🗞 5/2026
Mit Bluttest Infektionen tracken · KI‑Halsband gibt nach Schlaganfall Stimme zurück · Smartwatch entdeckt früher verborgenes Vorhofflimmern · Ein Lob auf den Mittagsschlaf · Früh essen zahlt sich aus · Robotischer Blindenführhund
📌 5 weekly picks
1 📌 Lassen sich alle Infektionen eines Menschen mit einem einzigen Bluttest erkennen? 🧪🩸🦠
Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Uniklinikums Erlangen arbeiten an einem innovativen Verfahren, das künftig mithilfe eines einzelnen Bluttests Auskunft über alle bisherigen Infektionen und den Immunstatus eines Menschen geben könnte. Das vierjährige Projekt „INTRA-SEQ“ untersucht die T-Lymphozyten – spezialisierte Immunzellen, die Krankheitserreger anhand spezifischer Merkmale erkennen und bekämpfen.
Jede T-Zelle trägt auf ihrer Oberfläche einen einzigartigen Rezeptor, der wie ein Schlüssel zu einem bestimmten Antigen passt. Nach Kontakt mit dem passenden Erreger vermehrt sich die Zelle stark und bildet Klone; ein Teil davon bleibt als sogenannte Gedächtnis-T-Zellen im Körper zurück. Diese hinterlassen eine Art immunologischen Fingerabdruck, der zeigt, welche Infektionen jemand bereits durchgemacht hat und gegen welche Erreger Immunität besteht.
„Jeder Infekt hinterlässt im Immunsystem seine Spuren“
sagt Prof. Dr. Kilian Schober vom Mikrobiologischen Institut am Uniklinikum Erlangen. Zunächst konzentriert sich das Projekt auf Viren, die während der Schwangerschaft gefährlich werden können – etwa das Rötelnvirus. Damit könnte künftig überprüft werden, ob Schwangere noch über ausreichenden Impfschutz verfügen. Das Ziel der Forschenden ist es, diese T-Zell-Rezeptoren systematisch zu analysieren und zuzuordnen. Durch Sequenzierung und den Einsatz von Algorithmen des maschinellen Lernens sollen Muster identifiziert werden, die typischerweise nach bestimmten Infektionen auftreten. So entstehen Bibliotheken von Rezeptorsequenzen, die bestimmten Erregern zugeordnet sind.
🔗 Zur Originalpressemitteilung der FAU und UK Erlangen
2 📌 🗣️ Revoice: Ein KI‑Halsband gibt Schlaganfallpatienten ihre Stimme zurück🧠🔊
Wenn nach einem Schlaganfall die Worte im Kopf klar bleiben, aber nicht mehr nach außen finden, entsteht eine stille Barriere – für Betroffene wie Angehörige. Ein Forschungsteam der University of Cambridge hat nun ein tragbares System entwickelt, das genau hier ansetzt: Revoice, ein weiches KI‑Halsband, das ohne Operation oder Implantat funktioniert. Es erkennt feinste Bewegungen der Halsmuskulatur und sogar emotionale Signale aus dem Puls. Zwei KI‑Modelle rekonstruieren daraus Wörter und formen bruchstückhafte Äußerungen zu vollständigen Sätzen.
In ersten Tests mit Schlaganfallpatient:innen überzeugte das System mit erstaunlich niedrigen Fehlerquoten und deutlich höherer Zufriedenheit. Revoice ersetzt keine Logopädie – aber es kann die Zeit bis zur Rückkehr der eigenen Sprache erleichtern und echte Gespräche wieder möglich machen.
Langfristig sehen die Forschenden Einsatzmöglichkeiten auch bei Parkinson oder Motoneuronerkrankungen. Ihr Ziel bleibt klar: Menschen ihre kommunikative Unabhängigkeit zurückzugeben – und damit ein Stück Würde im Alltag.

