Foto der Woche Pang Yuhao

🗞17/2026

Assistierter Suizid als Geschäftsmodell? · Wie wir lernen, ungesundes Essen zu meiden · IVF: Wenn Bakterien den Kinderwunsch beeinträchtigen · Evidenz statt Routine: Ein Onkologe verändert die Debatte · Unsterblichkeit als Geschäftsmodell · Zwei Geschwindigkeiten der Zeit

Mirjam Bauer Karl-Richard Eberle

📌 5 weekly picks

1 📌 ⏳ Assistierter Suizid als Geschäftsmodell? ⚖️ 💸

Wenn Entscheidungen am Lebensende kommerzielle Strukturen berühren, wird die Debatte besonders sensibel. Palliativmediziner beobachten, dass neue Anbieter assistierter Suizide mit schnellen Verfahren und hohen Gebühren auftreten – und warnen vor Risiken für eine wirklich freie und gut abgesicherte Entscheidungsfindung.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), Professor Claudia Bausewein (LMU), warnt vor einer wachsenden Zahl assistierter Suizide in Deutschland. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung äußerte sie Sorge über neue Anbieter, die kurze Wartezeiten, fehlende Mitgliedschaften und hohe Kosten verlangen. Manche Organisationen berechneten 7.000 bis 12.000 Euro - ein Geschäftsmodell, das laut MINQ-Spezialistin Bausewein Risiken für die unabhängige Beratung birgt. Sie plädiert für einen gesetzlichen Rahmen mit klaren Vorgaben, etwa einem verpflichtenden Register, einem Werbeverbot und mindestens zwei Gutachten. Derzeit würden Daten zu assistierten Suiziden nicht systematisch ausgewertet, und nicht alle Organisationen veröffentlichten ihre Zahlen.

Bausewein rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Fälle - in der Schweiz seien bereits rund zwei Prozent aller Todesfälle assistierte Suizide. In Deutschland nutzten 2025 laut DGHS‑Statistik (Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben) 1.287 Menschen Angebote organisierter Sterbebegleitung, mit vermuteter Dunkelziffer. DGHS‑Vizepräsident Dieter Birnbacher beschreibt die aktuelle Lage als „sehr liberal“ und sieht Vorteile in klaren Regeln wie Wartezeiten oder dem Vier‑Augen‑Prinzip. Gleichzeitig warnt er vor möglicher Bürokratisierung, die Betroffene als entwürdigend empfinden könnten.

Hintergrund ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020, das ein Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe aufgehoben hat. Das Gericht betonte das Recht auf selbstbestimmtes Sterben, verbunden mit der Möglichkeit staatlicher Schutzkonzepte. Mehrere gesetzliche Initiativen scheiterten im Bundestag, nun gibt es neue überparteiliche Anläufe. Im Zentrum steht die Frage, wie Selbstbestimmung, Schutz vor Druck und Transparenz miteinander vereinbar sind.

Die Debatte zeigt, wie komplex die Abwägungen zwischen Freiheit, Würde und Sicherheit in diesem Bereich sind. Und wie dringend ein verlässlicher rechtlicher Rahmen diskutiert wird.

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2 📌 Wie wir lernen, schlechtes Essen zu meiden – und was unser Fett damit zu tun hat 🍽️ 🧠🥫

Werden wir nach dem Essen krank, meiden wir das verdorbene Gericht künftig instinktiv. Doch wie genau lernt unser Körper diese wichtige Lektion? Ein Forschungsteam der Universitäten Bonn, Leipzig und Tohoku (Japan) sowie des Universitätsklinikums Bonn unter der Leitung von Prof. Dr. Ilona Grunwald Kadow hat nun einen völlig neuen Mechanismus für dieses sogenannte „Vermeidungs-Lernen“ entdeckt.

