Foto der Woche Evgeny Matveev

🗞 11/2026

Durchbruch in der personalisierten Onkologie · Belastende Erfahrungen steigern Risiko für Demenz und Schlaganfall · Virusüberleben variiert je nach Temperatur und Oberfläche · Geschlechtsunterschiede bei Darmkrebs · Endometriose: Diagnosen verdoppelt

Mirjam Bauer Karl-Richard Eberle

📌 5 weekly picks

1 📌  🧬💉 Hoffnung auf maßgeschneiderten mRNA‑Impfstoff für Patientinnen mit triple‑negativem Brustkrebs 🎗️✨

Brustkrebs tritt in verschiedensten Formen auf, die sich in molekularen und Gewebemerkmalen unterscheiden. Etwa jeder 6. Brustkrebs ist ein sogenanntes triple-negatives Mammakarzinom (TNBC), auch dreifach-negativer Brustkrebs genannt. Es ist gekennzeichnet durch besonders aggressives Wachstum, das Fehlen der Marker ER-/PR-Rezeptoren und HER2-Moleküle, ein hohes Risiko der Metastasenbildung und einer schlechteren Prognose. Zudem sind häufig jüngere Patientinnen betroffen.

Für diese Patientinnengruppe gibt nun eine neue Studie, die am 18. February 2026 in nature publiziert wurde, große Hoffnung: In einer klinischen Phase-1-Studie unter der Leitung von MINQ-Spezialist Prof. Dr. med. Marcus Schmidt, Professor für Molekulare Onkologie und Leiter der Abteilung für Molekulare Onkologie und Konservative Gynäkologische Onkologie der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauengesundheit der Universitätsmedizin Mainz, wurde ein neuartiger, maßgeschneiderter mRNA-Impfstoff für Patientinnen mit TNBC untersucht. Das Besondere: Im Gegensatz zu Standardtherapien wird dieser Impfstoff für jede einzelne Patientin völlig neu entwickelt. Die Forscher untersuchen das Tumorgewebe der Patientin und identifizieren bis zu 20 einzigartige, nur bei ihr vorkommende Krebs-Mutationen (sogenannte Neoantigene). Über die mRNA-Technologie wird dem Körper ein "Fahndungsfoto" dieser 20 spezifischen Krebsmerkmale übergeben. Das Immunsystem der Patientin wird so exakt darauf programmiert, genau diese verbliebenen Krebszellen aufzuspüren und zu vernichten.

Das Ergebnis: Alle 14 Patientinnen, die mit ihrem individuellen Impfstoff behandelt wurden, entwickelten eine bemerkenswert starke Immunabwehr. Ihr Körper bildete große Mengen an Abwehrzellen (T-Zellen), die passgenau auf die spezifischen Merkmale ihres Tumors reagierten. Das wohl Erstaunlichste an der Studie ist die Langlebigkeit dieser Abwehr. Die krebsbekämpfenden Immunzellen waren teilweise noch bis zu sechs Jahre nach der Impfung hochgradig funktionstüchtig im Blut nachweisbar – und das ganz ohne erneute Auffrischungsimpfungen. Hohe Erfolgsquote bei den Patientinnen: Von den 14 behandelten Frauen blieben 11 über den gesamten Nachbeobachtungszeitraum (bis zu sechs Jahre nach der Impfung) komplett krebsfrei.

Für Ugur Sahin, Professor für Translationale Onkologie und Immunologie an der Universitätsmedizin Mainz, der die Studie gemeinsam mit Marcus Schmidt publizierte, erlauben die Ergebnisse einen ermutigenden Ausblick:

“Insgesamt zeigen diese Ergebnisse die Machbarkeit und dauerhafte neoantigenspezifische Immunität in TNBC, die personalisierte mRNA-Krebsimpfstoffe als Plattformtechnologie unterstützt, und verweisen auf neuartige Behandlungsstrategien zur Überwindung von Resistenzen – insbesondere durch fundierte Behandlungskombinationen.” Ugur Sahin

