đ 4/2026
AD(H)SâMedikationen steigen europaweit · Roboter lernt Lippenlesen â erstaunlich menschlich · Umweltstress macht krank · Bambus als mögliches Superfood · Ghostbots - Wenn die Toten weiterreden · Ausstellung âAnatomie der FragilitĂ€t · Wenn Segeln beim Heilen hilft
đ 5 weekly picks
1 đ đđ§ AD(H)SâMedikationen steigen europaweit â đđ Neue Studie zeigt deutliche Verschreibungstrends
AD(H)SâDiagnosen nehmen zu â und mit ihnen die Zahl der verschriebenen Medikamente. Eine neue Analyse aus dem Lancet Regional Health Europe zeigt, wie stark die Verordnungen in fĂŒnf europĂ€ischen LĂ€ndern seit 2010 gestiegen sind. Besonders auffĂ€llig: Erwachsene, MĂ€dchen und Frauen erhalten heute deutlich hĂ€ufiger AD(H)SâMedikamente als noch vor wenigen Jahren. Untersucht wurden Deutschland, Spanien, GroĂbritannien, Belgien und die Niederlande. In allen LĂ€ndern zeigt sich ein klarer AufwĂ€rtstrend, am stĂ€rksten in GroĂbritannien, die höchsten Werte in den Niederlanden. Deutschland verzeichnet moderate ZuwĂ€chse â mit einem erneuten Anstieg seit 2017.
Fachleute sehen darin weniger ein Warnsignal als vielmehr eine Korrektur frĂŒherer Unterdiagnosen, vor allem bei Erwachsenen. Gleichzeitig bleibt die BehandlungskontinuitĂ€t gering: Nur ein kleiner Teil der Betroffenen erhĂ€lt nach einem Jahr noch Folgerezepte. Die Versorgung unterscheidet sich stark zwischen den LĂ€ndern â abhĂ€ngig von Zugang zu FachĂ€rzten, der Rolle psychosozialer Angebote und der gesellschaftlichen Haltung zu Psychopharmaka.
MINQ-Spezialistin Prof. Dr. Alexandra Philipsen vom UniversitĂ€tsklinikum Bonn sieht die steigenden Verordnungen gelassen: Mehr Frauen erhielten Medikamente, âweil sich das GeschlechtsverhĂ€ltnis bei Erwachsenen angleichtâ. Gleichzeitig warnt sie vor einer âschlechten BehandlungskontinuitĂ€tâ und einer âunzureichenden Versorgungssituationâ in Deutschland. Prof. Dr. Marcel Romanos vom UniversitĂ€tsklinikum WĂŒrzburg spricht ebenfalls von einer âerheblichen Unterversorgung im Erwachsenenalterâ, sieht aber in den steigenden Zahlen auch Fortschritte. Dass Erwachsene, MĂ€dchen und Frauen hĂ€ufiger Medikamente erhalten, zeige eine âVerbesserung der Versorgungssituationâ. FĂŒr die kommenden Jahre erwartet er weitere Zunahmen, da die Diagnostik noch im Aufholprozess ist.
FĂŒr Kinder betonen Forschende die Bedeutung schulbasierter Interventionen, die nachweislich groĂe Effekte erzielen. Medikamente können Symptome lindern, ersetzen aber nicht die Förderung der Selbstregulation â und heilen AD(H)S nicht.
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đ§ passend dazu der BR-Podcast AD(H)S bei Frauen - Unbekannt weil unerkannt đ»
Differential working memory changes following methylphenidate in medication-naive and medication-experienced adults with ADHD. Shimizu M, Takagi S, Aoki R, Itahashi T, Shikauchi Y, Nakamura H, Sugihara G, Takahashi H, Nakamura M.PCN Rep. DOI: 10.1002/pcn5.70286
2 đ đ€đ€ Roboter lernt Lippenlesen â und wird dabei erstaunlich menschlichđ€đŁïž
Ein Forschungsteam der New Yorker Columbia University hat einen Roboter entwickelt, der nicht nur synchron zu gesprochenen und gesungenen Worten die Lippen bewegt, sondern auch passende GesichtsausdrĂŒcke erzeugt. Ziel ist es, Maschinen natĂŒrlicher wirken zu lassen â und damit Vertrauen zwischen Mensch und Technik zu stĂ€rken.