Ihre Experimente mit der Fruchtfliege Drosophila zeigen, dass das Fettgewebe dabei eine überraschende Schlüsselrolle spielt. Wenn Sensoren des Immunsystems gefährliche Bakterien in der Nahrung registrieren, schlagen spezielle Nervenzellen Alarm und senden den Botenstoff Octopamin an ein Fett-Depot. Daraufhin schüttet das Fettgewebe Dopamin aus. Dieses wandert direkt ins Gehirn und aktiviert dort die Lernnetzwerke: Das Tier merkt sich den schädlichen Geruch und meidet die Nahrungsquelle zukünftig.

Die Ergebnisse sind für den Menschen relevant. Da auch beim Menschen das Fett Botenstoffe zur Appetitsteuerung an das Gehirn sendet, vermuten die Forschenden ähnliche Abläufe in unserem Körper. Denn auch bei uns produziert das Fettgewebe Botenstoffe, die auf unser Gehirn wirken und unseren Appetit beeinflussen können. Das Fettgewebe ist beim Lernen ein aktiver Akteur! Forschende vermuten heute bereits, dass die Interaktion zwischen Gehirn, Organen und Fett bei Essstörungen wie Magersucht oder Fettleibigkeit nicht korrekt funktioniert. Die Erkenntnisse der Studie liefern neue Ansätze, um das komplexe Zusammenspiel von Stoffwechsel, Immunsystem und Gehirn besser zu verstehen – und könnten langfristig sogar neue Wege für die Behandlung von Essstörungen wie Fettleibigkeit oder Magersucht eröffnen.

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Zur Originalpublikation:
Yujie Wang et. al.: A Bidirectional Brain-Fat Body Axis for Pathogen Avoidance; Neuron; DOI: 10.1016/j.neuron.2026.03.026, https://doi.org/10.1016/j.neuron.2026.03.026

🔗 Zur Pressemitteilung des UKB

3 📌 🔬 Kinderwunsch: Bakterien können Erfolg einer künstlichen Befruchtung verhindern 🧫🤰

Unerfüllter Kinderwunsch betrifft viele Paare: Schätzungen zufolge sind in Deutschland 15 bis 20 Prozent aller Paare im fruchtbaren Alter im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Gängige Tests, die den Erfolg einer künstlichen Befruchtung vorhersagen sollen, liegen oft falsch. Das lässt sich aus einer neuen Studie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), der Universität zu Lübeck und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) ableiten. Bisherige Prognosemodelle untersuchen die bakterielle Besiedlung der Vagina und teilen diese in grobe Muster. Diese Klassifizierung, auf der auch kommerzielle Mikrobiom-Tests basieren, ist laut Studie jedoch nicht verlässlich. Stattdessen identifizierte das Forschungsteam zwei spezifische Bakterien, die den Behandlungserfolg tatsächlich negativ beeinflussten: Lactobacillus iners und Ureaplasma parvum. Bei Patientinnen, bei denen beide Keime gleichzeitig und in hoher Konzentration nachweisbar waren, sanken die Chancen auf eine erfolgreiche Einnistung des Embryos und eine Lebendgeburt drastisch.

„Unsere Daten sprechen gegen die Annahme, dass die bloße Einteilung des vaginalen Mikrobioms in die bisher vorgeschlagenen bakteriellen Muster eine klinisch relevante Vorhersage über Schwangerschaftsraten erlaubt“, sagt Prof. Georg Griesinger, Leiter des Universitären Kinderwunschzentrums am UKSH, Campus Lübeck, und Studienleiter. „Paare sollten sich daher nicht auf die Prognosekraft von Analysen verlassen, die lediglich diese vereinfachenden Kategorien zugrunde legen.“
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Zur Originalstudie:
Simon Graspeuntner, Mariia Lupatsii, Noemi Hamala, Antonia Masuch, Marion Depenbusch, Iris Pfeffer, Askan Schultze-Mosgau, Tanja K Eggersmann, Jan Rupp, Georg Griesinger. Vaginal microbial community state types fail to predict IVF outcomes, whereas Ureaplasma parvum and Lactobacillus iners are negative predictors of implantation, clinical pregnancy and live birth. Human Reproduction Open, 2026, hoag018. doi:10.1093/hropen/hoag018