🔗 Zur Originalmeldung der University of Cambridge
Tang, C., Gao, S., Li, C. et al. Wearable intelligent throat enables natural speech in stroke patients with dysarthria. Nat Commun 17, 293 (2026).
https://doi.org/10.1038/s41467-025-68228-9
3 📌 Smartwatch entdeckt verborgenes Vorhofflimmern⌚❤️🩹
Vorhofflimmern gilt als die häufigste Herzrhythmusstörung und ist eine der Hauptursachen für Schlaganfälle. Weil es oft ohne Symptome auftritt, bleibt es bei vielen Menschen lange unentdeckt. Eine neue niederländische Studie zeigt nun, dass Smartwatches eine revolutionäre Rolle in der Früherkennung spielen könnten. In der sogenannten EQUAL-Studie wurden 437 Personen über 65 Jahre mit erhöhtem Schlaganfallrisiko untersucht. Die Hälfte der Teilnehmenden trug sechs Monate lang eine Smartwatch (Apple Watch) mit Pulssensor und EKG-Funktion, die andere Hälfte erhielt die übliche medizinische Betreuung. Alle EKG-Aufzeichnungen wurden von einem unabhängigen eHealth-Team innerhalb von 24 Stunden geprüft.
Das Ergebnis ist eindeutig: In der Smartwatch-Gruppe wurde bei 9,6 % der Teilnehmenden ein neu auftretendes Vorhofflimmern entdeckt – in der Kontrollgruppe nur bei 2,3 %. Damit wurde das Risiko, Vorhofflimmern zu erkennen, um das Vierfache erhöht. Besonders bemerkenswert: Einige Fälle verliefen völlig symptomlos und wären ohne die kontinuierliche Überwachung unbemerkt geblieben.Wearables könnten also die Schlaganfallprävention wesentlich verbessern. Durch frühzeitige Diagnose lassen sich rechtzeitig therapeutische Maßnahmen einleiten – etwa eine Blutverdünnung zur Schlaganfallvermeidung.
Die Ergebnisse wurden im Journal of the American College of Cardiology publiziert.
Enhanced Detection and Prompt Diagnosis of Atrial Fibrillation Using Apple Watch: A Randomized Controlled Trial, Authors: Nicole J. van Steijn et.al.
https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacc.2025.11.032
4 📌 Ein Lob auf den Mittagsschlaf☕😴
Ein kurzer Mittagsschlaf kann das Gehirn ähnlich wie der Nachtschlaf regenerieren und die geistige Leistungsfähigkeit deutlich steigern. Forschende der Universität Genf und der Universität Freiburg haben herausgefunden, dass unser Gehirn selbst kurze Nickerchen nutzt, um neuronale Verbindungen – sogenannte Synapsen – zu „stutzen“ und neu zu kalibrieren. Dieser Prozess verhindert eine Überreizung und erhält die Lernfähigkeit. Ohne diese regelmäßige „Synapsenpflege“ droht eine Übersättigung des Gehirns: Die Verbindungen würden immer stärker und zahlreicher, wodurch neue Informationen schlechter aufgenommen werden könnten.
Während des Schlafs räumt das Gehirn nicht nur molekulare Abfallstoffe ab, sondern ordnet auch neu Gelerntes, überträgt es ins Langzeitgedächtnis und bereitet sich auf neue Reize vor. Bislang nahm man an, dass diese umfassende neuronale Rekalibrierung nur während des Nachtschlafs stattfindet. Das Experiment aus Genf zeigt jedoch, dass bereits ein kurzer Mittagsschlaf ähnliche Effekte hat. Messungen der Hirnaktivität belegen, dass die Intensität bestimmter Wellenmuster – insbesondere der Theta-Hirnwellen – nach einem Nickerchen abnimmt. Dies deutet darauf hin, dass die Synapsen tatsächlich heruntergeregelt und das Gehirn wieder aufnahmebereit gemacht wurden. Ein wissenschaftliches Lob also auf den Mittagsschlaf: Er hält unser Gehirn flexibel, lernfähig und erfrischt.