Der Weg dorthin ist komplex: Realistische Lippenbewegungen erfordern eine flexible kĂŒnstliche Gesichtshaut, die von vielen kleinen Motoren prĂ€zise gesteuert wird. Regelbasierte Animationen wirken schnell kĂŒnstlich oder sogar unheimlich. Die Ingenieur:innen setzten deshalb auf Lernen durch Beobachtung. ZunĂ€chst ĂŒbte der Roboter vor einem Spiegel â ausgestattet mit 26 Motoren, die seine kĂŒnstlichen Muskeln bewegen. Wie ein Kind, das Grimassen schneidet, verzog er tausendfach zufĂ€llig sein Gesicht und lernte so, welche Motorenkombination welche Mimik erzeugt.
Im nÀchsten Schritt trainierte die KI mit Videos von sprechenden und singenden Menschen, um die Bewegungen menschlicher Lippen bei verschiedenen Lauten nachzuahmen. Perfekt ist das Ergebnis noch nicht, besonders bei Lauten, die ein Spitzmachen der Lippen erfordern. Doch laut Projektleiter Hod Lipson wird der Roboter mit jeder Interaktion besser.
Die Arbeit zeigt, wie weit humanoide Robotik inzwischen ist â und wie viel Feinarbeit nötig bleibt, um Maschinen wirklich natĂŒrlich wirken zu lassen.
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âLearning Realistic Lip Motions for Humanoid Face Robotsâ, Yuhang Hu, Jiong Lin, Judah Allen Goldfeder, Philippe M. Wyder, Yifeng Cao, Steven Tian, Yunzhe Wang, Jingran Wang, Mengmeng Wang, Jie Zeng, Cameron Mehlman, Yingke Wang, Delin Zeng, Boyuan Chen and Hod Lipson, DOI: 10.1126/scirobotics.adx3017
3 đ đđš Umweltstress macht krank â DGIM fordert konsequentere PrĂ€vention â€ïž đšđ„
Weltweit sterben jedes Jahr rund 20âŻMillionen Menschen an HerzâKreislaufâErkrankungen â und etwa jeder fĂŒnfte dieser TodesfĂ€lle geht laut internationalen Herzgesellschaften auf Umweltverschmutzung zurĂŒck. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Innere Medizin (DGIM) unterstĂŒtzt den neuen globalen Appell, Umweltstressoren endlich als zentrale Gesundheitsgefahr ernst zu nehmen.
Denn: Luftverschmutzung, Hitze, LĂ€rm und andere Umweltfaktoren beeinflussen das gesamte Spektrum internistischer Erkrankungen â von HerzâKreislaufâLeiden ĂŒber Krebs bis Diabetes und Adipositas. DGIMâVorsitzende und MINQ-Spezialistin Dagmar FĂŒhrerâSakel betont, dass PrĂ€vention nur funktionieren kann, wenn Ă€uĂere Lebensbedingungen systematisch mitgedacht werden. Besonders gefĂ€hrdet seien Ă€ltere Menschen, chronisch Kranke und sozial Benachteiligte. FĂŒr DGIMâGeneralsekretĂ€r Georg Ertl ist klar: Umweltâ und Klimaschutz sind keine Randthemen, sondern Grundpfeiler moderner Gesundheitsvorsorge.
Die DGIM arbeitet seit Jahren daran, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Hitze, LuftqualitĂ€t und weiteren Umweltfaktoren aufzubereiten â mit dem Ziel, PrĂ€vention und Versorgung an die verĂ€nderten Umweltbedingungen anzupassen.