👉 Weiterlesen auf den Seiten des UKSH

4 📌 💡 Evidenz statt Routine: Wie ein Onkologe die Debatte über Krebsmedikamente verändert 🩺📉

Daniel Goldstein, 46, ist medizinischer Onkologe am Davidoff Cancer Center in Israel. Er behandelt Patienten mit Prostata‑, Blasen‑, Nieren‑ und Hodenkrebs und verbindet klinische Arbeit mit gesundheitsökonomischer Forschung. Sein Ziel: eine hochwertige und bezahlbare Krebsversorgung für alle - gestützt auf robuste Daten statt auf ökonomische Routinen. Sein Fokus liegt dabei auf der Frage, wie wirksam Therapien sein müssen – und wie viel sie kosten dürfen. Früh stellte er infrage, ob das Krebsmedikament Keytruda in der üblichen Dosierung nötig ist.

Seit 2021 verantwortet er bei Clalit Health Services die Entwicklung von Arzneimittel‑ und Technologie­richtlinien für 3,8 Millionen Versicherte. Seine These: geringere Dosen, gleiche Wirkung, deutlich niedrigere Kosten. Damit stellte er sich gegen einen der umsatzstärksten Pharmakonzerne der Welt. Goldstein wurde zum Gegenspieler von MSD – und blieb es, trotz massiver Lobbyarbeit. Er führte eigene Studien durch, die seine Annahmen bestätigten. Heute erhält er Rückendeckung von Forschenden, die im Auftrag der WHO arbeiten. Mehrere Länder haben bereits umgestellt: Israel, Kanada und die Niederlande. In Deutschland wird die niedrigere Dosierung noch geprüft. Der Fall zeigt, wie evidenzbasierte Medizin gegen ökonomische Interessen bestehen kann. Und wie wichtig unabhängige Forschung für die Versorgung von Krebspatienten ist. Goldsteins Ansatz könnte Milliarden sparen - ohne Einbußen bei der Wirksamkeit.

🔗 Weiterlesen auf den Seiten des Spiegel

5 📌 🧪⏳ Unsterblichkeit als Geschäftsmodell: Wo liegen die Grenzen des ewigen Lebens? ⚖️

Der Longevity‑Markt boomt – Gentests, Infusionen, personalisierte Vitalstoffe. Das Schweizer Portal Medinside beschreibt einen Trend, der „von personalisierten Wundermitteln bis hin zu kostspieligen Klinikaufenthalten“ reicht. Doch die Vision vom ewigen Leben endet dort, wo das Recht beginnt.

Schon beim Einstieg, der Analyse des biologischen Alters, gilt: „Eine Abgabe solcher Tests zur Eigenanwendung […] ist nicht zulässig.“ Medizinisch relevante DNA‑Analysen dürfen nur Fachpersonen durchführen. Auch die Kosten sind begrenzt: Die Krankenpflegeversicherung zahle nur klar gelistete Leistungen. Personalisierte Produkte müssen rechtlich eingeordnet werden - als Heilmittel oder Lebensmittel. Vitamininfusionen gelten als Arzneimittel und unterliegen strengen Vorgaben. Kosmetische Verfahren wie Microneedling dürfen Wirkstoffe nicht tiefer als die Epidermis einbringen. Werbung ist stark eingeschränkt, besonders für verschreibungspflichtige Präparate. Auch ärztliche Empfehlungen als Marketinginstrument sind weitgehend untersagt. Infusionen dürfen nur Gesundheitsfachpersonen verabreichen. Und Verstöße können „nicht nur verwaltungsrechtliche Folgen […] sondern auch strafrechtliche Konsequenzen“ haben.