A nap can recalibrate homeostatic and associative synaptic plasticity in the human cortex, Kristoffer D. Fehér et. al.
https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2026.121723
5 📌 ⏳🔥Früh essen zahlt sich aus – wie die innere Uhr unseren Fettstoffwechsel steuert🌅🍽️
Das Timing der Mahlzeiten beeinflusst weit mehr als nur unser Hungergefühl. Eine aktuelle Studie zeigt: Beim Time-Restricted Eating (TRE) – Essen in einem begrenzten Zeitfenster – macht es einen Unterschied, wann wir essen.
Untersucht wurden zwei Varianten: ein frühes Essensfenster von etwa 8 bis 16 Uhr (eTRE) und ein spätes Fenster von etwa 13 bis 21 Uhr (lTRE), jeweils mit derselben Kalorienmenge. TRE gilt als einfache Methode, um Gewicht, Blutzucker und Stoffwechsel zu unterstützen, doch gerade die Effekte auf den Fettstoffwechsel waren bislang uneinheitlich. In der Studie wurden 31 Frauen mit Übergewicht oder Adipositas in einem zweiwöchigen Crossover-Design begleitet. Neben Blutwerten kamen moderne Lipidomik-Analysen und Gewebeproben aus dem Unterhautfett zum Einsatz, um den Fettstoffwechsel besonders detailliert zu erfassen.
Das Ergebnis: Nur beim frühen Essensfenster veränderte sich der Fettstoffwechsel deutlich. Über 100 unterschiedliche Blutfette – darunter Ceramide und Phosphatidylcholine – nahmen ab, und auch stoffwechselrelevante Enzyme sowie Gene im Fettgewebe reagierten messbar. Beim späten Essensfenster waren solche Effekte kaum zu sehen. Die Forschenden schließen daraus: Wer früher isst, nutzt seine innere Uhr besser – und unterstützt damit offenbar eine gesündere Verarbeitung von Fetten. Ein Essensfenster in der ersten Tageshälfte könnte daher ein einfacher, alltagstauglicher Hebel sein, um den Stoffwechsel positiv zu beeinflussen und langfristig das Risiko für Stoffwechselerkrankungen zu senken.
🔗Weiterlesen auf den Seiten des Ärzteblatts
Impact of Intended Isocaloric Early versus Late Time-Restricted Eating on Plasma Lipidome in Women with Overweight or Obesity: Secondary Analysis of the ChronoFast Trial, Kristof Szekely et.al. https://doi.org/10.1002/advs.202507149
PLUS …
📺 MINQHingeschaut: 🎬 Filmtipp: Heldin – eine Nacht, die unter die Haut geht
Zwar hat Heldin den Sprung auf die Oscar‑Shortlist verpasst, doch der Erfolg des Films reißt nicht ab. Erst kürzlich wurde Leonie Benesch mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, und auch beim Schweizer Filmpreis geht das Drama mit mehreren Chancen ins Rennen.
Heldin begleitet die junge Pflegekraft Floria (Leonie Benesch) durch eine einzige, endlose Nachtschicht – unterbesetzt, überlastet, aber voller Menschlichkeit. Benesch spielt die Rolle mit beeindruckender Präzision, unterstützt von einer Intensivpflegerin, die jede Bewegung am Set schulte. Gedreht wurde in einem stillgelegten Schweizer Krankenhaus, dessen beklemmende Leere die Atmosphäre trägt. Regisseurin Petra Volpe zeigt den Pflegenotstand ohne Pathos, aber mit großem Respekt für die Menschen, die täglich über sich hinauswachsen. Die Kamera von Judith Kaufmann folgt Floria wie einer Athletin auf einer Eislaufbahn – schnell, konzentriert, erschöpft.