đ Zur Pressemitteilung der DEGIM
đ Zum gemeinsame Statement der European Society of Cardiology (ESC), das American College of Cardiology (ACC), die American Heart Association (AHA) und der World Heart Federation (WHF)
Thomas MĂŒnzel, Thomas LĂŒscher, Christopher M Kramer, Keith Churchwell, Amam Mbakwem, Sanjay Rajagopalan, Environmental stressors and cardiovascular health: acting locally for global impact in a changing world: A statement of the European Society of Cardiology, the American College of Cardiology, the American Heart Association, and the World Heart Federation, European Heart Journal, 2026, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf915
4 đ đâš Bambus als mögliches âSuperfoodâ? â Neue Analyse zeigt verblĂŒffende Effekte đđ„
Bambus könnte weit mehr sein als ein asiatisches Grundnahrungsmittel: Eine neue Studie zeigt, dass die Sprossen erstaunliche gesundheitliche Vorteile bieten â von besserer Blutzuckerkontrolle bis hin zu entzĂŒndungshemmenden Effekten. Forschende der Anglia Ruskin University haben erstmals alle verfĂŒgbaren Human- und Laborstudien ausgewertet. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Bambus ist proteinreich, fettarm, liefert Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine. In Studien verbesserten die Sprossen die glykĂ€mische Kontrolle und das Lipidprofil â beides wichtige Faktoren fĂŒr Diabetes- und Herz-Kreislauf-Risiken. Auch die Darmfunktion profitierte, ebenso antioxidative und antiinflammatorische Prozesse.
Die Laboranalysen zeigen zusĂ€tzlich probiotische Eigenschaften und eine mögliche Reduktion toxischer Stoffe wie Furan und Acrylamid beim Braten oder Rösten. Ganz ohne Risiko ist Bambus allerdings nicht: Einige Arten enthalten roh giftige cyanogene Glycoside, und einzelne Studien weisen auf mögliche Effekte auf die SchilddrĂŒse hin. Beides lĂ€sst sich durch korrektes Vorkochen vermeiden.
Die Forschenden sehen groĂes Potenzial fĂŒr eine nachhaltige, gesunde ErnĂ€hrung â betonen aber, dass mehr hochwertige Humanstudien nötig sind, bevor Bambus offiziell als âSuperfoodâ gelten kann.
đ Weiterlesen auf den Seiten der ARU Cambridge
Damiano Pizzol, Tobia Zampieri, Robert MacKinnon, Dong Keon Yon, Fiona Richardson, Guillermo F. LĂłpez SĂĄnchez, Susanna Caminada, Alessandro Bertoldo, Laurie Butler, Nicola Veronese, Pinar Soysal, Jae Il Shin, Lee Smith, Bamboo consumption and health outcomes: A systematic review and call to action, https://doi.org/10.1016/j.bamboo.2025.100210.
5 đ đ©șđ Studie: KrebsĂŒberlebende am Land leiden hĂ€ufiger chronisch đđ§ââïžđŸ
Eine neue Analyse aus den USA zeigt deutliche Unterschiede in der Schmerzbelastung von KrebsĂŒberlebenden je nach Wohnort. Auf Basis von Daten aus dem National Health Interview Survey wurden 5.542 Personen untersucht, deren Krebsdiagnose höchstens fĂŒnf Jahre zurĂŒcklag. Das Ergebnis: 43 Prozent der Betroffenen in lĂ€ndlichen Regionen berichten ĂŒber chronische Schmerzen â deutlich mehr als die 33,5 Prozent in stĂ€dtischen Gebieten. Auch nach BerĂŒcksichtigung von Faktoren wie Alter, Einkommen, Bildung oder Begleiterkrankungen blieb der Unterschied bestehen.