In Deutschland greifen ähnliche Grenzen wie in der Schweiz: Genetische Tests unterliegen dem Gendiagnostikgesetz (GenDG), medizinische Eingriffe und Infusionen dem Arzneimittelgesetz (AMG). Wer ohne Erlaubnis Arzneimittel herstellt, abgibt oder bewirbt, riskiert strafrechtliche Folgen. Auch DNA‑Tests zur Selbstanwendung sind verboten, wenn sie medizinisch relevante Eigenschaften betreffen.
Longevity bleibt damit weniger Mythos der Unsterblichkeit – und mehr ein streng regulierter Markt.

🔗 Weiterlesen auf den Seiten von Medinside und DieGesundheitsrechtler (zur Regulierung in BRD)

PLUS …

🏛️ 📣 PETITION „Gesundheit gehört ins Grundgesetz“ 🔔

Gesundheit als Voraussetzung für Freiheit, Würde und gesellschaftliche Teilhabe

Die Krankheitslast in Deutschland steigt, während das Gesundheitswesen vielerorts bereits am Limit arbeitet. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Studien, dass die Vermeidung lebensstilbedingter Erkrankungen der wirksamste Hebel für ein nachhaltiges Gesundheitssystem wäre. Jede vermiedene Erkrankung entlastet nicht nur die Versorgung, sondern verbessert auch die Lebensqualität.

Doch neben individueller Prävention bleibt ein zentraler Faktor weitgehend ungenutzt: gesunde Lebensverhältnisse. Ein „Health in all Policies“-Ansatz ist in Deutschland bislang kaum Realität. Aber “Gesunderhaltung beginnt Jahre bevor Menschen zu Patienten werden und nicht erst, wenn sie im Reparaturbetrieb Gesundheitswesen landen”, so Andrea Galle, Vorständin der mkk – meine krankenkasse.

Am 26. Februar 2026 haben Andrea Galle und der Sportwissenschaftler Professor Ingo Froböse daher die Petition „Gesundheit gehört ins Grundgesetz" (#195664) beim Deutschen Bundestag eingereicht. Sie fordert, das Grundgesetz um ein ausdrückliches Recht auf Gesundheit zu ergänzen - und damit den politischen Rahmen so zu erweitern, dass Gesundheitsförderung deutlich früher ansetzt als heute. Im Kern geht es darum, gesunde Lebensverhältnisse verbindlich zu stärken: Bedingungen, die Gesundheit schützen, bevor Menschen erkranken, und nicht erst dann, wenn sie im Versorgungssystem behandelt werden müssen.

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📣 Um eine öffentliche Anhörung im Deutschen Bundestag zu erreichen, werden 30.000 Unterstützungsunterschriften benötigt. Die Zeichnungsfrist läuft noch bis zum 7. Mai. Weitere Informationen auf gesundheitinsgrundgesetz.de und auf der Petitionsseite des Deutschen Bundestags

💬 Über unseren Tellerrand

1️⃣ 📊 Alarmierende Aufnahmen: Neue Erkenntnisse zur Ausbreitung des tödlichen Marburg-Virus 🦠📡

Wie das Wissenschaftsmagazin Nature berichtet, haben Forscher in Uganda eine besorgniserregende Entdeckung zur Übertragung des gefährlichen Marburg-Virus gemacht. Wildkameras an der „Python Cave“ im Queen-Elizabeth-Nationalpark zeichneten auf, wie verschiedene Wildtiere - darunter Leoparden und Affen - massenhaft Flughunde jagten und fraßen. Da diese Fledertiere bekannte Träger des Virus sind, belegen die Aufnahmen erstmals visuell, wie der Erreger auf tierische Zwischenwirte überspringen kann.

Noch alarmierender ist laut dem Bericht jedoch die direkte Gefahr für den Menschen: Im Beobachtungszeitraum näherten sich über 200 Personen, darunter Touristen und Schulklassen, der Höhle fast völlig ungeschützt. Warnschilder wurden ignoriert, obwohl der unvorsichtige Kontakt mit den Ausscheidungen dieser Tiere als Hauptursache für tödliche Marburg-Ausbrüche gilt.