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Im Gespräch mit MINQ's weekly picks erklärte Professor Schmidt, dass die aktuelle Studie für ihn einen echten Durchbruch in der personalisierten Onkologie darstellt – auch wenn es sich noch um eine frühe Phase handelt und eine randomisierte Studie unbedingt folgen müsse. Der Impfstoff sei „ultrapersonalisiert“, betonte er, weil jeder Tumor segmentiert werde und sein ganz eigenes Mutationsprofil in die mRNA‑Formulierung einfließe.
Für die nächsten Schritte müsse man BioNTech motivieren, sagte er, und er hoffe sehr, dass Ugur Sahin sein „Baby“ weiter begleitet, damit eine randomisierte Studie Realität wird. Eine breite klinische Anwendung sei noch Zukunftsmusik, auch wenn Sequenzierung heute deutlich günstiger sei als vor zwanzig Jahren. Langfristig könnten solche Impfstoffe die Rolle klassischer Therapien verändern – nicht als Ersatz, aber als wichtiges Add‑on zur Chemotherapie.
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Zur Originalpublikation:
Sahin, U., Schmidt, M., Derhovanessian, E. et al. Individualized mRNA vaccines evoke durable T cell immunity in adjuvant TNBC. Nature (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-025-10004-2

2 📌 📉 Studie aus China: Belastende Erfahrungen mit erhöhtem Demenz- und Schlaganfallrisiko assoziiert 🧩🧨

Belastende Erfahrungen hinterlassen Spuren – nicht nur psychisch, sondern auch neurologisch. Eine große chinesische Kohortenstudie der  Zhejiang Chinese Medical University in Hangzhou zeigt: Wer in Kindheit oder Erwachsenenalter stark belastet war, hat ein erhöhtes Risiko für Demenz und Schlaganfall.

Analysiert wurden Daten von über 11.600 Personen ab 45 Jahren aus der CHARLS‑Studie (China Health and Retirement Longitudinal Study), die zwischen Juni 2015 und Dezember 2020 erhoben wurde. Fast 80 % der Befragten berichteten über belastende Kindheitserlebnisse, mehr als ein Drittel Belastungen im Erwachsenenalter. Beide Lebensphasen waren mit einem höheren Demenzrisiko verbunden – besonders stark, wenn Belastungen in beiden Phasen auftraten. Für Schlaganfall zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang vor allem bei Belastungen im Erwachsenenalter. Die Forschenden fanden zudem heraus: die Depression vermittelt einen relevanten Teil dieser Zusammenhänge. Sie erklärte rund ein Drittel des Risikos, das aus belastenden Kindheitserfahrungen resultiert. Auch bei Belastungen im Erwachsenenalter spielte die Depression eine wichtige vermittelnde Rolle.

Die Ergebnisse unterstreichen, wie eng psychosoziale Belastungen, psychische Gesundheit und neurologische Erkrankungen verknüpft sind. Das Team betont, dass Belastungen dort adressiert werden müssen, wo sie entstehen – in Kindheit und Erwachsenenalter. Gleichzeitig müsse die Prävention und Behandlung von Depressionen gestärkt werden, um langfristige Risiken zu reduzieren.

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Zur Originalpublikation:
Chen B, Xue E, Li Y, et al. Life-Course Psychosocial Stress and Risk of Dementia and Stroke in Middle-Aged and Older Adults. JAMA Netw Open. 2026;9(1):e2556012. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.56012

3 📌 🌡️🦠 Wie Temperatur und Oberfläche das Überleben von Viren beeinflussen 🧫 ❄️

Wie lange überleben Viren auf Oberflächen – und hängt das davon ab, wie kalt oder warm es ist? Eine neue Studie der Yale University in New Haven, USA ging genau dieser Frage nach. Als Modellsysteme dienten die Bakteriophagen T4 und φX174, die auf Kupfer, Edelstahl und Polypropylen bei 4 °C und 37 °C exponiert wurden. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede: Kupfer bei 37 °C inaktivierte beide Phagen besonders schnell, während kühlere Temperaturen das Überleben auf allen Oberflächen verlängerten. Kälte hingegen verlängerte das Überleben auf allen Oberflächen deutlich. Edelstahl und Polypropylen verhielten sich ähnlich: Beide konservierten die Viren deutlich besser als Kupfer. Auf diesen Oberflächen überlebten die Phagen länger, besonders bei 4 °C. Die Studie bestätigt damit frühere Forschungsergebnisse zu anderen Viren (z. B. SARS-CoV-2), die zeigen, dass Edelstahl und Kunststoff das Überleben von Viren begünstigen.