Die Forschenden um Hyojin Choi von der University of Vermont sehen mögliche Ursachen in strukturellen Defiziten: In lĂ€ndlichen Regionen gibt es weniger UnterstĂŒtzungsangebote, weniger spezialisierte Schmerzexpert:innen und hĂ€ufiger versicherungsbedingte HĂŒrden bei der Therapie. Die statistische Auswertung zeigt ein signifikant erhöhtes Risiko fĂŒr chronische Schmerzen bei lĂ€ndlich lebenden KrebsĂŒberlebenden.
Die Autor:innen betonen, dass weitere Studien nötig sind, um VersorgungslĂŒcken zu identifizieren â und gezielt zu verbessern, damit KrebsĂŒberlebende unabhĂ€ngig vom Wohnort Zugang zu wirksamer Schmerzbehandlung erhalten.
đ Weiterlesen auf den Seiten der University of Vermont und des Ărzteblatts
Choi H, Hallgren E, Reblin M, Tracy JK, Ziller E. Rural-Urban Differences in the Prevalence of Chronic Pain Among Adult Cancer Survivors. JAMA Netw Open. 2025;8(12):e2549972. DOI:10.1001/jamanetworkopen.2025.49972
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đŹ Ăber unseren Tellerrand
1ïžâŁđŻïžđ€ Wenn die Toten weiterreden â Ghostbots verĂ€ndern die Trauerarbeit đïžđŹ
Anett Bommer hört die Stimme ihres verstorbenen Mannes, klar und warm, als wĂŒrde er im Raum stehen. Michael Bommer starb 2024 an Darmkrebs â doch ein Ghostbot, den er kurz vor seinem Tod mit persönlichen Geschichten und Sprachaufnahmen fĂŒtterte, lĂ€sst ihn digital weiterleben. Entwickelt vom USâStartâup Eternos, imitiert die KI Tonfall, Charakter und Antworten erstaunlich prĂ€zise.
Ghostbots markieren einen möglichen Wendepunkt in der Trauerkultur. Statt sich nur zu erinnern, können Hinterbliebene nun mit digitalen Abbildern Verstorbener interagieren. Forschende wie Katarzyna Nowaczyk von der UniversitÀt Cambridge warnen jedoch vor psychischen Risiken und fehlenden Regeln. Wer darf einen Ghostbot erstellen? Was passiert bei technischen Störungen oder wenn Anbieter verschwinden?
Auch in Deutschland wird ĂŒber Regulierung diskutiert. Die OsnabrĂŒcker Forscherin Nora Lindemann vom Institut fĂŒr Kognitionswissenschaft plĂ€diert dafĂŒr, Ghostbots als Medizinprodukte einzustufen â inklusive Wirksamkeitsâ und Sicherheitsnachweis. Andere, wie der Trauerforscher Professor Hansjörg Znoj (emeritierter Professor fĂŒr Klinische Psychologie an der UniversitĂ€t Bern), lehnen das ab: Trauer sei keine Krankheit, der Umgang damit mĂŒsse frei bleiben.
Eine Studie von 2023 zeigt, dass Ghostbots Betroffenen durchaus helfen können. Einige Nutzerinnen und Nutzer beschrieben die GesprĂ€che als âtherapeutischâ und emotional entlastend â eine Art weiche Landung im Kontakt mit dem Verlust. Doch die Technologie bleibt ambivalent. Sie kann Trost spenden, aber auch das Loslassen erschweren. FĂŒr Anett Bommer ist klar: âDas ist nicht mein Mann.â Sie nutzt die KI selten â und greift lieber zu Fotos oder Musik. Gleichzeitig war das Erstellen des Bots fĂŒr ihren Mann ein letzter Akt der Selbstbestimmung, fast wie elektronische Memoiren.
Wie Ghostbots kĂŒnftig eingesetzt werden, hĂ€ngt davon ab, ob sie als ErinnerungsbrĂŒcke, Trauerhilfe oder digitales Weiterleben verstanden werden.