👉 Weiterlesen auf den Seiten von nature

2️⃣ Feste Größe oder Teil der Quantenwelt? Wenn Zeit gleichzeitig schneller und langsamer läuft 🕒 ⚛️⏳

Zeit gilt in der klassischen Physik als verlässlich - doch in der Quantenwelt verliert sie ihre Eindeutigkeit. Ein Team um den Physiker Igor Pikovski vom Stevens Institute of Technology zeigt in einer aktuellen Studie, dass genau das experimentell greifbar wird: eine Uhr, deren Eigenzeit nicht eindeutig ist, sondern in einer Überlagerung mehrerer Möglichkeiten vorliegt. Die Studie zeigt, dass Uhren im quantenmechanischen Zustand nicht nur unterschiedlich schnell ticken können, sondern dass ihr eigener Zeitverlauf überlagert ist. Damit treffen zwei Welten aufeinander: In Einsteins Relativität hängt Zeit vom Bewegungszustand ab, in der Quantenphysik können Systeme mehrere Zustände gleichzeitig einnehmen.

Genau diese Überlagerung macht die Zeit selbst unscharf - eine Uhr kann gleichzeitig schneller und langsamer laufen. Lange war das reine Theorie, weil die Effekte extrem klein sind. Fortschritte bei optischen Ionenuhren ändern das. Die Forschenden nutzen einzelne, nahezu auf Nullpunkt gekühlte Ionen, deren Restbewegung vollständig von Quantenfluktuationen bestimmt wird. Mit sogenannten Squeezed States lassen sich diese Bewegungszustände gezielt präparieren – und damit die quantenmechanische Eigenzeit beeinflussen.

Die Studie zeigt: Die notwendige Präzision, um solche Effekte zu messen, ist heute erreichbar. Damit wird erstmals experimentell prüfbar, ob Zeit selbst ein quantenmechanisches Phänomen ist.

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Zur Originalpublikation:
Pikovski, I., Sorci, G., Sanner, C. et al. Quantum Signatures of Proper Time in Optical Ion Clocks DOI: https://doi.org/10.1103/qhj9-pc2b

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1️⃣ ⚖️ Glaukomrisiko: Die persönliche Einschätzung ist entscheidend 👁️📉

Wenn der Augeninnendruck steigt, bedeutet das noch lange nicht, dass ein Glaukom entsteht – genau diese Differenzierung ist in der Praxis entscheidend. Denn eine okuläre Hypertension kann völlig ohne Schäden am Sehnerv auftreten, erhöht aber das Risiko, später ein Glaukom zu entwickeln. Wie schmal der Grat zwischen unnötiger Therapie und zu spätem Eingreifen ist, zeigte nun MINQ-Spezialist Professor Jan Lübke von der Universitätsaugenklinik Freiburg auf der Tagung der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD).

Eine okuläre Hypertension liegt vor, wenn der Augeninnendruck erhöht ist, obwohl Sehnerv und Gesichtsfeld noch normal sind. Eine Studie zeigt: Ohne Behandlung entwickelt etwa jede zehnte Person innerhalb von fünf Jahren ein Glaukom, mit Therapie etwa jede zwanzigste. Wichtig ist daher, das individuelle Risiko einzuschätzen, denn nicht jeder erhöhte Druck muss sofort behandelt werden. Höheres Alter, sehr hohe Druckwerte und eine dünne Hornhaut erhöhen das Risiko besonders deutlich.

👉 Weitere Infos hierzu

2️⃣ 👶 Paradigmenwechsel bei Fieber - neue Leitlinie für Umgang mit Fieber bei Kindern 🌡️ 🔄

Fieber ist für viele ein Alarmzeichen, darum ist der erste Impuls oft, es zu senken. Doch die nationale S3-Leitlinie „Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen“, die unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) erarbeitet und von Professor David Martin von der Universität Witten/Herdecke (UW/H) koordiniert wurde, rückt das Wohlbefinden des Kindes in den Mittelpunkt und nicht die Temperatur.