Überraschend war ein weiterer Befund: Selbst Viren, die in Überlebenstests nicht mehr nachweisbar waren, konnten sich unter Umständen noch vermehren. Überleben und Vermehrungsfähigkeit sind also nicht dasselbe. Die Studie zeigt, dass Temperatur und Oberfläche gemeinsam – und nicht unabhängig voneinander – darüber entscheiden, wie gefährlich ein Virus in der Umwelt bleibt. Das ist relevant für den Alltag: etwa beim Reinigen von Oberflächen in Krankenhäusern oder bei der Frage, welche Materialien in öffentlichen Räumen, aber auch in privater Umgebung, sinnvoll sind.

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Zur Originalpublikation:
Surface-by-temperature interactions shape the relationship between viral free-living survival and reproduction, Ketty Kabengele, Anmol Seth, Thomas Johnson, C. Brandon Ogbunugafor
DOI: https://doi.org/10.1101/2025.11.16.688743

4 📌 🧬 Darmkrebs-Studie: Welche Gene Tumoren bei Frauen und Männern unterscheiden 🧪🎯

Darmkrebs trifft Frauen und Männer unterschiedlich – doch behandelt wird meist gleich. Ein Team am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Dresden will das ändern und untersucht, welche molekularen Geschlechtsunterschiede die Tumorbiologie prägen. Denn: Frauen entwickeln häufiger rechtsseitige, später erkannte Tumoren und reagieren sensibler auf Medikamente, während Männer insgesamt häufiger erkranken.

Das Projekt CRC‑EXPOSED (Exploring of Sex Disparities on the Molecular Level in Colorectal Cancer) analysiert nun gezielt Gene, die Tumoreigenschaften geschlechtsspezifisch beeinflussen könnten. „Wir wollen verstehen, welche Gene bei Frauen und Männern unterschiedliche Tumorverläufe antreiben – und wie wir diese Erkenntnisse therapeutisch nutzen können“, sagt Projektleiter Dr. Alexander Wurm, Leiter des geförderten Forschungsprojekts CRC-EXPOSED.

Dazu schaltet das Team einzelne Gene in Darmkrebsmodellen aus und beobachtet, wie sich Wachstum und Verhalten der Zellen verändern. Ziel ist es, passgenauere und verträglichere Therapien zu entwickeln – für beide Geschlechter.

Ein zentrales Problem dabei sei, dass Frauen in vielen Studien bis heute unterrepräsentiert sind. Dadurch könnten etablierte Medikamente nicht für alle gleichermaßen geeignet sein. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt drei Jahre lang mit 306.700 Euro. Sie sieht darin einen wichtigen Schritt hin zu einer personalisierten Krebsmedizin, die biologische Unterschiede konsequent berücksichtigt. Das Dresdner Team will damit die Grundlage schaffen, dass Fortschritte in der Darmkrebstherapie künftig allen Patientinnen und Patienten zugutekommen.

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5 📌 🌼 Endometriose: Krankenhausbehandlungen stark gestiegen, Zahl der Diagnosen verdoppelt 🩺📈

Endometriose rückt zunehmend ins öffentliche Bewusstsein – und das zeigt Wirkung. Laut aktuellem Arztreport der BARMER Krankenkasse hat sich die Zahl der gesicherten Diagnosen seit 2005 von 230.000 auf rund 510.000 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig sank das durchschnittliche Erstdiagnosealter um fast vier Jahre auf 37,4 Jahre. Die frühere Diagnose verkürzt für viele Betroffene die oft jahrelange Phase der Ungewissheit. Doch die Erkrankung bleibt komplex: Endometriose ist chronisch, schmerzhaft und kann Organe wie Darm oder Blase beeinträchtigen. Frauen mit Diagnose leiden deutlich häufiger unter Begleiterkrankungen wie Migräne, Muskel‑Skelett‑Beschwerden, Angststörungen und Depressionen. Auch Bauch‑ und Beckenschmerzen treten mehr als doppelt so häufig auf wie in der Vergleichsgruppe. Parallel stiegen die Krankenhausbehandlungen seit 2005 um über 80 % auf rund 38.000 Fälle.