Der Weltpflegeverband ICN hat den Film Heldin ausdrücklich unterstützt und seine Bedeutung für das Bild des Pflegeberufs betont. Obwohl der Film nicht in die Oscar‑Endrunde kam, hob ICN‑CEO Howard Catton hervor, dass er bereits jetzt veraltete Pflege‑Stereotype aufbricht und die Realität des Berufs sichtbar macht. Der Verband verweist auf breite Unterstützung innerhalb der internationalen Pflegecommunity. In einem Podcast spricht Regisseurin Petra Volpe mit Catton über die gesellschaftliche Wirkung des Films. Der ICN betont, dass Heldin weit über Preise hinaus zur öffentlichen Debatte über Pflege beiträgt.
🎬 Heldin ist eine Liebeserklärung an die Pflege, ein Weckruf und ein zutiefst humanistischer Film, der lange nachhallt.
👉 Hier gibt es weitere Infos zum Film
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💬 Über unseren Tellerrand
1️⃣ 🤖🐕 Robodog: Assistenz auf vier robotischen Beinen🤖🐾
Weltweit leben rund 2,2 Milliarden Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung – viele von ihnen stoßen im Alltag auf große Hürden. Ein Team der ETH Zürich entwickelt deshalb einen robotischen Blindenführhund, der mehr kann als ein weißer Stock und leichter verfügbar ist als ein echter Hund. Die vierbeinige Plattform basiert auf kommerziellen Robotern, wird aber mit Sensoren und Recheneinheiten erweitert, sodass sie Treppen, enge Gänge und unebenes Gelände sicher meistert. Autonome Navigationsalgorithmen kombinieren hochpräzise Hinderniserkennung mit der Orientierung, die man sonst aus Smartphone‑Apps kennt. Gemeinsam mit der Initiative Barrier‑Free at ETH Zurich und dem Indoor‑Kartendienst PolyMaps wurde das System bereits mit sehbeeinträchtigten Personen getestet.
Das Projekt geht noch weiter: Ein integrierter Roboterarm soll künftig bei alltäglichen Aufgaben helfen. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität wird zudem eine Steuerung per Smart‑Glasses erprobt. Unterstützt vom ETH Future Computing Laboratory soll der Robodog langfristig zeigen, wie die Assistenzrobotik neue Wege zu mehr Selbstständigkeit eröffnen kann.
Auch das Universitätsklinikum Würzburg tüftelt an einem Roboterhund. Hier wird gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie KIT, dem Forschungszentrum Informatik und dem Forschungszentrum Jülich geforscht, wie ein robotischer Hund das Klinikpersonal auf Station unterstützen könnte. Robo‑Dog HELIA wird dafür für den Einsatz in der Hautklinik über sprachliche Interaktion trainiert. Das Vorhaben ist Teil einer Fördermaßnahme und wird mit 1,78 Millionen Euro unterstützt.
👉 Zur Pressemeldung der ETH Zürich und des UK Würzburg
2️⃣ 🌍 Hitze, Gesundheit, Anpassung – Charité-Forschende untersuchen Anpassungen an den Klimawandel🔥🩺🔧
Der Klimawandel belastet den Globalen Süden besonders stark. Zwei Charité‑Studien zeigen, wie Menschen in Subsahara‑Afrika mit Hitze und Infektionsrisiken umgehen. Hitze und Trockenheit setzen den Landwirten dort stark zu. Viele verbringen lange Stunden auf dem Feld und sind hohen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. Ein Team um um PD Dr. Martina Maggioni untersuchte deshalb in Burkina Faso, wie Frauen und Männer mit steigenden Temperaturen umgehen. Dafür trugen 39 Frauen und 39 Männer ein Jahr lang Sensoren, die Temperatur, Aktivität und Belastung erfassten. Die Daten zeigten: Männer verlagern ihre Feldarbeit häufiger in kühlere Tageszeiten, Frauen können das wegen zusätzlicher Haushaltsarbeit oft nicht. Sie sind dadurch besonders gefährdet.