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2ïžâŁ đ§ đ Warum ein Klick reicht, um Falsches glaubwĂŒrdiger zu machen đĄđČ
Je öfter wir eine Information sehen, desto eher halten wir sie fĂŒr wahr â dieser sogenannte TruthâEffekt ist seit Jahrzehnten bekannt. Forschende der RuhrâUniversitĂ€t Bochum zeigen nun: Der Effekt wird noch stĂ€rker, wenn wir die Information selbst ausgewĂ€hlt haben. Schon das Anklicken einer Headline erhöht spĂ€ter die GlaubwĂŒrdigkeit ihres Inhalts.
In acht OnlineâExperimenten mit fast 1.000 Teilnehmenden verglich das Team um Moritz Ingendahl (Social Cognition Lab), wie Menschen wiederholte versus neue Aussagen bewerten. Das Ergebnis: Wiederholte Informationen wirken ĂŒberzeugender â und besonders dann, wenn sie zuvor aktiv ausgewĂ€hlt wurden. Gerade in digitalen Medien hat das weitreichende Folgen. Wer bestimmten Accounts folgt oder gezielt Inhalte anklickt, verstĂ€rkt unbewusst die eigene AnfĂ€lligkeit fĂŒr vertraut wirkende Botschaften. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, solche Inhalte zu teilen â und trĂ€gt damit zur weiteren Verbreitung bei.
Die Forschenden vermuten, dass aktive Informationssuche mehr Aufmerksamkeit bindet und Erinnerungen stĂ€rkt. Das macht selbst gewĂ€hlte Inhalte besonders einprĂ€gsam. Dieser Mechanismus kann Fake News begĂŒnstigen â aber auch Faktenchecks stĂ€rken, wenn sie so gestaltet sind, dass Nutzerinnen und Nutzer sie bewusst auswĂ€hlen.
đ Weiterlesen auf den Seiten der Ruhr UniversitĂ€t Bochum
Moritz Ingendahl, Anna Schulte, Florian Weber, André Vaz, Johanna Woitzel, Hans Alves: Choosing to Believe: How Active Sampling Enhances the Truth Effect, in: Journal of Experimental Psychology: General, https://dx.doi.org/10.1037/xge0001888
đŹ In unserer Mailbox
1ïžâŁ đ§«đ Forschung, die 2026 Schlagzeilen machen dĂŒrfteđĄđ©ș
Weltweit starten jedes Jahr ĂŒber 5000 klinische Studien â neue Therapien werden erprobt, vielversprechende Medikamente rĂŒcken nĂ€her an die Zulassung. Doch welche Projekte könnten 2026 besonders viel Aufmerksamkeit bekommen?
Das Fachmagazin Nature hat eine Auswahl jener Studien getroffen, die im kommenden Jahr das Potenzial haben, fĂŒr Schlagzeilen zu sorgen. Die ARD stellt diese Auswahl in ihrem Podcast âWissen aktuellâ vor
đ§ Zur neuen Folge: Neue Medikamente, neue Studien: Das wird 2026 in der Medizin wichtig
2ïžâŁ đ§ŹđĄïž TĂŒbingen testet personalisierten TâZellâAktivator â starke Immunantwort bei CLL đŹđ§
Forschende des UniversitĂ€tsklinikums TĂŒbingen melden einen wichtigen Fortschritt in der personalisierten Krebsmedizin. In einer PhaseâIâStudie wurde erstmals ein individuell zugeschnittener TâZellâAktivator bei Patient:innen mit chronischer lymphatischer LeukĂ€mie (CLL) getestet â mit beeindruckenden Ergebnissen. CLL ist die hĂ€ufigste Form von Blutkrebs im Erwachsenenalter und schwĂ€cht ĂŒber Jahre das Immunsystem. Der neue Ansatz nutzt kurze Peptide, die gezielt an LeukĂ€miezellen binden und das Immunsystem wie eine Art Impfung aktivieren. ErgĂ€nzt wird dies durch einen in TĂŒbingen entwickelten Immunstimulator.