Die aktualisierte Leitlinie setzt nun stärker auf nicht‑invasive Bildgebung statt Bauchspiegelung – ein möglicher Weg, Klinikaufenthalte zu reduzieren. Expertinnen und Experten betonen die Bedeutung einer ganzheitlichen Therapie, die Schmerzmedizin, Endometriosezentren und individuelle Lebensumstände einbezieht.

Der Report zeigt zudem deutliche regionale Unterschiede: Thüringen liegt 20 % unter, das Saarland 20 % über dem Bundesdurchschnitt. In dicht besiedelten Regionen wird häufiger diagnostiziert – ein Hinweis auf weiterhin bestehende Versorgungslücken. Viele Betroffene kennen ihre Erkrankung nicht, weil sie Beschwerden für „normale Regelschmerzen“ halten. Der Arztreport verdeutlicht, dass mehr Aufklärung, frühere Diagnosen und passgenaue Therapien entscheidend sind, um die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern.

🔗Zur Pressemeldung sowie zum Endometriose-Arztreport

PLUS …

💬 Über unseren Tellerrand

1️⃣ 🦴 7,2 Mio. Jahre alt: Knochenfund stellt Ursprung des Menschen infrage 🦴 🌍 🧩

Ein fossiler Oberschenkelknochen aus Bulgarien sorgt für Bewegung in der Evolutionsforschung. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Universität Tübingen beschreibt in Palaeodiversity and Palaeoenvironments eindeutige Merkmale eines frühen Zweibeiners. Der Fund stammt aus Azmaka (Thrakische Tiefebene in Bulgarien) und wird der Gattung Graecopithecus zugeordnet.

Mit 7,2 Mio. Jahren wäre er älter als bisherige afrikanische Vertreter der menschlichen Linie. Bislang galt Afrika als Ursprung des aufrechten Gangs vor rund 6 Mio. Jahren. Der neue Knochen zeigt jedoch typische Anpassungen an Zweibeinigkeit – etwa einen verlängerten, aufrecht gerichteten Oberschenkelhals. Graecopithecus vereint Merkmale von Menschenaffen und späteren Homininen. Die Forschenden sehen darin ein mögliches „fehlendes Bindeglied“.

Der Oberschenkel von Graecopithecus aus Azmaka, Bulgarien, (links) im Vergleich zu Lucys (Australopithecus afarensis) Oberschenkel (Mitte) und jenes eines Schimpansen (rechts). Der Oberschenkelhals (rote Markierung) ist bei den menschlichen Vorfahren Graecopithecus und Australopithecus länger und stärker aufrecht orientiert als beim Schimpansen. Quelle: Uni Tübingen

Der Fundort lag einst in einer savannenähnlichen Landschaft, ähnlich dem heutigen Ostafrika. Klimaveränderungen im östlichen Mittelmeerraum könnten Ausbreitungswellen früher Menschenaffen nach Afrika ausgelöst haben. Möglicherweise wanderte auch Graecopithecus vom Balkan nach Süden und beeinflusste die Entwicklung früher Homininen. Die Arbeiten in Azmaka werden fortgesetzt, um weitere Fossilien und ökologische Hinweise zu finden. Der Fund könnte die Debatte über den geografischen Ursprung der Menschheit neu entfachen.