Ein zweites Projekt in Kenia richtete den Blick auf die Wohnsituation. Dort heizen sich Lehmhäuser stark auf, gleichzeitig steigt das Malariarisiko. Einfache Maßnahmen wie weiß gestrichene Dächer und Fliegennetze senkten sowohl die Innentemperatur als auch die Zahl der Mücken deutlich – und wurden von fast allen Haushalten angenommen.
Beide Studien liefern wichtige Hinweise auch für Deutschland: Steigende Temperaturen erfordern nachhaltige, bezahlbare Schutzmaßnahmen. Global‑Health‑Expertinnen wie Prof. Beate Kampmann Wissenschaftliche Leiterin Charité Center für Global Health und Direktorin des Institut für Internationale Gesundheit betonen, dass der Klimawandel keine Grenzen kennt – und dass Prävention entscheidend bleibt. Was der Süden heute bewältigt, stehe anderen Regionen bald bevor – und Prävention bleibt der stärkste Hebel.
👉 Zur Pressemeldung der Charité

Publikation zur Verhaltensanpassung an hohe Temperaturen in Burkina Faso (The Lancet Planetary Health)
Publikation zur Kühlung von Häusern in Kenia (Nature Medicine)
Gesundheitsprobleme wie Infektionen, resistente Erreger, chronische Krankheiten oder die Folgen von Klimawandel, Konflikten und Migration wirken weltweit. Trotz medizinischer Fortschritte fehlt vielen Menschen der Zugang zu grundlegender Versorgung. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien Chancen für bessere Prävention und Versorgung.
Das Charité Center for Global Health bündelt Forschung zu globalen Gesundheitsfragen, vernetzt Wissenschaft und Praxis und unterstützt nationale wie internationale Global‑Health‑Initiativen.
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1️⃣ 🎗️ Deutsche Krebshilfe: Professor Rita Schmutzler wird neue Präsidentin
Professorin Dr. Rita Schmutzler ist zur neuen Präsidentin der Deutschen Krebshilfe gewählt worden und folgt damit auf Anne‑Sophie Mutter. Die international anerkannte Gynäko‑Onkologin gilt als Pionierin der risikoadaptierten Krebsprävention und leitete bis 2025 das Zentrum Familiärer Brust‑ und Eierstockkrebs an der Uniklinik Köln.
Schmutzler ist der Deutschen Krebshilfe seit vielen Jahren eng verbunden – und auch eine langjährige MINQ‑Spezialistin, die regelmäßig zu Prävention, Genetik und Versorgungsstrukturen beiträgt. Sie betont, wie wichtig vernetzte Versorgung, bessere Datennutzung und starke Prävention für den Fortschritt in der Onkologie sind. Die Deutsche Krebshilfe würdigt ihre wissenschaftliche Expertise, ihre Erfahrung im Umgang mit Patient:innen und ihre breite Vernetzung in der Forschung.
🔗 Zur Pressemedlung der Deutschen Krebshilfe
2️⃣ 🚦📊 Präzisere Unfallstatistik gefordert: DGOU macht Druck
Mehr medizinische Realität, weniger Bürokratie – mit dieser klaren Botschaft ist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU ) beim Verkehrsgerichtstag in Goslar aufgetreten. Die Fachgesellschaft fordert, Schwerverletzte endlich so zu erfassen, wie sie tatsächlich versorgt werden: nach medizinischen Kriterien statt nach Verwaltungslogik. Denn die amtliche Statistik zeigt bislang kaum, wie gravierend viele Unfallfolgen wirklich sind.
DGOU-Präsident und MINQ-Spezialist Prof. Frank Hildebrand betont, dass bessere Sichtbarkeit die Basis für wirksamere Prävention schafft. Trotz sinkender Verkehrstoten überleben viele Menschen dank moderner Medizin – oft mit schweren, lebenslangen Einschränkungen. PD Dr. Christopher Spering kritisiert die bisherige Definition „24 Stunden im Krankenhaus“ als völlig unzureichend. Die Lösung sieht die DGOU in der international etablierten Klassifikation MAIS 3+, die Verletzungen nach Schweregrad bewertet (potenziell lebensgefährlich Verletzte).
