Jahre (Baby Boomer) – sollten die Probanden unbekannte Gesichter wiedererkennen. Das Ergebnis: Gen Z erkannte Gleichaltrige zuverlässig, scheiterte aber häufiger an älteren Gesichtern. Die Boomer-Gruppe hingegen erkannte sowohl jüngere als auch ältere Personen gleichermaßen gut. Bei umgedrehten Bildern verschwanden die Unterschiede – ein Hinweis darauf, dass Erfahrung und Übung entscheidend sind. Die Forschenden vermuten, dass ältere Menschen im Laufe ihres Lebens gelernt haben, Gesichter verschiedener Altersgruppen zu verarbeiten, während Jüngere vor allem mit Gleichaltrigen interagieren.

Der Own-Age Bias ist damit kein Ausdruck von Altersdiskriminierung, sondern ein Erfahrungsphänomen. Schulungen oder gezielte Übung könnten die Wiedererkennung verbessern, so das Team. Relevanz hat das auch für reale Situationen: Bei Zeugenaussagen etwa kann das Alter der Zeugen ihre Fähigkeit beeinflussen, Personen außerhalb ihrer eigenen Altersgruppe korrekt zu identifizieren.

🔗 Zur Pressemeldung der University of Exeter

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Zur Originalpublikation:
Civile, C., & Wang, G. (2025). Testing the own-age bias in face recognition among younger and older adults via the Face Inversion Effect. Perception0(0). https://doi.org/10.1177/03010066251405714

PLUS …

💬 Über unseren Tellerrand

1️⃣ Warum Gespräche am Steuer gefährlicher sind als gedacht 🚨🚗💬

Reden beim Autofahren lenkt nicht nur mental ab – es verlangsamt auch die Augen. Eine neue Studie der Fujita Health University in Japan zeigt: Wer hinter dem Steuer spricht, verarbeitet visuelle Informationen messbar schlechter. Und genau diese schnellen Blickbewegungen sind die erste Stufe jeder Reaktion im Straßenverkehr.

In einem Experiment mit 30 Testpersonen mussten die Teilnehmenden rasche Augenbewegungen ausführen, während sie entweder Fragen beantworteten, einem Hörbuch lauschten oder gar keine Zusatzaufgabe hatten. Das Ergebnis war eindeutig: Sprechen verzögerte alle drei Phasen der Blicksteuerung – Reaktionsbeginn, Blickbewegung und Fokussierung. Besonders betroffen war das untere Blickfeld, also der Bereich, in dem sich im realen Verkehr der unmittelbare Straßenabschnitt befindet. Beim bloßen Zuhören traten diese Effekte dagegen nicht auf.

Die Verzögerungen wirken klein – insgesamt rund 20 Millisekunden. Doch diese Zeit reicht aus, um Ampeln, Fußgänger oder Hindernisse später wahrzunehmen und entsprechend langsamer zu reagieren. Gespräche am Steuer untergraben damit die Fahrleistung auf subtile, aber grundlegende Weise.

Die Forschenden empfehlen mehr Bewusstsein für diese Risiken – sowohl durch Eigenverantwortung als auch durch Schulungen. Denn schon ein harmloses Gespräch kann die Sicherheit im Straßenverkehr spürbar beeinträchtigen.

🔗 Weiterlesen auf den Seiten von Scinexx

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Zur Originalpublikation:
Suzuki T, Suzuki T, Uehara S (2025) Talking-associated cognitive loads degrade the quality of gaze behavior. PLoS One 20(10): e0333586. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0333586

2️⃣ Bioplastik aus Grünschnitt – Oldenburg entwickelt Kunststoff der Zukunft 🌿⚗️🔧

Plastik aus Rasenschnitt? Was nach Zukunftsvision klingt, wird in Oldenburg Realität. Eine neue Nachwuchsgruppe der Universität entwickelt Biokunststoffe, die komplett aus organischen Abfällen bestehen – und das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projekt „EcoPBS“ mit 2,7 Millionen Euro.