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Zur Originalpublikation:
Nikolai Spassov, Dionisios Youlatos, Madelaine Böhme, Ralitsa Bogdanova, Latin-ka Hristova, David R. Begun: An early form of terrestrial hominine bipedalism in the Late Miocene of Bulgaria. Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments, https://doi.org/10.1007/s12549-025-00691-0

2️⃣ 🪐 Mikroben könnten von Planet zu Planet reisen – und überleben 🪐🚀🦠

Mikrobielles Planeten‑Hopping erscheint plötzlich weniger wie Science‑Fiction: Eine neue Studie der Johns Hopkins University zeigt, dass bestimmte Mikroben selbst den extremen Druck eines Asteroideneinschlags überstehen könnten. Damit rückt die Idee näher, dass Leben auf Einschlagstrümmern durchs All reisen und sogar auf der Erde gelandet sein könnte. Im Zentrum der Untersuchung steht Deinococcus radiodurans, ein extrem widerstandsfähiges Bakterium, das Kälte, Trockenheit, Strahlung und Vakuum übersteht. Die Forschenden simulierten einen Mars‑Einschlag, indem sie die Mikroben zwischen Metallplatten platzierten und mit Hochdruckprojektilen beschossen. Dabei entstand Druck von bis zu drei Gigapascal – mehr als das Zehnfache des Drucks am Grund des Marianengrabens.

Das Ergebnis überraschte: Bei 1,4 Gigapascal überlebten fast alle Zellen, bei 2,4 Gigapascal noch rund 60 Prozent. Erst bei den höchsten Belastungen zeigten einige Zellen Schäden, viele blieben jedoch intakt. Die Analyse ergab, dass das Bakterium Reparaturgene hochfährt und Wachstum drosselt, um den Schock zu überstehen. Damit gilt als möglich, dass Mikroben in Gesteinsbrocken von einem Planeten ins All geschleudert und auf einem anderen Himmelskörper abgesetzt werden. Die Studie stützt damit die Lithopanspermie‑Hypothese, nach der Leben zwischen Planeten wandern kann.

Zugleich ergeben sich Konsequenzen für die Raumfahrt: Hygieneregeln könnten verschärft werden müssen, um Kontaminationen zu verhindern. Besonders Mars‑Missionen stehen im Fokus, da Material von dort auch seine Monde erreichen könnte. Das Team plant nun weitere Experimente, um zu prüfen, ob Mikroben sich an solche Extrembedingungen anpassen – und ob auch andere Organismen überleben könnten.

🔗 Weiterlesen auf den Seiten der Johns Hopkins University

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Zur Originalpublikation:
Lily Zhao, Cesar A Perez-Fernandez, Jocelyne DiRuggiero, K T Ramesh, Extremophile survives the transient pressures associated with impact-induced ejection from Mars, PNAS Nexus, Volume 5, Issue 3, March 2026, pgag018, https://doi.org/10.1093/pnasnexus/pgag018

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1️⃣ 📘 S3‑Update: Was sich für die Demenzversorgung 2026 ändert 🧠

Rund 1,8 Mio. Menschen in Deutschland leben mit einer Demenz, jährlich kommen etwa 450.000 Diagnosen hinzu. Die aktualisierte Living Guideline Demenzen von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) bringt erstmals klare Empfehlungen zum Einsatz der neuen Alzheimer‑Antikörper Lecanemab und Donanemab. Die Leitlinie soll eine Versorgung nach aktuellem Stand der Wissenschaft sicherstellen und wird seit 2023 jährlich aktualisiert. Neu ist der Vorschlag, die Antikörpertherapie für frühe Alzheimer‑Stadien zu erwägen – trotz noch ungeklärter Kostenübernahme.

Die Wirkstoffe zielen auf Amyloid‑Ablagerungen im Gehirn und können laut Studien das Fortschreiten der Erkrankung um etwa 30 % verlangsamen. Voraussetzung ist eine gesicherte Amyloid‑Diagnostik sowie ein negativer APOE‑ε4‑Homozygotenstatus. Die Behandlung darf nur in spezialisierten Zentren erfolgen und muss in ein umfassendes medizinisches und psychosoziales Konzept eingebettet sein.