Diese kann direkt im Krankenhaus erhoben werden – besonders in Traumazentren mit hoher Expertise. Damit würden medizinische und verkehrsspezifische Daten erstmals systematisch zusammengeführt. Das TraumaRegister zeigt seit Jahrzehnten, wie wertvoll medizinische Daten für Versorgung und Forschung sind – allerdings ohne Unfallmechanismen. Diese Lücke erschwert Prävention und Weiterentwicklung von Fahrzeugsicherheit und Infrastruktur. Die DGOU fordert daher eine enge Verzahnung von Verkehrs- und Medizindaten. Spering sieht in MAIS 3+ einen zentralen Baustein moderner Verkehrssicherheitsarbeit und einen Schritt Richtung Vision Zero. Auch die Bundesregierung plant laut Verkehrssicherheitsprogramm 2021–2030, die Erfassung von Schwerverletzten nach MAIS 3+ neu aufzusetzen. Bund und Länder sollen damit eine gemeinsame Grundlage für gezielte Prävention schaffen.
📣 Ankündigungen
ℹ️ „Weiße Rose“ Gedächtnisvorlesung: „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den ihr um euer Herz gelegt!“
🕯️ Vor 83 Jahren wurden die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ und Studierende an der LMU, zusammen mit ihrem Freund Christoph Probst in Stadelheim hingerichtet. Die jährliche Gedenkstunde für die „Weiße Rose“ erinnert an das Vermächtnis aller Widerstandskämpferinnen und Widerstandkämpfer gegen das nationalsozialistische Terrorregime.
📖 Die Weiße-Rose-Gedächtnisvorlesung 2026 lädt dazu ein, dieses Vermächtnis gemeinsam zu reflektieren und es in die Gegenwart zu holen. In diesem Jahr spricht Natalie Amiri, Journalistin, Fernsehmoderatorin und Buchautorin.
📅 Wann: Mittwoch, 4. Februar 2026, 18 Uhr s.t.
📍 Wo: Audimax, Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München
1️⃣ Essener Herz- und Gefäßtagung❤️🤝📣
Im Februar wird Essen erneut zum Treffpunkt der Herz‑ und Gefäßmedizin. Am 13. und 14. Februar lädt die Essener Herz‑ und Gefäßtagung (EHGT) ins SANAA‑Gebäude auf dem Gelände der Zeche Zollverein ein – zwei Tage voller aktueller Entwicklungen aus Kardiologie, Angiologie und Gefäßmedizin.
Unter der wissenschaftlichen Leitung der beiden MINQ-Spezialisten Professor Tienush Rassaf und Professor Payam Akhyari erwartet die Teilnehmenden ein breites Programm: moderne Diagnostik, innovative Therapiekonzepte, Sessions zu Herzinsuffizienz, Rhythmologie, strukturellen Herzerkrankungen und neuen Leitlinien. Ergänzt wird die Tagung durch Industriesymposien und Austauschformate wie den Speakers Corner – Meet the Experts.
🔗 Zu Kongress-Homepage und Wissenschaftlichem Programm
📅 Wann: 13. und 14. Februar 2026
📍 Wo: SANAA-Gebäude, Zeche Zollverein, Gelsenkirchener Straße 209, 45309 Essen
2️⃣ 🧬 Ausstellungstipp – Gesundheitsforschung zum Anfassen🔬🖼️🔍
In Tübingen macht eine besondere Wanderausstellung Halt: „Wenn Ideen Wirklichkeit werden – Erfolge der Gesundheitsforschung“ zeigt, wie medizinische Innovationen den Weg in die Versorgung finden. Auf einer interaktiven digitalen Tafel lassen sich zwölf Forschungserfolge entdecken – von COVID‑19‑ und Malaria‑Impfstoffen bis zur personalisierten Krebstherapie. Auch ein Tübinger Projekt ist vertreten: Die Arbeiten von Tropenmediziner Professor Peter Kremsner zum Malaria‑Impfstoff. Dazu kommen anschauliche Beispiele aus der Praxis, etwa Lolli‑Tests, neue Hepatitis‑D‑Therapien oder Telemedizin für Herzpatienten.