Unter der Leitung von Dr. Melanie Walther arbeitet das Team daran, Polybutylensuccinat (PBS) aus Grünschnitt, Heu und Algen herzustellen. PBS ist robust wie Polyethylen, aber biologisch abbaubar. Das Problem: Bisher gibt es kein vollständig biobasiertes, recycelbares PBS, das industrietauglich ist. Genau hier setzt das Oldenburger Projekt an. Die Forschenden optimieren Fermentationsprozesse mit verschiedenen Mikroorganismen, entwickeln neue Reinigungs- und Veredelungsverfahren und arbeiten an einer Spezialchemikalie, die störende Stoffe entfernt – ein Patent dafür existiert bereits. Auch Produktionsrückstände sollen künftig Strom und Wärme liefern.

Mit digitalen 3D‑Modellen und ersten Prototypen – etwa Verpackungen oder medizinischem Material – will das Team zeigen, wie alltagstauglich Bio‑PBS sein kann. Unterstützt wird das Projekt von Partnern aus Deutschland und den Niederlanden.

🔗 Zur Meldung des IDW

📺 Krankenhaus dringend gesucht – SWR Story zur Klinikreform 🏥🔎🚨

Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme Europas. Die Reform sollte Qualität verbessern und das Fallpauschalen-System modernisieren – doch Kritiker:innen warnen vor massiven Problemen. Die SWR Story zeigt, wie die Krankenhausreform Patient:innen, Ärzt:innen und Kliniken in Deutschland trifft. Das Filmteam besucht Häuser in Baden‑Württemberg, Rheinland‑Pfalz und NRW, die um ihre Existenz kämpfen. Während städtische Kliniken von der Reform profitieren könnten, drohen in ländlichen Regionen gefährliche Versorgungslücken. Ein Beispiel: Das Klinikum Mittelmosel in Zell musste bereits schließen, weil der Betrieb nicht mehr rentabel war.

Die Doku zeigt, was das für die regionale Versorgung bedeutet und lässt Expert:innen sowie Betroffene zu Wort kommen.

👉 Zur Doku in der ARD Mediathek

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1️⃣ Neue Leitlinie soll Versorgung nach sexualisierter Gewalt vereinheitlichen 🩺⚖️🛡️

Sexualisierte Gewalt nimmt zu – und noch immer hängt die Versorgung Betroffener stark vom Wohnort ab. Mit der neuen S1‑Leitlinie wollen die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) nun bundesweit klare Standards setzen, damit Frauen nach einer Tat schnell, traumasensibel und rechtssicher versorgt werden. Der Bedarf ist groß: 2024 wurden rund 128.000 Sexualstraftaten registriert – bei hoher Dunkelziffer.

Die Leitlinie fordert geschulte Teams, geschützte Räume und klare Abläufe für Erstversorgung, Spurensicherung und Nachbetreuung. Besonders betont wird die vertrauliche Spurensicherung (VSS), die vielerorts noch unzureichend umgesetzt ist. Medizinisches Personal soll neutral dokumentieren, nicht bewerten. Eine traumainformierte Haltung soll Würde und Sicherheit der Betroffenen in den Mittelpunkt stellen.

👉 Zur vollständigen Leitlinie

🔗 Zur PM der DGGG

2️⃣ IQWiG schärft Methoden – mehr Beteiligung, mehr Präzision 📚⚙️✨

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die Version 8.0 seiner Allgemeinen Methoden veröffentlicht – die Grundlage für viele Entscheidungen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die neue Fassung bringt vor allem mehr Transparenz und erstmals ein eigenes Kapitel zur Einbindung von Betroffenen. Auch methodisch wurde nachgeschärft: Für Metaanalysen mit wenigen Studien nutzt das Institut nun einen gemeinsam mit Göttinger Forschenden entwickelten Bayes‑Ansatz, der frühere Bewertungen einbezieht und Heterogenität präziser schätzt.

Durch die Krankenhausreform erhält das IQWiG zudem neue Aufgaben: Es soll künftig wissenschaftliche Empfehlungen für Mindestvorhaltezahlen in der stationären Versorgung erarbeiten. Ein erstes Methodenkonzept wurde bereits vorgestellt – mit breiter Resonanz, aber klarer Erkenntnis: Die Datenbasis muss bundesweit besser werden.

Die neue Mindestmengen‑Methodik erscheint zunächst separat und fließt später in eine Folgeversion der Allgemeinen Methoden ein.