Mit der Leitlinie gibt es von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erstmals klare, wissenschaftlich geprüfte Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Fieber bei Kindern. Sie rät zum Beispiel dazu, Fieber nicht vorschnell zu senken. „Fieber ist in den meisten Fällen eine sinnvolle Reaktion des Körpers – wir sollten es nicht reflexhaft bekämpfen, sondern das Kind in den Blick nehmen“, sagt David Martin. Durch die Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt werden die Empfehlungen jetzt zum Maßstab für die Praxis: Fiebersenkende Medikamente werden gezielter eingesetzt, unnötige Behandlungen vermieden. Auch der Einsatz von Antibiotika wird klar eingegrenzt – Fieber allein ist kein Grund für eine Verordnung.

👉 Weiterlesen im Ärzteblatt

🔗 Zur S3- Leitlinie Fiebermanagement Kinder Jugendliche

📣 Ankündigungen

1️⃣ Neuanfang versus Umdenken: Wundversorgung in einer Welt im Wandel 🔄🌍

Chronische Wunden sind ein komplexes Zusammenspiel aus Grunderkrankung, Ernährung, Schmerz, Pflege und Therapie. Genau diese Vielschichtigkeit steht im Mittelpunkt des Deutschen Wundkongresses. Unter dem Leitmotiv „Neuanfang versus Umdenken“ diskutieren rund 350 Experten in über 200 Sessions, Workshops und Panels die Zukunft der Wundversorgung.

Das Spektrum reicht von 3D‑Wundmodellen und ex‑vivo Hautforschung über seltene Dermatosen bis zu Versorgungskonzepten in sozialen und psychiatrischen Kontexten. Auch Ernährung, Malnutrition und wundspezifische Besonderheiten an verschiedenen Körperstellen stehen im Fokus. Ein Blick nach vorn zeigt, wie KI - von der elektronischen Nase bis zur multidimensionalen Klassifikation - neue diagnostische Wege eröffnet.

👉 Zu Kongress-Homepage und wissenschaftlichem Programm

📅 Wann: 6. bis 8. Mai 2026

📍Wo: Congress Centrum Bremen (CCB), Findorffstraße 101, 28215 Bremen

2️⃣ 🎻🧬 Noten und Neuronen: Musik für die Hirngesundheit 🧠 🎼

Musik kann das Gehirn verändern! Genau diese Wirkung macht die neue Reihe „Noten und Neuronen“ ab diesem Sommer erlebbar. In sechs Veranstaltungen treffen Live‑Acts auf neurowissenschaftliche Einblicke in die Frage, wie Musik Demenzrisiken senken und kognitive Reserven stärken kann.

Die Medizinische Fakultät Bonn und das UKB bringen dafür aktuelle Hirnforschung in populärwissenschaftlicher Form auf die Bühne. Das Publikum kann selbst aktiv werden – etwa mit einem digitalen Gedächtnistest, der bereits in Arztpraxen zur Früherkennung eingesetzt wird. Musikalisch reicht das Programm von Klassik bis Filmmusik, je nach Spielort begleitet von verschiedenen Orchestern und dem UKB‑Chor. Ziel ist es, Lust auf Musik zu machen und gleichzeitig für Prävention zu sensibilisieren. Denn ob Hören, Singen oder Spielen: Musik stimuliert das Gehirn und fördert soziale Interaktion – beides wichtig für geistige Widerstandskraft. Ein besonderes Highlight: Einige beteiligte Musiker:innen werden vorab im MRT untersucht, deren Aufnahmen bei den Konzerten gezeigt werden. Zudem kommt ein mobiler Hirnscanner zum Einsatz – eine Technologie, die künftig neue Wege in der medizinischen Versorgung eröffnen könnte.

🎶
„Noten und Neuronen“ ist eine gemeinsame Reihe von Medizinischer Fakultät Bonn, UKB, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (MPIEA) und Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) – unterstützt von neotiv und Hyperfine. Getragen wird sie vom UKB‑Chor und einem Projektorchester der Universität Bonn, ergänzt durch renommierte Partner wie das Gürzenich‑Orchester Köln und das Beethoven Orchester Bonn.
Gefördert wird die Reihe vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen des „Wissenschaftsjahres 2026: Medizin der Zukunft“.