Die 20 Studienteilnehmenden erhielten drei Injektionen ĂŒber drei Monate. 95 Prozent entwickelten eine starke, anhaltende Immunantwort gegen die LeukĂ€miezellen, 90 Prozent zeigten einen RĂŒckgang der Krebszellen. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.
FĂŒr die Forschenden ist das ein möglicher Startpunkt fĂŒr eine neue Ăra personalisierter Immuntherapien â nicht nur bei CLL. Der Ansatz lĂ€sst sich standardisiert herstellen und könnte kĂŒnftig auch bei anderen Tumorarten eingesetzt werden. Als nĂ€chster Schritt ist eine PhaseâIIâStudie geplant, um die Wirksamkeit weiter zu prĂŒfen.
Heitmann, J. S., Maringer, Y., Jung, S. et al. Personalized multi-peptide-based T cell activator for chronic lymphocytic leukaemia: an open-label, single-centre, phase 1 study. Lancet Haematology (2026). DOI: 10.1016/S2352-3026(25)00323-0
đŁ AnkĂŒndigungen
1ïžâŁ đš Ausstellung âAnatomie der FragilitĂ€tâ â Körperbilder in Kunst und Wissenschaft đ°ïž đș

Wie wir Körper sehen, deuten und darstellen, verĂ€ndert sich seit Jahrhunderten â und genau diesen Wandel macht der Frankfurter Kunstverein jetzt in einer neuen Ausstellung sichtbar. âAnatomie der FragilitĂ€tâ fĂŒhrt die Besucher:innen durch ein faszinierendes Zusammenspiel aus antiken Artefakten, religiösen Votivgaben, spektakulĂ€ren anatomischen Wachsmodellen des 18. Jahrhunderts und neuesten medizinischen Bildwelten, in denen man virtuell durch ein schlagendes Herz reisen kann.
Die Schau stellt diese historischen Perspektiven zeitgenössischen kĂŒnstlerischen Positionen gegenĂŒber, die ein neues VerstĂ€ndnis von Körperlichkeit und Menschsein formulieren. In Kooperation mit der GoetheâUniversitĂ€t Frankfurt, der UniversitĂ€t Bologna, der JustusâLiebigâUniversitĂ€t GieĂen sowie privaten Sammlungen entsteht ein vielschichtiger Blick auf den Körper â als wissenschaftliches Objekt, kulturelles Symbol und verletzliche ProjektionsflĂ€che.
Unter der Schirmherrschaft des Italienischen Generalkonsulats lĂ€dt die Ausstellung zu einem Streifzug durch Menschheitsgeschichte und Gegenwartskunst ein â und zeigt, wie eng Kunst und Wissenschaft miteinander verwoben sind, wenn es darum geht, den Menschen zu verstehen.
đ Wann: bis 1. MĂ€rz 2026
đ Wo: Antikensammlung und Skulpturensaal der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt + Klinik fĂŒr Dermatologie, Venerologie u. Allergologie; UniversitĂ€tsmedizin, Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt
2ïžâŁ đïžđŹ Weltkrebstag 2026: Digitaler Themennachmittag fĂŒr Betroffene und Angehörigeđïžđ€đ©ș
Zum Weltkrebstag am 4. Februar laden die CCC Allianz WERA und das NCT WERA zu einem kostenfreien digitalen Themennachmittag ein. Die Veranstaltung richtet sich an Patient:innen, Angehörige sowie Interessierte.
Unter dem Motto âGemeinsam. Informiert. GestĂ€rkt.â bietet das Programm eine Kombination aus Fachwissen, Austausch und praktischen Impulsen. Zum Auftakt diskutiert eine Talkrunde, wie Betroffene aktiv an klinischen Studien mitwirken können. Im Anschluss folgen vier Workshops aus den Bereichen Bewegung, Energieaufbau, ErnĂ€hrung sowie Achtsamkeit und FatigueâBewĂ€ltigung. Die Inhalte werden von Expert:innen der WERAâStandorte vermittelt und sind auf den Alltag von Betroffenen zugeschnitten.