🔗 Zur Meldung des IQWIG

📣 Ankündigungen

1️⃣ Vortragsreihe "Medizin am Abend": Warum Palliativmedizin früher beginnt, als viele denken 🩺🌙💬

Wie spricht man über Themen, die man am liebsten verdrängt? Genau darum geht es beim nächsten „Medizin am Abend“-Vortrag am kommenden Donnerstag im großen Hörsaal der Kopfklinik Heidelberg. Diesmal rückt ein Fachgebiet ins Zentrum, das wenig wahrgenommen wird: die Palliativmedizin.

Referent ist MINQ-Spezialist Prof. Dr. Bernd Alt-Epping, Ärztlicher Direktor der Klinik für Palliativmedizin. Er zeigt, wie moderne Palliativversorgung schwer erkrankten Menschen und ihren Angehörigen helfen kann – nicht nur am Lebensende, sondern oft schon deutlich früher. Frühzeitige palliativmedizinische Unterstützung kann die Lebensqualität spürbar verbessern und Belastungen reduzieren.

2026 feiert die Palliativmedizin am UKHD zudem ihr fünfjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass sind mehrere Veranstaltungen geplant: Am 10. März läuft im Kino „Kamera“ der Film Emmas Glück, gefolgt von einer Diskussion über die Frage „Töten aus Mitleid?“ und ihre Bedeutung für die aktuelle Sterbehilfedebatte. Am 29. März findet außerdem ein Benefizkonzert des Anglistenchores der Universität Heidelberg im Augustinum statt.

Eine Gelegenheit, ein oft missverstandenes Fachgebiet aus nächster Nähe kennenzulernen – und zu erfahren, wie viel Palliativmedizin tatsächlich leisten kann.

👉 Weitere Infos auf den Seiten des UK Heidelberg

📅 Wann: 15. Januar, 19 Uhr bis ca. 20.15 Uhr

📍 Wo: Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg

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Medizin am Abend
Die Welt der Medizin – allgemeinverständlich, fundiert, aktuell: Das ist „Medizin am Abend“, die erfolgreiche Vortragsreihe von Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und Rhein-Neckar-Zeitung. Expertinnen und Experten aus Forschung und Klinik des UKHD und der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg (MFHD) informieren über häufige und seltene Krankheiten, berichten über Fortschritte in Diagnostik, Therapie und Prävention und bieten spannende Einblicke in die Forschung. Zehnmal jährlich live an einem Donnerstag im Hörsaal der Kopfklinik und zum Nachhören im Medizin-am-Abend-Podcast oder online .

2️⃣ DGIM-Symposium: Geschlechtersensible Medizin – Luxus oder längst überfällig? 🧬💬🚺🚹

Am 30. Januar 2026 lädt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) zum Symposium „Geschlechtersensible Medizin in der Inneren Medizin: Luxus oder Notwendigkeit?“ nach Berlin ein. Die Veranstaltung markiert zugleich den Auftakt der neu gegründeten DGIM‑Kommission zu diesem Thema.

Geschlechtersensible Medizin wird in der klinischen Praxis noch immer unterschätzt – obwohl Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Diagnostik und Therapie zahlreicher Erkrankungen eine zentrale Rolle spielen. Das Symposium bringt renommierte Expert:innen zusammen, darunter mehrere MINQ‑Spezialist:innen wie Prof. Dr. Petra‑Maria Schumm‑Draeger, Prof. Dr. Ute Seeland, Prof. Dr. Susanna Hofmann und Prof. Dr. Michael Becker. Sie präsentieren aktuelle Erkenntnisse aus Stoffwechselmedizin, Kardiologie und Labordiagnostik und berichten über die wichtigsten Highlights des Internationalen Gendermedizin‑Kongresses 2025.

Zum Abschluss diskutieren Fachleute und Teilnehmende in einer Roundtable‑Runde, wie sich der aktuelle Forschungsstand in eine bessere, geschlechtersensible Versorgung für Patient:innen übersetzen lässt.

👉 Zum Flyer der Veranstaltung

📅 Wann: 30. Januar 2026, 11 Uhr bis 15:30 Uhr

📍 Wo: Kaiserin-Friedrich-Stiftung, Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin

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