👉 Weitere Infos auf den Seiten der UK Bonn

📅 Wann: 10. Juli 2026

📍Wo: Kölner Philharmonie; weitere geplante Stationen sind Bonn, Berlin, Dortmund und München

🤕 IchalsPatient:in

1️⃣ 🩹📚 Mehr als ein Pflaster: Was eine Krankenschwester an der Schule leistet 🧑‍⚕️🏫

School Nurses sind international etabliert, in Deutschland aber weiterhin Teil von Modellprojekten. Die Datenlage wächst: Acht Bundesländer erproben Schulgesundheitsfachkräfte, mehrere Projekte wurden wissenschaftlich begleitet.

Brandenburg gilt als Vorreiter – „acht Studien wurden veröffentlicht“, darunter Peer‑Review‑Arbeiten. Die Qualifikation ist klar definiert: examinierte Pflegefachkraft plus achtmonatige Weiterbildung nach finnischem Vorbild. Ihre Aufgaben reichen von Akutversorgung bis Gesundheitsbildung. Das Deutsche Schulportal der Robert-Bosch-Stiftung zeigt dies exemplarisch am Einsatz von Monika Krapf an der Nicolaischule (Brandenburg an der Havel). Ihr Arbeitsalltag umfasst Erste Hilfe, Beratung, Prävention und psychosoziale Unterstützung. Fragen, wie „Hast du noch irgendetwas auf der Seele?“, gehören zu ihrem Standardrepertoire.

Eine aktuelle Befragung im Rahmen des Monitors „Bildung und Psychische Gesundheit“ (BiPSy-Monitor) zeigt, dass es für Schulen ein deutlicher Gewinn ist, wenn sie Schulgesundheitsfachkräfte einsetzten. An der Onlinebefragung im November und Dezember 2025 nahmen 40 Schulleitungen aus sechs Bundesländern teil: 93 % der Schulleitungen sehen eine bessere Akutversorgung. 98 % berichten von einer deutlichen Entlastung des Personals. 75 % bestätigen, dass gesundheitliche und psychische Probleme früher erkannt werden.

Monika Krapf gehört als Schulgesundheitsfachkraft zum Team der Schule, Fotoquelle: Deutsches Schulportal

🔗 Weiterlesen auf den Seiten des Deutschen Schulportals der Robert-Bosch-Stiftung

2️⃣ 🧍‍♂️⚡ Wenn das Kreuz zum Fluch wird: Experten der UM Mainz zeigen, was bei Rückenproblemen wirklich hilft

Wenn der Rücken streikt, steht oft der ganze Alltag still - doch viele Betroffene wissen nicht, welche Behandlung wirklich sinnvoll ist. Die Universitätsmedizin Mainz lädt deswegen zu einer Patientenveranstaltung. Experten geben einen verständlichen Überblick über Ursachen, Diagnostik und aktuelle konservative wie operative Therapien. Im MIttelpunkt stehen Fragen wie: Welche Beschwerden sind harmlos, welche brauchen spezialisierte Behandlung – und wann ist eine Operation wirklich sinnvoll. Auch der Versorgungsweg wird erklärt: Wer hilft wann, vom Hausarzt bis zur Universitätsklinik. Physiotherapeutische Strategien für einen starken Rücken ergänzen das Programm. Nach den Vorträgen besteht Gelegenheit zum Austausch mit den Fachleuten.

Die Teilnahme ist kostenfrei, Interessierte werden gebeten, bis zum 29. April 2026 eine Anmeldung per E-Mail an zou-info@unimedizin-mainz.de (Betreff: Anmeldung Patientenveranstaltung ZOU 5.5.2026) zu senden.

👉 Weitere Infos auf den Seiten der UM Mainz

📅 Wann: 5. Mai 2026, 16.45 bis 19.00 Uhr

📍 Wo: Hörsaal Hautklinik, Gebäude 401 der UM Mainz, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz

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