Die Ausstellung macht sichtbar, wie Forschung Diagnosen verbessert, Therapien präziser macht und Lebensqualität steigert.
👉 Weiterlesen auf den Seiten des UK Tübingen
📅 Wann: bis 2. März 2026
📍 Wo: Eingangsbereich der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen, Otfried-Müller-Straße 10, Tübingen
3️⃣ 🤖🦿19. Endoprothetikkongress: Was die Endoprothetik 2026 bewegt 🚀🦴
Die Endoprothetik entwickelt sich rasant weiter – und genau deshalb bleibt der jährliche Kongress unverzichtbar. Moderne Implantate und neue Technologien verbessern die Versorgung, gleichzeitig steigen Erwartungen, Kosten und der Bedarf an klaren Antworten. Welche Innovationen bringen echten Nutzen? Welche Prozesse lassen sich optimieren? Und was beeinflusst die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten im digitalen Zeitalter wirklich?
Der Endoprothetikkongress 2026 setzt auf direkten Austausch mit nationalen und internationalen Expert:innen – zu Themen wie Robotik, Implantatwahl oder periprothetischen Infektionen. Ergänzt wird das Programm durch Formate für Physiotherapie, OP‑Teams und den beliebten Rookie‑Kurs.
🔗 Zu Kongress-Homepage und Wissenschaftlichem Programm
📅 Wann: 12. bis 14. Februar 2026
📍 Wo: Langenbeck-Virchow-Haus Berlin, Luisenstraße 58/59, 10117 Berlin
🤕 IchalsPatient
1️⃣ 🎶🧠 Warum schön klingende Wörter leichter im Gedächtnis bleiben🎶🧠
Eine neue Studie der Anglistin Theresa Matzinger, von der Universität Wien, zeigt: Laute allein beeinflussen, wie schön wir Wörter finden – und wie gut wir sie uns merken. Um Bedeutungen auszuschließen, testete das Team erstmals bedeutungsfreie Pseudo-Wörter wie clisious oder smanious. 100 Teilnehmende sollten diese Kunstwörter lernen, wiedergeben und anschließend bewerten.
Das Ergebnis: Wörter, die als schön empfunden wurden, blieben auch besser im Gedächtnis. Überraschend dabei: Die „schönsten“ Wörter waren nicht unbedingt jene, die das Forschungsteam ursprünglich als besonders wohlklingend gestaltet hatte. Damit deutet die Studie auf einen engen Zusammenhang zwischen klanglicher Ästhetik und Merkbarkeit hin. Ob wir Wörter schön finden, weil wir sie uns gut merken – oder umgekehrt – bleibt offen. Matzinger vermutet zudem, dass vertraute Lautmuster eine Rolle spielen könnten, ähnlich wie bekannte Melodien in der Musik.
Die Erkenntnisse reichen weit über die Grundlagenforschung hinaus: Sie könnten das Sprachenlernen, die Werbung und sogar langfristige Sprachwandelprozesse beeinflussen. Denn möglicherweise setzen sich Lautmuster durch, die wir als angenehm empfinden – während weniger attraktive Klänge über Generationen verschwinden.
Veröffentlicht wurde die Studie in PLOS One und liefert einen neuen Blick darauf, wie eng Ästhetik und Kognition in der Sprache verwoben sind.
🔗 Zur Pressemeldung der Universität Wien
Matzinger, T., & Košić, D. (2025). Phonemic composition influences words' aesthetic appeal and memorability.
PLOS One. DOI: 10.1371/journal.pone.0336597
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