Während die Leitliniengruppe mehrheitlich einen Nutzen sieht, hat der G‑BA für Lecanemab keinen Zusatznutzen festgestellt – aufgrund eingeschränkter IQWiG‑Analysen. Die Entscheidung zu Donanemab steht noch aus. Neben der Antikörperempfehlung wurde auch festgelegt, dass die transkranielle Ultraschallpulsstimulation mangels Evidenz nicht eingesetzt werden soll. Insgesamt enthält die Leitlinie nun 117 Empfehlungen, erarbeitet von 37 Fachgesellschaften und Organisationen.

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📣 Ankündigungen

1️⃣ 🌐 Virologie vernetzt: 35. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie 🔬 🧬

Mit frischem Schwung startet nächsten Dienstag die 35. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie (GfV) auf dem Life-Science-Campus der Universität Heidelberg. Vom 17. bis 20. März 2026 treffen sich dort führende Köpfe der Virologie, um neueste Erkenntnisse aus Forschung und Klinik zu präsentieren. Das Programm bietet hochkarätige Keynotes, spannende Workshops und vielfältige Postersessions, die besonders jungen Forschenden Raum für Austausch und Sichtbarkeit geben. Auch die „junge GfV“ erhält erneut eine eigene Bühne.

Ein besonderes Highlight ist die Teilnahme der Schwedischen Gesellschaft für Virologie, mit der eine enge wissenschaftliche Kooperation besteht.

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📅 Wann: 17. bis 20. März 2026

📍 Wo: Universität Heidelberg, "Hörsaalzentrum Chemie", Im Neuenheimer Feld 252, 69120 Heidelberg

2️⃣ ✨ Rassismus, Diskriminierung, Ungleichheit – Psychotraumatologie neu gedacht 🌍💥

Strukturelle Gewalt hinterlässt Spuren – oft tiefere, als auf den ersten Blick sichtbar. Die Jahrestagung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) rückt 2026 genau diese Zusammenhänge in den Mittelpunkt. Zur Tagung treffen sich Fachleute in Berlin, um Traumata intersektional zu betrachten und neue Perspektiven zu entwickeln. Im Fokus stehen dabei die psychischen Folgen von Rassismus, Diskriminierung und gesellschaftlicher Ungleichheit.

Denn: Traumatisierungen entstehen nicht nur durch individuelle Erlebnisse, sondern auch durch soziale Ausschlüsse und strukturelle Machtverhältnisse. Die Tagung fragt daher: Wie beeinflussen Diskriminierungserfahrungen die Entstehung und Aufrechterhaltung von Traumafolgestörungen? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Hierarchien für Diagnostik, Therapie und Versorgung? Und wie kann der therapeutische Prozess sensibel auf diese Dynamiken reagieren?

Intersektionale Ansätze gewinnen in der Psychotraumatologie zunehmend an Bedeutung – nächste Woche werden sie wissenschaftlich vertieft und praktisch diskutiert. Ziel ist es, Versorgungskonzepte weiterzuentwickeln und gesellschaftspolitische Impulse zu setzen.

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📅 Wann: 19. bis 21. März 2026

📍 Wo: Charité - Campus Virchow Klinikum, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin

3️⃣ 💡 Stabilität in unsicheren Zeiten: Schmerzmedizin live in Frankfurt 🩺 🚑 👶

Nach fünf Jahren erfolgreicher Online‑Formate kehrt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) heuer mit einem Präsenzkongress nach Frankfurt zurück. Unter dem Motto „Stabilität in unsicheren Zeiten: Ambulant, teilstationär und stationär“ steht ein Thema im Mittelpunkt, das Millionen betrifft: Rücken‑ und Gelenkschmerzen.