Zum Abschluss erlĂ€utert Studienkoordinatorin Dr. Carine Nguemeni vom UK WĂŒrzburg anhand konkreter Beispiele, welche Bedeutung klinische Studien fĂŒr die Entwicklung neuer Therapien haben und wie Patientinnen und Patienten davon profitieren.
đ Zur Veranstaltungswebseite
đ Wann: 4. Februar 2026, 14:00 bis 17:15 Uhr
đ Wo: Online via Zoom
Seit 2023 gehört NCT WERA zum Nationalen Centrum fĂŒr Tumorerkrankungen â einem bundesweiten Verbund aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und fĂŒhrenden universitĂ€tsmedizinischen Partnern an Standorten wie Berlin, Dresden, Heidelberg, SĂŒdWest und West.
đ€ IchalsPatient
1ïžâŁ â”đ Wenn Segeln beim Heilen hilft â junge Krebspatient:innen finden neuen Haltâ”ïžâïž
Eine Krebsdiagnose wirft junge Erwachsene aus dem Leben â medizinische Behandlung allein reicht dann oft nicht aus. Am LMU Klinikum unterstĂŒtzt deshalb ein spezialisiertes Psychoonkologisches Zentrum Betroffene dabei, ihre Erkrankung zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln. FĂŒr Yannic begann dieser Weg mit ZurĂŒckhaltung. Erst auf Empfehlung seiner Psychoonkologin stieĂ er auf reSAILience â ein Segelprojekt fĂŒr junge Menschen mit Krebs. Wenige Wochen spĂ€ter steht er in Griechenland am Steuer eines Segelboots, umgeben von sechs anderen Betroffenen.
An Bord entsteht eine Gemeinschaft, in der man sich versteht, ohne viel erklĂ€ren zu mĂŒssen. GesprĂ€che ĂŒber Ăngste, Therapien und Hoffnungen passieren ganz natĂŒrlich. âWir alle kennen die Angst vor Kontrollterminenâ, sagt Yannic. âGenau deshalb fĂŒhle ich mich so verstanden.â
GegrĂŒndet wurde reSAILience e.V. 2023 von Nele Lienhard und Dr. Philipp Seifert, die selbst in jungen Jahren an Krebs erkrankten. Segeln half beiden, nach der Diagnose wieder ZukunftsplĂ€ne zu entwickeln â heute geben sie diese Erfahrung weiter. Im Rahmen von 7- bis 10-tĂ€gigen Hochsee-Segeltörns verbinden sich Abenteuer, Gemeinschaft und professionelle Begleitung zu einer besonderen Form der Rehabilitation. FĂŒr Seifert, inzwischen Assistenzarzt am LMU Klinikum, ist klar: Junge Krebspatient:innen brauchen mehr als Medizin. Gemeinschaft, Natur und Selbsterfahrung können entscheidend dabei helfen, Mut zu schöpfen und Schritt fĂŒr Schritt ins Leben zurĂŒckzufinden.
đ Weiterlesen auf den Seiten der LMU
â”ïžWer kann mitsegeln?â”ïžâïž
Das Angebot von reSAILience richtet sich an junge Erwachsene, von 18 bis 45 Jahren, die von einer Krebserkrankung betroffen sind â egal ob aktuell in Behandlung, direkt nach Therapieende oder bereits in Remission. Das Ziel ist es, Menschen in Ă€hnlichen Lebenssituationen zusammen zu bringen. ZukĂŒnftig soll das Angebot auch fĂŒr Betroffene anderer schwerwiegender Erkrankungen erweitert werden.
đWeitere Infos zu den geplanten Törns, den Teilnahmebedingungen und zur Bewerbung
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