Ein Themenkomplex widmet sich dem engen Zusammenhang von chronischen Schmerzen und Schlafstörungen – ein Teufelskreis, der bis zu 75 % der Betroffenen betrifft. Neue neurobiologische Erkenntnisse zeigen, wie Schlafmangel Schmerzempfindlichkeit steigert und umgekehrt. Ein weiteres Symposium thematisiert Opioidübergebrauch, der bei chronischen Schmerzpatienten bis zu 25 % betrifft. Besonders im Fokus: die Versorgung lebensbegrenzt erkrankter Kinder, für die zugelassene Medikamente oft fehlen.
Professor Oliver Pogarell (Stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LMU Klinikums München) analysiert die bidirektionalen Zusammenhänge von Sucht und Schmerz. MINQ-Spezialist Professor Sven Gottschling (Chefarzt des Zentrums für altersübergreifende Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am UK Saarland) gibt Einblicke in die komplexe Realität der Kinderpalliativmedizin.

👉 Zu Kongress-Homepage und Wissenschaftlichem Programm

📅 Wann: 19. bis 21. März 2026

📍 Wo: Congress Center Messe Frankfurt, Ludwig-Erhard-Anlage 1, 60327 Frankfurt am Main

🤕 IchalsPatient

1️⃣ 🛏️ Schlafen mit erhöhtem Kopf(kissen) könnte Augeninnendruck steigern 👁️⚠️

Menschen mit Glaukom sollten möglichst nicht mit stark erhöhtem Oberkörper schlafen. Eine Studie der Zhejiang‑Universität zeigt, dass eine Kopfhochlagerung von 20–35° den Augeninnendruck (IOD) signifikant erhöht. Bei 144 Betroffenen lag der mittlere IOP mit zwei hoch gestapelten Kissen (20–35° Neigung) deutlich höher als in flacher Rückenlage. Zwei Drittel der Teilnehmenden zeigten einen Druckanstieg von durchschnittlich 1,61 mmHg. Auch der okuläre Perfusionsdruck sank in der Hochkissen‑Position signifikant.

Fachleute zeigen sich überrascht, da bislang oft empfohlen wurde, den Kopf über Herzhöhe zu lagern, um nächtliche Druckspitzen zu vermeiden. Die Forschenden vermuten nun, dass die erhöhte Position zu einer ungewollten Nackenbeugung führt, die die Jugularvenen komprimiert damit den Abfluss des Kammerwassers behindert. Ultraschalluntersuchungen an gesunden Freiwilligen bestätigten eine veränderte venöse Durchblutung in dieser Haltung.

Die neuen Daten deuten darauf hin, dass nicht jede Form der Kopfhochlagerung gleich wirkt. Besonders jüngere Erwachsene und Personen mit primärem Offenwinkelglaukom zeigten stärkere Druckschwankungen. Die Autoren raten daher, Schlafpositionen zu vermeiden, die eine juguläre Kompression begünstigen könnten. Gleichzeitig betonen die Experten, dass die Ergebnisse nicht auf die Seitenlage übertragbar sind. Bis belastbare Langzeitdaten vorliegen, sollten Betroffene weiterhin so schlafen, wie es für sie am angenehmsten ist.

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Zur Originalpublikation:
Liu T, Hu M, Liu X, et al Association of high-pillow sleeping posture with intraocular pressure in patients with glaucoma British Journal of Ophthalmology Published Online First: 27 January 2026. doi: 10.1136/bjo-2025-328037

2️⃣ 🔊 MINQ’s HÖRTIPP: SCHARFE WELLE - Epileptologie verständlich erklärt 🎧 📻

Wer tiefer in die Welt der Epilepsieforschung eintauchen möchte, sollte unbedingt in SCHARFE WELLE reinhören. Im Podcast sprechen MINQ-Spezialist Prof. Dr. Rainer Surges, Direktor der Klinik für Epileptologie, Universitätsklinikum Bonn und Simone Claß, wissenschaftliche Mitarbeiterin, über alles, was Betroffene, Angehörige und Interessierte bewegt. Von aktuellen Forschungsergebnissen über neue Therapieansätze bis hin zu persönlichen Einblicken in den Alltag mit epileptischen Anfällen – jede Folge bringt fundiertes Wissen und verständliche Einordnung zusammen.
Regelmäßig sind zudem Gäste aus Klinik, Wissenschaft und Selbsthilfe zu hören, die weitere Perspektiven eröffnen.

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